Triggerpoint Corona

Stimmt. Ich hab gesagt, dass ich nicht mehr als unbedingt nötig auf Corona eingehen will. Und das stimmt auch. Es ist nur so, dass Corona eben grade da ist. Und ich möchte erklären, warum es mich – abgesehen von dem, was wahrscheinlich alle betrifft – derart fertig macht. Ohne irgendwelche Maßnahmen zu bewerten oder irgendwas gut oder schlecht zu reden. Dafür hab ich dann doch ehrlich nicht die Kraft. Mich trifft es bScreamesonders, dass einerseits dieses Kontaktverbot besteht, denn ich bin für meine psychische Gesundheit auf zwischenmenschliche Kontakte i.R.L. angewiesen und andererseits dadurch massiv in meine Freiheit eingegriffen wird, denn ich fühle mich sehr schnell eingeengt und bekomme davon Panik. Aber das betrifft wahrscheinlich viele Leute.

Ich muss auch erst mal schauen, ob ich, wenn ich das fertig habe, es überhaupt veröffentlichen werde.

So, aber zu dem Punkt, der mich besonders schlaucht. Und sicher auch andere Leute wie mich. (*TRIGGER!*)

Ich war viele Jahre in einem christlichen Setting, in dem etwa Folgendes gelehrt wurde, als nahezu alternativlos vermittelt wurde und ich hatte, wenn ich gerettet sein wollte, die heilige Pflicht, unter Anderem dieses zu glauben: (Ich weiß, es klingt sehr aluhutmäßig.)

Als Jesus das erste mal auf die Erde gekommen ist, vor 2000 Jahren, kam er als ein Gott der Liebe. Er hat uns gesagt, was wir zu tun haben und hat die Voraussetzungen geschaffen, dass wir es erreichen können, alle Menschen zu ihm zu führen, das heißt, dass sie genau wie wir an ihn als Gott und Erlöser glauben. Das war das höchste Ziel, alles andere war nebensächlich und im Krieg sind alle Mittel erlaubt. Und es ist ein geistlicher Krieg. Denn die Zeit drängt, denn die Welt geht ihrem Ende entgegen. Die Offenbarung des Johannes gilt als exakte Vorhersage dessen, was kommen wird, als eine Zeitung von morgen. Wenn da steht, dass es Kriege und Hungersnöte und Seuchen geben wird, die ein Viertel der Menschen umbringen, dann wird es viele bewaffnete Konflikte in den dort genannten (oder nur angedeuteten oder spekulierten) Ländern, Lebensmittelknappheiten und Pandemien (!) geben, die Stand heute 1 946 835 936,25 Menschen umbringen wird. Und es wird immer schlimmer, denn irgendwann wird es eine weltweite Diktatur mit Welteinheitsreligion geben, in der man einen Chip implantiert bekommt, dem einzigen Zahlungsmittel, durch den man auf Schritt und Tritt ddvdctp88522überwacht wird und, was das Schlimmste ist, durch den man ein für alle mal sein Heil und seine Beziehung zu Gott verliert. Wer das mitmacht, so der Glaube, ist unrettbar verloren und wird ewig in der Hölle landen. Denn wir hatten lange genug Zeit gehabt, Gottes Willen zu tun und heilig zu leben. Also wird Gott seinen Zorn über die Erde ausgießen und alles, was nicht heilig ist, vernichten. Somit gilt das, was Jesus gesagt hat, in dieser Welt, zu der sie sich in diesem Gedankenkonstrukt entwickelt nicht mehr, denn dann ist er nicht mehr der Gott der Liebe sondern einer des Gerichts. Allerdings werden die, die zu ihm gehalten haben, entrückt, so dass sie das Schlimmste nicht mehr mit erleben müssen, also das massenhafte Abschlachten, den Genozid an Christen, zum Beispiel. Und das Ganze endet dann darin, dass Gott die restlichen Menschen, die noch übrig sind, abschlachtet und in die Hölle wirft, weil sie nicht an Jesus geglaubt haben und nicht getan haben, was verlangt wurde. Das ist so das Grobe.

Seit ich mich von diesem Konzept freigestrampelt habe denke ich meistens nicht mehr sehr viel daran. Es gibt andere Themen, an denen ich mich mehr abarbeite. Jedenfalls in normalen, gesunden Zeiten. In der aktuellen, in jeder Hinsicht alles andere als gesunden Zeit, sieht es anders aus. Ich kann ja mal einige Punkte, die mir besonders Angst machen nennen und erklären.

  1. Natürlich die Pandemie als Solche. Es wurde (und wird? Ich weiß nicht, in wieweit es heute noch genauso gelehrt wird, aber Freunde von mir, die das noch glauben reden ähnlich) gelehrt, dass Pandemien (Sprich: Krankheiten und Seuchen) zu den Zeichen gehören, den „Geburtswehen“, die zeigen, dass das Ende nah ist und Jesus bald zurück kommen wird. Das könnte als gute Nachricht verstanden werden, weil dann für die Christen alles gut wäre, aber 1. wären die ganzen anderen Leute in einer Situation, die einfach nur grausam ist und man selbst wäre schuld daran, weil man sie nicht eindringlich genug versucht hat, zu Jesus zu führen und 2. wie gesagt, glaube ich das eigentlich nicht mehr so, kann und will es nicht mehr und deswegen kommt bei mir die Angst schnell hoch, dass ich deswegen zu denen gehören könnte, die in diese grausame Situation kämen. Und weil gesagt wird, sowohl von den fundamentalistischen Gemeinden als auch von Behörden zur Corona-Krise, dass es jetzt immer schlimmer werden wird. Besonders weil beide von der Wortwahl her dasselbe sagen führt dazu, dass sich wieder alte Denkmuster reaktivieren und ich in Endzeitangst gerate.
  2. Das Verbot von Gottesdiensten. Eine andere Sache, die als „Geburtswehe“ gesehen wird ist eine Zunahme an Christenverfolgung, die schließlich in der weltweiten Diktatur zu einer gezwungenen Welteinheitsreligion münden wird. Dass die ganzen Gottesdienste verboten werden triggert das natürlich an. Ich weiß vom Verstand her, dass es nicht gegen uns persönlich oder gegen den Glauben geht. Ich versuche, vleereernünftig zu sein, aber dass man sich nicht mehr in Kirchen oder Gemeindehäusern treffen darf, keine Gottesdienste mehr besuchen darf, sie nicht mal mehr angeboten werden können und (ja, auch das!) Abendmahl verboten ist, macht mir höllische Angst. Mein rationaler Verstand sagt mir, dass es zur Eindämmung der Krankheit ist, aber ein Teil meines Gehirns ist noch so programmiert, dass es sofort denkt, es sei nur ein Vorwand und man wolle jetzt anfangen, systematisch gegen uns als Christen vorzugehen, denn immerhin wäre die Welt böse und es wurde so prophezeit.
  3. Die extremen, krassen Begrenzungen im Moment, die man kaum verstehen kann, die Ortungs-App, die angeblich kommen soll, das alles erinnert mich an das, was ich oben von der Überwachung geschrieben habe. Vor einigen Tagen hat eine Freundin auch gemeint, sie hätte gehört, dass in anderen Ländern schon mit implantierten Chips bezahlt würde und dass sie das auch hier einführen wollen und bald Bargeld nichts mehr wert sei und nach dem Weltbild ist das eine wirklich existentielle Bedrohung, denn das würde bedeuten, dass wir uns zwischen verhungern, weil wir nicht mehr bezahlen können oder Hölle entscheiden müssen, weil wir, wenn wir diesen Chip mit Bezahlfunktion annehmen, dort landen würden.
  4. Die leeren Straßen, die abgesperrten Parks, die Kontrollen, die leeren Fußgängerzonen, die geschlossenen Schulen und Kitas und Geschäfte, all das weckt in mir die Assoziation, dass die Entrückung schon stattgefunden habe und alle echten Christen weg sind und ich noch hier bin und jetzt diese ganze Hölle alleine durchmachen muss. Ja, ich weiß, es ist genauso wenig logisch wie alles andere von dem, was ich in diesem Artikel beschrieben habe. Aber Ängste sind eben nicht logisch und Verschwörungsmythen wirken nur im jeweiligen Weltbild schlüssig.

Keine Ahnung, ob es klug ist, das zu veröffentlichen. Aber vielleicht gibt es doch einige Leute, die ähnliches fühlen und denken. Und falls du in der glücklichen Lage bist, nicht zu diesen Leuten zu gehören, hilft es dir vielleicht, zu verstehen, wie wir denken. Also, wir Überlebenden von christlichem Fundamentalismus. Ja, grade jetzt muss ich es beim Namen nennen.

Ich hoffe, du verstehst mich ein bisschen und lachst mich nicht aus.

Bithya

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