Bibel-Update Vol.1

Was vor einiger Zeit das Abendmahl war, ist im Moment das Bibel lesen. Das ist doch irgendwie typisch. Auf ne positive Weise. Nachdem es mir mit dem Abendmahl im Moment besser geht (nicht, dass es im Moment erlaubt wäre…) kommt das nächste Thema dran, mit dem ich biografiebedingt Schwierigkeiten habe. Ich meine, einerseits vermisse ich es, Bibel zu lesen und zu erwarten, dass Gott dadurch spricht. Andererseits hab ich zu dem „normalen“ Bibel lesen fast nie Lust und wenn ich es doch mal mache höre ich fast aus jeder Stelle eonsterbuch der Monsterine Verurteilung oder ein Streng-dich-mehr-an oder etwas anderes Negatives. Auch aus den positiven Stellen, die als „Gottes Liebesbrief“ gelten. Manchmal kommt mir die Bibel so vor wie das Monsterbuch der Monster. Trotzdem möchte ich die Bibel nicht aufgeben, auch wenn ich sie nicht vertrage. Paradox, ich weiß. Irgendwie glaube ich immer noch, oder ich ahne, dass das Leben als Christ mit der Bibel schöner und der Glaube fundierter ist. Voraus gesetzt, man hat einen gesunden Umgang mit der Bibel. Neulich in einem Gespräch fiel der Vergleich, dass die Bibel eine Atombombe ist, in der vielleicht irgendwo der lang ersehnte Corona-Impfstoff versteckt ist. Ja, es ist nur ein Vergleich. Aber eine Atombombe ist total zerstörerisch und der Impfstoff könnte die Welt retten. Ambivalent, ich weiß. Oder ein anderer Vergleich, über den wir geredet haben war, dass die Bibel als pauschal hilfreich zu nehmen ist wie Leute, die einfach gegen Krankheiten irgendwelche Kräuter nehmen ohne wirklich die Wirkung von ihnen zu verstehen und sie sagen, es sei doch pflanzlich, also ungefährlich und vergessen dabei, dass es eben auch Chemie ist.

Ich hab aber bis jetzt schon ein bisschen was für meinen Umgang mit der Bibel gelernt. Kann bei anderen anders sein, aber bei mir ist es so. Wie ich es im Moment mit dem Lesen mache, erzähl ich dir später. Aber ich möchte dir erst mal sagen, was ich allgemein bisher gelernt habe. Zum Beispiel, dass ich unbedingt auf mein Bauchgefühl hören muss. Ich darf mir nichts aufschwatzen lassen, was nichts für mich ist. Das fällt mir schwer, weil die meisten Leute es wirklich gut mit mir meinen, aber oft meine Lage nicht wirklich verstehen. Wie auch, wenn ich sie selber nicht ganz verstehe? Auf der anderen Seite muss ich auch dem nachgehen, wenn ich bei etwas, das mir zuerst völlig absurd vorkommt, ein sehr gutes Bauchgefühl habe. Beispiel gefällig? Als man mir vorgeschlagen hat, ich solle hebräisch lernen, hab ich erst gedacht, das schaff ich doch nie! Aber mein Bauchgefühl hat mir sofort gesagt, ich solle das machen, das wird mir gut tun. Und das war dann auch so. Auf der anderen Seite wurde ich vor Kurzem zu einem Online-Seminar zu einem bestimmten biblischen Thema eingeladen, mein Bauch hat Alarm geschlagen, aber ich wollte die Person nicht enttäuschen, also hab ich mitgemacht und es ganz schnell bereut: Harter Trigger, Alpträume, Ängste, verloren zu sein. Vielleicht kann man das Bauchgefühl als das Reden Gottes bezeichnen? Denn das glaube ich immer noch, dass Gott redet. (Auch ein Grund für mich, einen Weg zu suchen, mit der Bibel umzugehen, damit ich ein bisschen ein Korrektiv bei so etwas habe.)

Aber im Grunde war das mit dem Online-Seminar, das ich eben erwähnt habe jetzt auch kein Weltuntergang. Es war halt ziemlich scheiße gelaufen. Shit happenz. Auch etwas, das ich gelernt habe: Es geht weiter, auch wenn es manchmal nicht so scheint. Ein Trigger ist richtig fies, tut weh, verängstigt, verstört. Aber ich falle hin, stehe wieder auf. Trete gegen den Tisch und brülle „SCHEISSE!“, mache mir nen Kakao und hol mir nen Keks. Dann schlaf ich ne Nacht drüber, übersteh die Alpträume und kämpf dann weiter. Denke manchmal dann „Du bescheuerter Trigger kriegst mich nicht klein!“ (Manchmal überleg ich, ob ich dann nicht auch einfach eine Seite der Bibel rausreiße, zerknüddel und drauf rumtrample, aber das traue ich mich dann doch nicht.) Ich darf diese Ängste und Verstörungen durch Trigger nicht zu ernst nehmen, denn nur weil ich Angst habe, von Gott verstoßen zu sein muss es noch lange nicht der Wahrheit entsprechen. Auch, als ich versucht habe, Psalm 2 zu lesen. Das war richtig fies, aber aus Fehlern lernt man. Psalm 2 kommt eben in den Giftschrank und ich les ihn bis auf Weiteres nicht mehr, weil ich davon geistlich gesehen eine Salmonellenvergiftung kriege. Vielleicht irgendwann, in ferner Zukunft und mit Begleitung.

Vielleicht mache ich das auch mit anderen Stellen, vielleicht fange ich eine Art Ampelsystem an, Stellen markieren je nachdem, wie ich sie vertrage: Grün heißt, ich kann es ohne Probleme lesen, gelb heißt Vorsicht, nur bei guter Verfassung unbedenklich und rot heißt Giftschrank. Kann sich ja dann auch immer wieder ändern, nur weil etwas im Moment für mich giftig ist muss es das ja nicht für immer bleiben. Aber für jetzt. Und das ist dann auch in Ordnung, wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht. Punkt. Man sagt, die Bibel ist Nahrung für Christen und wenn ich mal bei diesem Vergleich bleibe und wieder in Gedanken auf die Arbeit in die Kita gehe, braucht kein Kind etwas zu essen, was es nicht will. Wir erinnern ans Essen, wir motivieren, wir bieten an. Aber wenn das Kind den Gemüseauflauf probiert hat und ihn dann einfach nicht essen will, wird es nicht gezwungen. Kennen wir Erwachsenen doch auch, jeder hat ein Essen, was er oder sie einfach nicht essen kann und wo man schon beim Gedanken daran das Würgen kriegt. Stell dir mal vor, jemand setzt dir einen Teller mit deinem Hassessen vor und sagt, du müsstest das jetzt aufessen und gut finden, weil Gott es von dir erwarte. Würdest du ihm nicht auch den Teller samt Essen über den Kopf schütten? Vielleicht ist es mit der Bibel ähnlich, wenn man etwas daraus einfach nicht verträgt oder nicht mag oder vielleicht auch mal gar nichts mag, ist es doch ok.

heart/bookDer Glaube stirbt nicht sofort davon, wenn ich keine Bibel lese. Ich habe jetzt wirklich sehr, sehr lange nicht mehr oder nur noch sehr sporadisch gelesen, mehrere Jahre. Und mein Glaube und meine Beziehung zu Gott hat nicht darunter gelitten. Ich glaube, die Zeit brauchte ich einfach, um mich innerlich von toxischen Dogmen zu lösen, die ich automatisch in Bibelstellen reingelesen habe oder immer noch rein lese. Mit Hilfe gelöst, ja. Also von Worthaus und so weiter. Ich weiß nicht, in wieweit man theologische Bildung braucht, um die Bibel zu verstehen. Schaden wird’s nicht, im Gegenteil. Aber ich will auch nicht soweit gehen, zu sagen, dass nur Fachleute etwas aus der Bibel ziehen können. Manche sagen das, aber ich will es nicht sagen, weil ich nicht will, dass es so ist. Aber so oder so, ich möchte wieder Möglichkeiten finden, in der Bibel zu lesen oder mit ihr zu arbeiten, denn ich kenne mich. Wenn ich dauerhaft versuche, meinen Glauben ohne Bibel zu leben, würde er sich wahrscheinlich zu etwas echt Komischem entwickeln. Und das will ich nicht. Der Beitrag ist jetzt aber schon zu lang um noch konkret zu werden. Das kommt dann das nächste mal.

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