Die auserwählte Kitschinvation. (Ich mag es.)

Also ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass es mal so weit kommen müsste. Aber jetzt hab ich’s getan. Hm. Wahrscheinlich gab es keinen anderen Weg mehr.

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Ich hab angefangen, The Chosen zu schauen.

Ich weiß gar nicht genau, warum ich auf dieses Thumpnail geklickt habe. Aber ich dachte wohl, alle reden davon und ich war schließlich doch zu neugierig, bei aller Bockigkeit das, was alle tun und wollen grade nicht zu machen. Obwohl ich eigentlich schon genau wusste, was passieren würde, ich kenne mich doch.

Tja. Es ist passiert. Es hat mich sofort gecatcht. Als hätten sie genau gewusst, welche Knöpfe sie bei mir drücken müssen. Aber da bin ich wohl nicht allein. Und in dem Moment, wo ich das geschrieben habe, merke ich auch, in welche Denke ich damit zurück falle. Ob ich das aber möchte weiß ich noch nicht.

Auf jeden Fall, du merkst, es geht mir grade um die Serie. Also folgen jetzt massive Spoiler für die ersten Folgen der ersten Staffel. (So weit bis Abigail das Puppenhaus findet.) Wenn du das nicht möchtest, schau dir besser erst die Serie selbst an. Aber wenn es dich nicht stört, here we go.

Gleich zu Beginn: Das Intro ist ja wohl schrecklich! Ne im Ernst, wie klischeehaft ist das bitte, dass alle Fische in die eine Richtung schwimmen und ein Einzelner in einer auffälligen Farbe in die andere? Und dann ein Fisch nach dem Anderen von diesen anscheinend geklont wird? Ich hatte direkt diese „Sei-ein-lebendiger-Fisch!“-Vibes. Hatten die keine bessere Idee? Hätte ich keine Brille auf wäre das ein passender Moment für eine Facepalm gewesen. Und der Grund, warum ich die Serie bisher nicht geschaut habe war, dass ich mir gedacht habe, das ist doch mit Sicherheit der größte Kitsch überhaupt. Und ja, das ist es auch. Es ist soooo unglaublich kitschig. Aber auf eine gute Art.

Obwohl, ich weiß nicht, ob Kitsch das richtige Wort dafür ist. Meine Güte, es ist echt noch früher Morgen, da hab ich noch keine guten Worte, wenn ich die überhaupt jemals habe. Ich hatte grade meinen ersten Kaffee und überlege, ob ich noch mehr Koffein brauche oder ob ich mich wieder hinlege, es ist ja Wochenende. Hm, ich schätze, die Produzenten haben eine gewisse Intension damit und sie wissen auch, wie sie schaffen, was sie wollen. Vielleicht haben viele evangelikal geprägte Christen diese bestimmten Knöpfe, die man bei uns drücken muss um uns geistlich anzusprechen. Und ich glaube, die sind bei mir in manchen Fällen besonders ausgeprägt. Und zusätzlich ist das Storytelling einfach gut gelungen. Ich meine, sie geben sich echt Mühe, die Charaktere einzuführen, ich meine, in den ersten beiden Folgen kommt Jesus fast nicht vor. Es geht um Maria Magdalena, von der ich zwischendurch unsicher war, ob sie das wirklich ist, weil sie ja Lillith genannt wurde, wegen ihrer gewalttätigen Anfälle. Sie war auch die Erste überhaupt, die vorgestellt wurde, als Kind. Sie haben direkt mit einer meiner Lieblingscharaktere angefangen. Nice. Sie war schon immer die, mit der ich mich am besten identifizieren konnte. Außerdem hieß meine Oma Magdalene. Oma Lena <3. Und es ging um Nikodemus, der sich an ihr die Zähne ausgebissen hat mit einem verhinderten Versuch eines Exorzismus. Ich dachte dabei so, der Typ ist so unsicher, dem hat man die Angst doch sofort angesehen. Und der außerdem einerseits von den Römern erpresst wurde mit „Entweder kommst du mit oder wir brennen dieses Viertel nieder!“ und der andererseits wenig Verständnis zeigt mit Leuten, die anders handeln als er selbst ohne daran zu denken, dass sie vielleicht selbst erpresst werden könnten. Der aber gleichzeitig voller Zweifel ist, ob das, was er tut immer so gut und richtig ist. Und dann Simon und Konsorten, die eigentlich nur versuchen, über die Runden zu kommen und dabei aus lauter Verzweiflung zu einem fiesen 31er-Move greifen, um nicht den Berg Steuern, der sie ruinieren würde bezahlen zu müssen. Matthäus, der für sie zuständig ist, kommt das verdächtig vor und er geht zu seinem Chef, was er fast mit dem Leben bezahlen muss, aber dieser Chef ist beeindruckt von Matthäus Nerven und stellt ihm einen Spezialauftrag in Aussicht. Was das auch immer heißen mag, es kann nichts Gutes sein, oder? Nach allem, wie die Römer bisher dargestellt wurden ist dieser Typ einfach skrupellos. Oktavian heißt er, glaube ich. Nummer 8.

Aber die Storyline um Lillith aka Maria war finde ich am dramatischsten. Zumindest bis jetzt. Ich meine, gleich zu Beginn ein versuchter Totschlag in einem Anfall, der nicht näher erklärt wird, was es eigentlich für einer ist, zuerst dachte ich an Epilepsie, aber da war eigentlich sehr schnell klar, dass es das nicht sein kann. Es wird angedeutet, dass es schon als Kind los ging, dann wurde eine Vergewaltigung durch einen Römer angedeutet, ich weiß nicht, was der eigentliche Auslöser war. Dann ihre Panikattacken, wie sie nach diesen Exorzismus-Versuch alle Hoffnung verloren hat (girl, I feel you) und sich umbringen wollte, von einem Vogel davon abgehalten wurde und schließlich diesen Typen in der Kneipe traf, von dem man erst noch gar nicht wirklich wusste, wer er ist. Aber als sie dann weg gelaufen ist war es ja klar, dass es Jesus war. Wenn ich das richtig im Kopf habe war das auch sein erster Auftritt überhaupt. Er ist dann hinter ihr her und die Befreiung war völlig undramatisch. Kein unsicheres, ängstliches Tamtam wie bei Nikodemus. Nichts gegen den Niko, der ist cool, aber sein Versuch war einfach so karikaturmäßig hilflos und unsicher dass das hier besonders hervor sticht. Ich wette, das war auch genau die Intension dahinter. Eigentlich hat Jesus sie einfach nur daran erinnert, wer sie ist. Thats it. (GIRL, I FEEL YOU!) Was ich aber nicht so gut finde war, dass sie danach sofort ein völlig geregeltes Leben hat mit einem guten Job, einer eigenen Wohnung und einem stabilen sozialen Umfeld. Komm schon, das ist zu viel des Guten. Woher hat sie das alles auf einmal, wenn man daran denkt, dass die meisten Leute vorher noch Angst vor ihr hatten und sie wo es ging gemieden hatten, hat sie jetzt einen Job als Friseur bekommen? Nicht dein Ernst. Und sie gibt ein Shabbat-Essen zu dem ein dutzend Leute kommen? Ernsthaft? Und jetzt kommt noch der Gipfel des Ganzen, plötzlich läd sich sogar Jesus selbst dazu ein. Leute, ernsthaft? REALISMUS! Das ist doch sowas von unlogisch! Woher wusste er, wo sie wohnt und außerdem ist es auch einfach sowas von unhöflich.

Und die dritte Folge, die wollte ich eigentlich gar nicht schauen, weil ich dachte, bei dem Titel kann es ja nur der größte Kitsch überhaupt sein: Jesus liebt alle Kinder. Aber es war halt einfach extrem cute. Ich meine, es war immer noch an vielen Stellen völlig überdreht und überzogen, aber ich werde wohl nie diese Szene vergessen, wo Abigail und Josua sich hinter den Felsen versteckt haben und Jesus beobachtet haben. Er betet so (ich schreibe das jetzt aus dem Gedächtnis): „Gesegnet seist du, Herr, der Getreide wachsen lässt. (Jetzt schaut er kurz auf und dann etwas lauter) und sollten sich jemals zwei Kinder hinter dem Felsen verstecken weil sie mein Zuhause gefunden haben, gib ihnen bitte den Mut, Shalom zu sagen, damit sie sehen, dass ich nicht beiße.“ Ich musste so lachen! Naja, danach ging es eben ziemlich übertrieben weiter, aber der Grundton war trotzdem echt sympathisch. Ich meine, naja, immerhin ist es eine Serie über Jesus von ich meine amerikanischen Evangelikalen, da brauch ich nicht allzu viel Realismus zu erwarten. Aber ich mag es trotzdem irgendwie. Ich mag die Charaktere, ich mag ihre Geschichten und ich mag auch Jesus. Und der wird da einfach toll dargestellt, finde ich.

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