Bithya reageirt :-D

statsWeißt du eigentlich, dass Gemigblog jetzt ziemlich genau vier Jahre als ist? Und dass das hier der 230. Artikel ist? Ich hab schon länger daran gedacht, auf alte Artikel zu reagieren, schließlich gibt es ja auch eine Art Entwicklung bei mir und ich fände es mal spannend, zu reflektieren, wie sich meine Gedanken und Ansichten in den letzten Jahren verändert haben. Ich nehme jetzt natürlich nicht alle Posts dran, aber so ein paar, die mir besonders ins Auge springen. Kann auch nicht wirklich erklären, jedenfalls nicht bei allen, warum ich grade die wähle. Nur, vielleicht solltest du sie lesen oder wenigstens überfliegen, um meine Reaktionen zu verstehen.

Eine Email

Ich glaube, dass ich diese Mail geschrieben habe war sehr gut. Denn es war glaub ich wirklich der Punkt, an dem ich emotional mit dieser Marburg-Sache abschließen konnte. Indem ich die Verantwortung, wie die Kündigung gelaufen ist, zu ihnen zurück schicken konnte. Denn ich habe nie eine Antwort bekommen. Und indem ich mir nicht mehr immer, wenn ich daran denke, Gedanken um den Tag machen musste, als ich entlassen wurde, konnte ich auch besser die Zeit reflektieren, die davor war. Ich meine, sagen wir’s doch mal, wie es ist, ich habe als Jugendreferentin in einer Landeskirche gearbeitet und meine christliche Sozialisation war total fundamentalistisch. Und das heißt nicht nur, dass meine Theologie etwas … speziell war, sondern auch, wie ich meinen Glauben und damit auch meine Arbeit, die ja direkt damit zu tun hatte, lebte war intolerant bis im schlimmsten Fall missbräuchlich. (Ich hoffe, dass es soweit nicht gekommen ist.) Außerdem war es wirklich meine erste Stelle nach dem Studium und an der Uni wurde uns immer wieder eingeredet, dass wir die Profis sind und alles viel besser wüssten als der Rest der Welt. Und das hab ich dann halt auch geglaubt (zusammen mit meinen eh schon viel zu selbstbewussten Fundi-Glauben) und mich auch so verhalten. Ich glaub, ich war ein kleines, arrogantes Miststück. Das konnte ich aber erst reflektieren, als ich die Verantwortung für ihr Handeln zu ihnen zurück geschickt habe und mich nicht mehr als ihr Opfer gesehen hab. Schließlich haben sie mich ohne Vorwarnung und ohne Erklärung innerhalb von 5 Minuten abserviert und mir noch gedroht, wenn ich nicht tue, was sie sagen, würden sie dafür sorgen, dass ich nie wieder eine Stelle finden würde. (Nicht wörtlich, aber sinngemäß.) Das sagt doch mehr über sie als über mich.

In dem Artikel hab ich geschrieben, dass Gott es vielleicht so führen kann, dass es das Beste war, was mir passieren konnte. Hm, das würde ich so nicht bestätigt sehen. Nicht auf diese Weise. Es klingt, als würde ich Gott täglich danken für das, was da gelaufen ist. Das tue ich bestimmt nicht. Ich denke nicht mehr gerne daran. Aber ich möchte auch nicht mehr zurück nach Marburg. Vor einigen Jahren war ich noch mal da um mich mit einer „Blogger-Kollegin“ zu treffen. Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr da hin möchte. Zu viele starke Erinnerungen. Trotzdem würde ich sagen, dass Gott es genutzt hat. Die Sache hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass ich heute die bin, die ich bin. Ich hätte damals nicht gedacht, dass ich mal würde damit Frieden schließen können. Aber ich glaube, heute sehe ich es als einen Teil meiner einzigartigen Geschichte.

Es war einmal…

Interessant, diese Geschichte jetzt noch  mal zu lesen, nachdem ich mich in letzter Zeit etwas mit Psalm 23 beschäftigt habe.

Ich bin froh, dass ich nicht mehr in diesem System bin. Man sprach so viel von Freiheit, aber gleichzeitig hatte man so eine Heidenangst davor, sodass man sich einsperren ließ oder selbst einsperrte, um ja keinen Fehler zu machen. Ich frage mich manchmal, ob die Leute tatsächlich an Gottes Liebe glauben. Oder ob es letztlich nur ein Kult ist, indem es darum geht, eine verärgerte Gottheit zu besänftigen. Denn letztlich ging es ja darum, auf keinen Fall etwas falsch zu machen und wenn es dann doch mal passiert war, musste man sich selbst total runter machen, um wirklich Buße tun zu können. Das ist doch krank! Dann ist es ja kein Wunder, dass Angst regiert und man nach Außen den Eindruck macht, total unfrei und psychisch krank zu sein.

Schatzsuche – Treasure hunting

Verrückt. Der Artikel ist ganz anders als ich ihn in Erinnerung habe. Ich hatte ihn als Zeugnis übernatürlicher Erfahrungen in Erinnerung, dabei ist es eigentlich eher ein Anti-Zeugnis. Erzählt von Skrupel und Frust. Es war halt eine Aktion, bei der wir Gottes übernatürliches Wirken sehen wollten und es einfach extrem herausgefordert haben. Und ich hatte nicht nur gemerkt, dass es nicht so funktioniert wie geplant, sondern auch, dass ich kein gutes Gefühl bei der Sache hatte, obwohl es in so charismatischen Kreisen ziemlich üblich war, diese Methode, praktisch bestimmte prophetische Eindrücke zu erzwingen und dann auf Leute loszugehen, um für sie zu beten. Aber vielleicht habe ich es mir nicht erlaubt, es so in Erinnerung zu behalten, denn in dem Artikel sieht man auch, finde ich, dass ich da noch viel mehr „drin“ war. Gedanklich vor Allem. Gleichzeitig hatte ich immer ein wenig Angst davor, diesen Artikel noch mal zu lesen. Bis heute. Ganz seltsam. Was das bedeutet, weiß ich auch nicht. Es ist übrigens auch nie zu der angedeuteten Fortsetzung gekommen. Somit hatte ich auch keine Möglichkeit gehabt, das anzusprechen, was mich da gestört hatte. Vielleicht wäre die Sache ja ausbaufähig gewesen, wenn einige Dinge anders gemacht worden wären. Vielleicht hätte es ja wirklich zu etwas Gutem führen können, wenn wir nicht versucht hätten, den Heiligen Geist so einzusperren. Aber vielleicht ist das auch eine Folge der Angst, Fehler zu machen. Wenn man den Heiligen Geist auf einen bestimmten Bereich definiert, kann man wohl vielleicht vermeiden, gewisse Fehler zu machen. Aber man wird nie wissen, welche Energie verloren geht. Jetzt bin ich schon wieder bei der Quantenmechanik. Ist wirklich schlimm mit mir. 😀

Das macht Spaß, so alte Artikel zu kommentieren. Ist auch echt spannend zu sehen, wie ich da gedacht habe und wie sich Dinge verändert haben. Kaum zu glauben, dass es nicht mal vier Jahre her ist. Aber ich merke, dass es viel mehr zu schreiben gibt als ich dachte. Da reicht ein Artikel dazu längst nicht aus. Vielleicht kommen also noch mehr. Oder es wird etwas wie eine Tradition, so ähnlich wie die wie auch immer gearteten Jahresrückblicke Ende Dezember immer. Dass ich immer im April ein paar dieser Artikel mit den Reaktionen auf alte Einträge mache. Wie wär’s?

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