Gute Frucht, schlechte Frucht……

Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Ich meine, ich dachte, ich wüsste inzwischen, was ich von dem Ganzen halte, was ich aus der Fundi-Szene kenne. Ich meine, diese Satisfaktionstheorie von Ansem von Canterburry, die sich inzwischen zu etwas oft völlig Grotskem entwickelt hat, die Sache mit „Gott sein ganzes Leben geben“, die so verstanden oft verhindert, dass man selbstständig und erwachsen wird, die Sache mit der Erbsünde, Purity Culture, Schöpfungsordnung, dem üblen Menschenbild, der Endzeit, Dualismus und und und.

bundeslade

Das Ganze hat mir vor Jahren, als ich noch in der Szene war, schon echt Bauchschmerzen gemacht, ohne natürlich, dass ich es selbst fühlen, geschweige denn benennen konnte oder durfte. Es hat mich zu einem arroganten, von Komplexen und Ängsten geplagten Menschen gemacht. Und je mehr Zeit vergeht desto mehr merke ich, dass das Ganze noch tiefer geht als ich geahnt hatte. Ich meine, nur als Beispiel, erst seit ich nicht mehr da bin kann ich einer geregelten Arbeit nachgehen. Vorher hab ich nach meiner Ausbildung nur hier und da gejobbt und versucht, irgendwie über die Runden zu kommen. Es war oft ein Abenteuer, das ich genossen habe, ja. Aber jedes mal, wenn ich versucht habe, etwas Festeres zu bekommen hat es spätestens nach der Probezeit nicht mehr funktioniert. Vielleicht wäre es ein eigener Artikel, wie es dazu vielleicht gekommen ist. Mal sehen.

Und dabei bin ich noch gut weg gekommen. Ich meine, ich kenne immer mehr Leute, die es noch heftiger abbekommen haben. Ergebnisse sind Psychosen, Depressionen, teilweise Suizide auf der einen und das komplette Verlassen des Glaubens auf der anderen Seite. Ich denke so, wie kann da dann was Gutes bei sein?

»Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, im Inneren aber räuberische Wölfe sind. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Kann man etwa Trauben lesen von Dornbüschen oder Feigen von Disteln?“ (Jesus in Matth. 7)

Und trotzdem ertappe ich mich in letzter Zeit immer wieder dabei, wie ich… ich will nicht sagen, in alte Muster zurück falle, denn das trifft es nicht. Es ist eher…

Ich glaube, ich bringe lieber Beispiele. 

Ich habe vor Kurzem auf Netflix Midnight Mass geschaut. Es ist sehr speziell. Aber darum geht es mir nicht. Ich meine, dass es immer wieder Szenen gab, in denen eine Gruppe von Menschen so alte Gemeindelieder gesungen hat, wie „Du großer Gott“ oder „Allein deine Gnade genügt“. Und ich habe gemerkt, dass ich diese Stellen unglaublich genossen habe. Dass ich im Kopf mitgesungen habe und es war mehr als einfach nur ein „Oh schön, das Lied kenne ich doch, ich kann mich cool fühlen.“ Es war eher total entspannend und stellenweise konnte ich es als Gebet singen. Im Kopf halt. Ich hab mich über mich selbst gewundert, ich dachte, was feierst du hier dieses fundamentalistische Zeugs ab? Aber irgendwie war es so. Ich hatte auch wieder voll Lust, solche Lieder auf der Gitarre zu spielen. (Dabei kann ich das kaum.)

Eine andere Situation war, als ich mit Gott darüber geredet habe, dass ich mir Sorgen mache, den Glauben zu verlieren. Ich meine, das will ich halt auch nicht, schon alleine weil ich Gott wirklich mag. Ich habe keine Angst mehr vor der Hölle oder vor Sünde oder so, aber ich möchte ihn als Bezugsperson nicht verlieren. Ich weiß nicht, woher das kam, aber in meinem Kopf hat sich diese freikirchliche Redewendung geformt: „Zieh mich zu dir“ oder „Halt mich bei dir“. Ich dachte so, äh, ernsthaft? Aber ich meine, es hat halt den Punkt getroffen. Und in dem Moment war es dann auch ok. Obwohl ich es eben aus gewissen Settings kenne. 

Allgemein habe ich in letzter Zeit zum Beispiel auch wieder ein bisschen das Bedürfnis, mich mit der Bibel zu beschäftigen und habe wieder angefangen, Gebetstagebuch zu führen. Zumindest ein wenig. Hm, die Bibel… ich weiß überhaupt nicht, welche. Nicht, dass ich nicht genug hätte, aber sie sind mir entweder zu verbrannt oder zu ideologisch manipulativ. (Davon abgesehen ist die Bibel ja wohl das verwirrendste, komplexeste, schrägste und mit Retcons überschwemmteste Buch überhaupt, das man eigentlich vielleicht mal im Ansatz kapieren kann. Die Bibel ist das Kingdom Hearts unter den Büchern! Grrr! Und das Schrägste ist, dass ich Kingdom Hearts mag!)

Och man, was schreib ich hier eigentlich? Bin halt irgendwie verwirrt. Ich meine, ich dachte, dass diese Sachen aus den krassen Freikirchen doof sind. Und wenn man sich die Früchte ansieht sind sie es ja auch. Und trotzdem. Irgendwie kommt grade ein Teil wieder und ich bin mir nicht sicher, wie ich damit umgehen kann. Ich meine, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin mag ich das eigentlich. Es ist sehr vertraut, es ist ein Stück Geborgenheit und es fühlt sich an wie emotionale Wärme von Gott. Aber ich hab auch Angst, dass ich wieder in den Sumpf gezogen werde, in dem viele meiner alten Bekannten, früher Freunde sind. Und das, was ich an ihnen sehe will ich für mich wirklich nicht. So viele Verschwörungsmythen, so viele Paranoia. Ich weiß nicht, wie man damit gerne leben könnte und ich sehe ja auch die Früchte. Und ich weiß auch noch, wie ich teilweise gedacht habe und das will ich auch nicht wieder.

Geig mir deine Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s