Verwirrt

Ich weiß, ich wollte wieder viel regelmäßiger schreiben. Und eigentlich sollte das auch möglich sein. Hat bis jetzt halt nicht geklappt. Ehrlich gesagt, ich hab einfach grade einiges an Stress auf der Arbeit. Darüber möchte ich aber nicht sprechen. Ich hoffe, dass es sich bald erledigt.

Aber ich weiß auch nicht, ob ich dann wirklich wieder so regelmäßig schreiben kann. Wie gesagt, ich möchte es gerne. Aber es ist seltsam.

Einerseits freue ich mich kleine Hunde, dass die Zahlen so niedrig sind, dass es so viele Freiheiten wieder gibt. Grade hab ich über NINA erfahren, dass es im Freien hier ohne Gedrängel keine Maskenpflicht mehr gibt. Und ich bin jetzt, also offiziell seit gestern auch komplett geimpft. Ich könnte also wieder theoretisch (fast?) alles machen was ich möchte.

Andererseits scheint es doch nicht so einfach zu gehen wie ich mir das immer eingeredet habe. Oder einreden musste, um klar zu kommen. Noch ist das Kino nicht wieder auf, noch sind die Hälfte der Leute komplett ohne Impfschutz, und irgendwie scheint es nicht gerne gesehen zu werden, wenn man sich mit Leuten treffen möchte. Zumindest kommt es mir so vor. Oder es liegt einfach daran, dass ich mich nicht wirklich traue aus Angst, es würde nicht gerne gesehen. Ich weiß, es klingt komplett schräg. Ich war seit Ende des letzten Lockdowns erst einmal in einem Gottesdienst, zum Beispiel. Und die Gespräche danach sind auch ziemlich schnell im Sand verlaufen. Ich hab mich noch gar nicht mit Leuten in einem Cafe getroffen obwohl ich das total vermisst habe. Ich will mich nicht beschweren, es ist ja schon viel mehr als ich mir vor einem halben Jahr hätte träumen lassen. Und ich meine, ich bin ja nicht mehr komplett alleine. Ich kann zu meiner Familie gehen, wann immer ich will. Meine Eltern und meine Oma sind alle auch geimpft. Dann kenne ich von vor Corona eine, mit der sich vielleicht grade ein bisschen eine Freundschaft entwickelt. Haben dieselben Interessen und denselben sarkastisch-schwarzen Humor. Aber ich hab da auch Angst, dass ich vielleicht zu leichtsinnig bin, wenn wir uns treffen. Nach allem, was ich weiß kann gar nichts passieren, aber irgendwie bin ich im letzten Jahr so verunsichert worden dass ich schon ein latent schlechtes Gewissen habe wenn ich vorschlage, etwas zu unternehmen oder auf einen Vorschlag eingehe. Ich will nicht als Covidiot gelten. Und ich möchte niemanden verletzen, weder psychisch noch körperlich. Und es kommt mir eben so vor als wäre schon meine Anwesenheit eine Gefahr für andere. Meine Güte, ich weiß dass das nicht stimmt und ich weiß auch, wie pathetisch das klingt. Drama, Baby. Psychologen würden das wahrscheinlich auch auf meine Kindheit zurückführen, weil ich ein Außenseiter war vor dem sich viele geekelt haben und dass das Ganze jetzt getriggert wurde. Tja, vielleicht ist es das.

Und, was mir fast am unheimlichsten ist: Ich bin so schnell reizüberflutet wenn ich andere Menschen treffe. Es ist manchmal soooo anstrengend. Das kenne ich gar nicht von mir, aber ich bin es gar nicht mehr gewohnt, einfach so mit Leuten zusammen zu sein einfach weil es schön ist. Ich bin dann so müde und möchte dann plötzlich am liebsten mich wieder komplett zuhause einschließen und niemanden sehen und hören. Während ich gleichzeitig lechze nach zwischenmenschlichen Kontakten außerhalb des Internet. Und ich bin ständig auf der Hut, nichts falsch zu machen, nicht zu nahe zu kommen wenn ich merke, der oder die andere möchte lieber Sicherheitsabstand, nichts Falsches zu sagen, grade wenn es um Corona geht, und mich gleichzeitig zu schützen vor Verschwörungsmythen, die ich wirklich nicht vertrage. Nicht bei jedem Kontakt aber bei vielen. Dabei wünsche ich mir einfach, dass alles wieder so schnell wie möglich so wird wie es mal war, mit den Spieleabenden und den Autorenlesungen und dem Kino und den Konzerten. Ich meine, eigentlich müsste ich diesen Sommer doch so stark ausnutzen wie es irgendwie geht, weil ich in letzter Zeit immer wieder Warnungen vor dem höre, was nach diesem Sommer passieren könnte.

Was es auch nicht grade einfacher macht ist, dass meine Dekonstruktion und die finale Abgrenzung von fundamentalistischen Kreisen ein verdammt schlechtes Timing hatte. Ich war noch nicht fertig damit, wirklich stabile neue Freundschaften aufzubauen bevor Corona kam. Es ist für mich sowieso eine Herausforderung, mich Menschen gegenüber zu öffnen, dass Freundschaften entstehen können, aber jetzt, nach eineinhalb Jahren erzwungenem Eremitentum bei allen? Inzwischen sind auch die letzten Freundschaften aus der alten Szene zu losen Bekannten geschrumpft, aus Gründen. Und die neuen Freundschaften waren einfach noch nicht stabil genug um zu tragen. Wie gesagt, vielleicht entwickelt sich grade eine Freundschaft, aber das ist noch sehr neu. Es gibt einige Leute, die ich sympathisch finde, die aber immer noch super-vorsichtig sind (ich glaube, viele sind noch gar nicht geimpft) oder es ergibt sich einfach nicht. Und wie gesagt, ich bin auch total unsicher, was das Treffen mit Leuten angeht. Obwohl ich es unglaublich vermisse. Bitte Gott, mach dass es wieder gut wird.

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