Klimacamp

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Friends, es gibt hier seit einem Monat ein Klimacamp. Und es ist ziemlich stark. Leider nicht sehr groß, der Platz wurde zugeteilt von (ich glaube) Polizei oder Ordnungsamt. Aber mal von der Größe abgesehen kann man sich eigentlich nicht beschweren. Es ist eher windgeschützt, sodass es auch Sturm relativ gut standhält (es hat schon ab und zu gestürmt und es war trotzdem die ganze Zeit besetzt), es ist zentral direkt am Marktplatz und direkt am Eingang zum Rathaus. Der Bürgermeister und Landrat waren schon da und auch Leute von Parteien. Menschen von den Grünen haben einen Abend gestaltet und ein wenig erzählt, wie Lokalpolitik so abläuft und warum Vieles, was eigentlich schon beschlossen war in Sachen Klimaschutz dann doch nicht umgesetzt wurde. (Verwaltung blockiert), es gibt Workshops zu regenerativen Energien und Nachhaltigkeit, Diskussionsrunden und so weiter. Neulich war (noch mal) die Presse da, mal sehen, was es für einen Artikel gibt. Ich bin ein wenig skeptisch, weil diese Zeitung tendenziell… sagen wir mal nicht ganz so ein Fan von Aktivismus ist.

Damit auch auf lokaler Ebene Klimaschutz höchste Prio hat. Ich weiß, dass es die Welt alleine nicht retten wird, wenn eine kleine Großstadt Co2-neutral wird. Aber wenn alle so denken, dass sie doch nichts tun können ist niemandem geholfen. Nur um ein Beispiel zu nennen, wir haben hier eigentlich unglaublich viel Wald. Zumindest hatten wir es mal. Vor einigen Jahren gab es einen furchtbaren Sturm, über Nacht war plötzlich der Wald weg. OK, nicht ganz, aber ein wirklich großer Teil, ich glaube alle waren geschockt. Gut, das kann vielleicht noch einfach Pech gewesen sein, aber inzwischen… es gab mehrere Jahre Dürre hier, der Borkenkäfer macht den Bäumen zu schaffen, die größtenteils Monokulturen sind… und dann soll auch einiges vom restlichen Wald einer neuen Autobahn und Neubaugebieten weichen, was echt nicht nötig wäre. Dabei sind Wälder nicht nur für das lokale (und überregionale) Klima wichtig, sie sind auch Co2-Senken, Heimat für unzählige Arten und einfach auch für uns Menschen gesund. Eine der Gründe für’s Camp.

Ich war neulich seit Mittag da und bin bis nach acht Uhr geblieben. Das war glaub ich die bisher längste Zeit an einem Tag, die ich da war. Ich meine, ich bin sonst auch öfter da, aber immer „nur“ so ein bis zwei Stunden. Oder auch mal drei. Kommt auch immer darauf an, was für Leute da sind. Meistens ziemlich coole, offene. Ist einfach eine sehr schöne Atmosphäre. Gibt Lebensmittelverteilung, also einen Fairteiler mit geretteten Lebensmitteln, ich hab mir neulich Brokkoli genommen und mir wurde dann noch ein großer Salatkopf in die Hand gedrückt. Sonst sitze ich mit den anderen zusammen und wir reden einfach über alles Mögliche, also auch über Klima und Politik, aber auch ganz viel darüber, wie die Stadt und Gesellschaft schöner und nachhaltiger und für alle gesünder gestaltet werden kann. Da mache ich mir schon Gedanken drüber, ich meine, über mögliche alternative Systeme. Kapitalismus ist ja ziemlich am Ende, das sagen viele und ich stimme dem zu. Aber Kommunismus, so toll es auch klingt, hat bisher eben nie wirklich funktioniert und ich wüsste auch nicht, wie man es hinbekommt, dass es funktioniert. Und davon abgesehen muss es doch mehr Möglichkeiten geben als nur die Beiden. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der geteilt wird, sich umeinander gekümmert wird, man die Welt im Kleinen und im Großen so weiter gibt wie man sie vorfinden will, man einfach verantwortungsvoll und achtsam miteinander und der Welt um sich herum umgeht. Wo es selbstverständlich ist, andere so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Egal ob Mensch oder Tier oder anderes Lebewesen. Vielleicht bin ich ein Träumer, aber was soll’s? Wohin kämen wir, wenn man nicht mehr ab und zu träumen dürfte? Und ich dachte grade auch an diesen Spruch, der passt ganz gut: Wohin kämen wir, wenn alle sagten: „Wohin kämen wir?“ und keiner ginge um zu sehen, wohin wir kämen wenn wir gingen? Passt auch zum Camp. Ich meine, es wird halt viel geteilt, verschenkt und Geschenke angenommen und geholfen und Hilfe angenommen. Heißt jetzt nicht, dass es nicht auch Angriffe und Probleme gäbe, es ist ja nicht der Himmel. Es gibt zB Tageszeiten, an denen das Camp nur notdürftig besetzt ist und immer nur von denselben Leuten. Das finde ich ziemlich blöd. Aber übernachten ist halt echt ne Sache, da fehlt mir ganz ehrlich der Mut. Und dann gibt es manchmal Angriffe von Nazis und Pöbeleien von Menschen, die es nicht einsehen, dass etwas anders werden muss. Aber auch unglaublich viel Solidarität, mehr als ich erwartet hätte. Das ist wirklich schön. Und das gibt Hoffnung.

Kurzer Nachtrag: Wer das Camp unterstützen will (Es kostet nichts) kann das hier tun: https://www.openpetition.de/petition/online/forderungen-klimacamp-siegen

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