Frage 11: Die Bibel

Was bedeutet es für dich, dass die Bibel einerseits Gottes Wort ist, andererseits Fehler, Unklarheiten und Widersprüche enthält?
Für mich bedeutet das, dass ich sie im Moment nicht so richtig einordnen kann. Ich bin fundamentalistisch geprägt, dem entsprechend macht es mir Mühe zu akzeptieren, dass beides zusammen möglich sein kann. Ich bin noch am Ringen damit und suche eine Möglichkeit, mit der Bibel zu arbeiten, ohne eine der beiden Seiten zu vernachlässigen: Einerseits Gottes Wort, andererseits nicht fehlerfrei und erst recht nicht eindeutig.
Aber je mehr ich versuche, damit zu arbeiten und je besser es in kleinen Schritten klappt, desto mehr bin ich von dieser scheinbaren Paradoxie fasziniert. Mir helfen zum Beispiel Worthausvorträge, in denen erklärt wird, wie gewisse Widersprüche zustande kommen und so kann ich manchmal sogar in diesen Widersprüchen Gott erkennen. Das fasziniert mich. Und vielleicht, ganz vielleicht, führt es irgendwann dazu, dass ich von der Bibel selbst wieder fasziniert bin. Jetzt bin ich auf die Kommentare gespannt.

4 Gedanken zu “Frage 11: Die Bibel

  1. Karl Heinz schreibt:

    Hallo, liebe Bithya85,

    aber Du weißt es doch genau so, wie ich und ebenso, wie jede/r andere, die/der in der Bibel schon gelesen hat: Die Bibel ist ein unwahrscheinlich inhaltsreiches Buch! Sie ist eine Sammlung von Niederschriften aus sehr alter Zeit zu Überlegungen, Betrachtungen, Erkenntnissen, Erzählungen, Überlieferungen, Geschehnissen, Botschaften und auch Tatsachenberichten mit Schlussfolgerungen bis hin zu Prophetien/Weissagungen und (einseitig menschlichen) Endzeitvorstellungen.
    Die Bibel wurde nicht von einer alten über allem stehenden Person eigenhändig mit Feder und Tintenfass geschrieben und sie wurde auch nicht von einer übergeordneten akustisch vernehmbaren Stimme diktiert (will sagen: Gott hat die Bibel NICHT absolut persönlich und eigenhändig selbst verfasst).
    Wer trotzdem darauf beharrt, dass die Bibel Gottes Wort IST, der kann sich bestenfalls darauf berufen, dass der Verfasser eines Bibeltextes (ein Mensch) seine Gedanken „nach Gottes Eingebung“ niedergeschrieben hat (was wir heute schreiben sind auch nur Überlegungen, zu denen Gott uns befähigt hat).
    Daraus folgt: Verschiedene Autoren/Verfasser an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten mit unterschiedlichstem Wissens- und Bildungsstand haben viele Dinge aus ihrer Sicht mit den ihnen naheliegenden Erklärungen und Folgerungen niedergeschrieben. SO sind die einzelnen Bücher der Bibel entstanden. Diese Niederschriften heute als DAS absolute Wort Gottes zu sehen,…ich vermag es nicht…

    Ich selbst bin von der Bibel schon fasziniert. Und sie ist auch für mich das Buch der Bücher. Aber nicht alles ist in den jeweils verschiedenen Übersetzungen wörtlich oder gar buchstäblich zu verstehen. Auf den Sinn, darauf, was ein Text uns heute sagen kann, darauf kommt es an. Und darauf, was wir mit unserem Herzen, mit unserer Seele dazu verspüren. So sehe ich das…

    Herzliche Grüße von Karl Heinz

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    • bithya85 schreibt:

      Hallo Karl Heinz,
      danke für deine Antwort und sorry, dass ich jetzt erst reagiere. Ich hab im Moment nur einiges im RL zu tun, deswegen wenig Zeit… aber ich wollte dir doch sagen, dass ich dich gelesen habe und es hier ähnlich sehe wie du.
      LG

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  2. Astrid schreibt:

    Hallo Bithya,

    ach ja, die Frage nach dem Schriftverständnis! Da machst du ja mal wieder ein riesiges, spannendes Fass auf … 😉
    Ich möchte da für mich auch nochmal grundsätzlich an manches ran. Und hier und da bin ich gespannt (und wunderbarerweise trotzdem gelassen), wo ich landen werde.

    Als ich vor meiner Johanneums-Bewerbung abchecken musste, „ob die denn da auch fromm genug sind“ (ich wurde ernsthaft gewarnt aus meinem rechtgläubigen Umfeld *g*), hab ich auf der Homepage einen Artikel des früheren Direktors Burkhard Weber gelesen. Ich hab gerade geguckt: Den kann man da immer noch runterladen (unterstes Dokument „Die Bibel: Wort, an das man sich halten kann): http://www.johanneum.net/downloads/weitere-theologische-und-aktuelle-themen/

    Was Burkhard Weber hier auf zwei gut zu lesenden Seiten schreibt, war für mich damals revolutionär. Dieses wunderbare Miteinander von unerschrockener Wissenschaft und pietistischer Frömmigkeit war mir so noch nie begegnet. Und als ich es gerade nach langer Zeit mal wieder gelesen habe, hab ich gemerkt, wie tief ich mittlerweile selbst geprägt bin von dieser Art Bibelverständnis. Und dafür bin ich sehr dankbar!

    Gleich der erste Satz gibt eine spannende „Lösungsrichtung“ vor für deine Frage:
    „Das Geheimnis der Bibel ist nur mit einem Doppelsatz zu umschreiben: Sie ist ganz Menschenwort und zugleich ganz Gotteswort.“

    Vielleicht hast du ja mal Gelegenheit, dir diesen kurzen Text zu Gemüte zu führen. Ich finde, das lohnt sich sehr.

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    • bithya85 schreibt:

      Danke, Astrid. Das werde ich bestimmt, es beschäftigt mich nämlich sehr. Kann (auch) deshalb im Moment kaum Bibel lesen, weil ich noch zu sehr von dem fundamentalistischen Bibelverständnis geprägt bin. Manchmal klappt es, aber dann meistens nur mit Hilfe von Leuten, die sich auskennen und meistens nur für eine bestimmte Stelle.

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