Schöpfungserzählung: Über Schaffen, Monster und Statuen.

Das ist jetzt über das Online-Seminar über die Schöpfungserzählung, bei dem ich teilgenommen hab. Ich bin echt froh, dass ich das gemacht hab, weil es echt interessant war und für eine ehemalige Kreationistin ziemlich aufschlussreich. Ich möchte dich einfach gerne daran teilhaben lassen, auch wenn du sicher das meiste schon weißt. Für mich war vieles wirklich neu, oder besser: Es war eine alternative Sichtweise.

Ich glaube, es ist klar, dass ich nicht alles bringen kann. Ich hab auch nicht alles mitgeschrieben und möchte auch nicht alles nachlesen. Ich nehme einfach das rein, was ich am interessantesten finde.

Also, die Schöpfungserzählung. Ich schreibe nicht „Schöpfungsgeschichte“ weil es nicht einfach nur irgend eine Geschichte ist und auch nicht „Schöpfungsbericht“ weil es keine wissenschaftliche Abhandlung nach neuestem Stand der Forschung ist. Diese Berichte und Geschichten gab es in der Antike auch noch gar nicht. Die waren anders (gedacht). Jedenfalls steht bei diesem Thema schnell mal ein dicker, rosa Elefant im Raum. So Dinger wie bei Dumbo, die er in seinem Drogenrausch gesehen hat. (Hier: https://www.youtube.com/watch?v=Ip644fib7vw)Dieser Elefant fragt immerzu, wie wörtlich dieser Text genommen werden will. Oder gemeint war. Da kommen unterschiedliche Leute mit unterschiedlichen Prägungen zu unterschiedlichen Ergebnissen, von Flacherdlertum über Kreationismus bis zur atheistischen Evolution. Und allem, was so dazwischen liegt. Diese verschiedenen Theorien kamen auch vor, aber längst nicht nur. Ich glaube, dann wäre ich auch ein bisschen enttäuscht gewesen.

Es wurde eher ein bisschen durch die Erzählung durchgegangen und geschaut, was so auffällig ist. Und was das bedeuten könnte.

Zum Beispiel im ersten Vers: Das Wort für „schuf“ ist im Hebräischen „barah“. Nicht nur ein Verb, das exklusiv für Gott benutzt wird, sondern auch eins, das eine besondere Beziehung ausdrückt. „barah“ lässt anklingen, dass Gott in besonderer und umfassender Weise der Welt, die er geschaffen hat/die er schafft zugewandt ist. Und, das wurde nicht im Kurs gesagt, aber barah ist glaub ich auch ganz ähnlich zu barach und das heißt segnen. So ähnlich, dass ich es oft verwechsel. Und so Ähnlichkeiten sind oft nicht zufällig, sondern deuten an, dass das eine Wort viel mit dem anderen zu tun hat. Also hat das Segnen viel mit Erschaffen zu tun? Hm, interessant. Kleine Story nebenbei, als Kind hatte ich immer Angst vor Segen, weil ich es nicht einordnen konnte und heute ist es mir auch noch suspekt. Weil ich einfach nicht weiß, was es ist und bisher konnte es mir niemand wirklich erklären.

Dieses barah steht nicht nur im ersten Vers sondern auch später noch ab und zu. Besonders oft, wenn es um Menschen geht. („Er schuf den Menschen zum Bilde Gottes, zum Bilde Gottes schuf er ihn und schuf sie männlich und weiblich.“) (Das mit dem Bilde Gottes ist noch mal ein Thema für sich. Das kommt gleich am Schluss.) Aber auch in Vers 21, wo von den Seeungeheuern die Rede ist. Keine Ahnung, was Seeungeheuer biologisch sind (und ob überhaupt) aber sie sind groß und haben den Leuten auf See riesige Angst eingejagt, auch wenn sie wahrscheinlich keiner je zu Gesicht bekommen hat. Vielleicht gab es Gemälde davon, oder irgendwelche Geschichten, aber das war es auch schon. Aber auch diese furchteinflößenden und bedrohlichen Wesen hat Gott geschaffen und sie stehen so unter seiner Kontrolle. (Für die Nerds: Diese „Tierart“, die genannt wird, wird „tanin gadol“ genannt. Wahrscheinlich war es keine real existierende Spezies, sondern möglicherweise eine Anspielung auf das Wesen „Tiamat“ aus der babylonischen Schöpfungserzählung. Schau es dir mal an, es ist… interessant? Creepy? Verstörend? Oder einfach nur spannend zu lesen. However. Es spielt in gewisser Weise auf einen Konflikt zwischen einem guten Gott und bösen Mächten an, den es in damaligen Glaubenssystemen oft gab, aber wenn so etwas im AT vorkommt, ist es in der Regel Lyrik.) Ich dachte so, hm. Vielleicht gibt es heute auch solche bedrohlichen Wesen, die niemand wirklich versteht, aber vor denen wir alle furchtbare Angst haben, weil sie uns verletzen und großen Schaden anrichten können. Wenn Gott damals die großen Seeungeheuer geschaffen hat, hat er sicher heute auch die kleinen Luftungeheuer geschaffen. Und sie sind nicht völlig jenseits aller Kontrolle. Letztendlich, meine ich.

Und außerdem zeigt die Betonung, dass Gott die Welt erschaffen hat, dass er wirkt und Dinge ändern kann. Und dass er (erstmal) nicht Teil der Schöpfung ist. Nicht so, wie viele Gottheiten anderer antiker Völker. Der Gott der Bibel ist einfach anders.

So, und jetzt das, was ich eben schon angeteasert hab. Die Sache mit dem Ebenbild Gottes. Das, was da im Hebräischen steht, würde man in etwa „zäläm“ aussprechen. Es hat verschiedene Bedeutungen, aber oft ist ein zäläm einfach ein Abbild, sowas wie eine Statue oder eine Büste, die jemand von etwas oder jemandem anfertigt. Es gibt im Text weder Hinweise darauf, dass mit diesem Ebenbild ein Gegenüber für Gott gemeint sein soll noch, dass es eine Ähnlichkeit zwischen Menschen und Gott gibt. Was nicht heißen soll, dass man keine Beziehung zu Gott haben kann oder nicht auch in gewisser Weise gewisse Eigenschaften. Es steht halt nur nicht da in diesem Text. Historisch gesehen war zäläm oft entweder eine Götterstatue, die diesen Gott an diesem Ort repräsentieren sollte („Diese Statue steht hier, also ist dieser Gott auch hier.“) oder antike orientalische Herrscher haben sich selbst so genannt um ihre Macht zu legitimieren. Wenn man das zusammen fügt kann man auf die Idee kommen, dass eine Art Repräsentation Gottes in der Welt gemeint sein könnte, eine Art Statthalter. Aus dem Kontext kann man das auf jeden Fall ableiten, weil ein Herrschaftsauftrag gegeben wurde. („Füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“, Vers 28b) Das würde eine große Ehre bedeuten, wir hätten schon eine königliche Würde, die sonst damals nur die orientalischen Großkönige hatten. Wir könnten den König vertreten, er würde uns zutrauen, in seinem Namen zu sprechen und zu handeln. Das zeugt von großem Vertrauen Gottes an uns. Aber auch davon, dass wir vor ihm verantwortlich sind, wie wir das Ganze gehandhabt haben.

Das war jetzt noch lange nicht alles. Könnte sicher noch mindestens zwei Artikel schreiben über das, was Thema war. Würde dich das interessieren? Also ich find es spannend. Es ging zum Beispiel noch um die verschiedenen Theorien, wie wörtlich das Ganze genommen werden kann, dann aber auch um Paradies und Sündenfall. Und Anderes. Lass mich wissen, wenn ich noch mehr dazu bringen soll. Danke fürs Lesen. 😊

Geig mir deine Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s