digitale Kirche

So ein bisschen eine Fortsetzung von liquid church – die flüssige Kirche. In meiner Twitter-Timeline erschien eine Einladung zu einem Online-Gottesdienst. Und ich hab eben gedacht, probierst du es einfach mal aus, ist mal was Neues. Ich hatte keine Erwartungen oder irgend etwas. Habe nur kurz daran gedacht, dass ich mal vor Jahren etwas dazu geschrieben habe, weiß auf die Schnelle gar nicht, wo und wann das war. Wenn du Langeweile hast kannst du ja mal in alten Artikeln suchen.

Also, die Einladung führte zur Seite der Onlinekirche der EKM, da hatte ich bisher eigentlich keine Berührungspunkte, an die ich mich erinnern könnte, hier ist es die Kapelle OnlinekircheEKvW. Auf der Seite war ein Video, ich hab damit gerechnet, dass es ein Livestream ist, aber es war erst nur ein kurzes Musikstück von einer halben Minute. Weiter unten waren Links zu anderen Seiten, Ecken der Kapelle, wo man beten oder sich segnen lassen konnte. Weil ich nicht in den Livestream kam, hab ich mich erst dort ein wenig umgeschaut. Man konnte Gebetsanliegen in eine Wolke eingeben und für die Anliegen der anderen beten, man konnte in einem kleinen Forum sich persönlich segnen lassen oder andere segnen, es gab einen meditativen Text für die Stille. Nach einiger Zeit kam ich auch auf den Livestream auf Youtube. Mit Chat. Ich war nur etwas unsicher, in wieweit der Chat zum Benutzen gedacht war. Aber es war auf jeden Fall gut, dass er da war, aber dazu später mehr.

Ich war schon etwas überrascht, denn ich hätte nicht erwartet, dass ich sofort in einen Gottesdienst-Andacht-Mode kommen würde. Aber war so. Ich hatte ganz schnell das Gefühl, eine Verbindung zu Gott zu haben. Sogar die Stille hat mir nichts ausgemacht, obwohl ich sonst Stille ganz schwer ertragen kann. Vielleicht lag es daran, dass ich nicht in irgend einem fremden Raum saß, sondern bei mir zu Hause auf dem Sofa, mit einer Tasse Tee und Duftkerzen und Wärmflasche. Da war keiner, der mich beobachtet, und keiner, der sich wundert, warum ich nicht mit singe und keiner, der sich über meine Klamotten aufregen könnte. Oder von dem ich denken könnte, er könnte denken… . Vielleicht hat mir das geholfen, mich darauf und auf Gott einzulassen. Nicht, dass ich besondere Offenbarungen gehabt hätte oder irgend was Außergewöhnliches passiert wäre. Das musste es ja auch gar nicht.

Weil ich mich beim Beten am sichersten fühle bin ich da zuerst hin gegangen. Als Freikirchler denke ich dabei halt, ich weiß in etwa, was mich erwartet und worauf ich mich einstellen kann. Ich war dann doch etwas überrascht, denn ich wusste nicht, dass so etwas funktioniert. Man konnte Anliegen eingeben, die dann zu einer Wortwolke zusammen gesetzt wurden. Das war noch viel einfacher als ich erwartet habe. Also musste ich einfach nur ein, zwei Worte eingeben. Keine geschwollenen Formulierungen, kein wohlklingendes Geschwafel und keiner, der einen gestrengen Blick darauf wirft. Und man brauchte auch nicht verschämt zu verstummen, wenn die besseren Beter ihre tollen Reden formulieren und man selbst nur stottern kann. Auch, wenn ich die anderen nicht sehen konnte, hab ich mich wohl gefühlt und war einfach dabei. Zugegeben, ich hab mehrmals neu geladen um zu schauen, ob jemand anderes „mein“ Anliegen auch genannt hat, aber wenn nicht, war es auch nicht weiter schlimm. Das fand ich ne Super-Idee.

Dann bin ich zur Stille. Nicht lange, vielleicht ein, zwei Minuten. Aber wie gesagt, ich war überrascht, wie gut ich einen Moment Stille vor Gott aushalten konnte und dass es auch tatsächlich mal gut getan hat. Hab ja neulich geschrieben, dass ich im Moment etwas viel um die Ohren hab und grundsätzlich echt reizüberflutet bin. Da war es schön, einfach nur mal in die Flammen der Kerze zu schauen und gar nichts zu sagen oder zu hören oder zu tun, sondern sich einfach mal bewusst zu machen, dass man grade mit Gott zusammen ist.

Da der Livestream da immer noch nicht angefangen hat, bin ich auch zum Segen gegangen. Obwohl ich sagen muss, dass ich, was Segen angeht, etwas ambivalent bin. Ich kann nicht sagen, warum, aber ich hatte schon als kleines Kind etwas Angst davor. Es war immer so etwas Komisches, was ich nicht einschätzen konnte. Hatte was Magisches, aber auf eine unkontrollierbare Art. Das hat mir schon als Kind ein vorsichtiges, reserviertes Gefühl gegeben. Das Segensangebot war aufgebaut, wie ein Forum. Man konnte um Segen bitten oder andere segnen. (Können Menschen überhaupt segnen?) Aber die Anonymität hat mir auch hier Mut gemacht, so dass ich einfach nur ins Forum geschrieben habe, dass ich nicht weiß, was ich von Segen halten soll. Und dann bin ich wieder gegangen.

Dann wollte ich die Predigt ansehen, aber das Video war auf privat gestellt. Gut, dachte ich, das wird wohl im Laufe des Gottesdienstes veröffentlicht werden.

Inzwischen hat der Stream angefangen. Wie gesagt, auf Youtube. Man sah einen typischen Andachtsraum, ich fand ihn echt süß. Waren auch andere Leute da, sowohl im Stream als auch im RL. Jemand hat moderiert, man kennt es, durch das Rahmenprogramm geführt, die Angebote vorgestellt etc.pp. Mitten im Gottesdienst gab es einen Erfahrungsteil, da hab ich auch erst geschnallt, dass man eigentlich dann erst die einzelnen Angebote nutzen sollte. War also zu früh gewesen 😀 Naja, nicht so schlimm, ich bin dann eben noch mal durch gegangen. Dann wollte ich wieder die Predigt sehen, aber es ging immer noch nicht. Da war ich dann froh, dass es den Chat gab, ich war auch nicht die einzige, bei der es nicht geklappt hat. Ich glaube, nach einiger Zeit haben die Leute sich dann darum gekümmert, schließlich war das Video öffentlich und ich konnte es sehen.

Das war auch an sich ziemlich schön. Den Ort fand ich schön, war so eine  kleine Sitzecke, richtig schön urig. Nur leider war die Soundquali eher so mäh. Ich musste mich echt sehr konzentrieren, es zu verstehen. Hab auch nicht gesehen, dass die Leute, die gesprochen haben, ein Mikro oder sowas verwendet haben. Und die Karten, die sie zur Anschauung beschriftet haben, waren ja an sich eine schöne Idee, das hätte geholfen, mitzudenken, es sich zu merken. Aber leider war die Schrift zu klein oder dünn, so dass ich es nicht lesen konnte. Edding hätte sicher geholfen 😉 Und weil es erst so spät online gegangen war war es schwierig, es in der Zeit zu Ende zu schauen, auch wenn es nicht lang war. (Die Länge fand ich übrigens echt gut, kürzer sollte es nicht sein, meiner Meinung nach. War so 5 Minuten, und der Gottesdienst war auch nur ne halbe Stunde. Das reicht auch für den Rahmen, finde ich.) Es ging um Thesen zur digitalen Kirche und am Ende wurde man ermutigt, auch eigene Thesen zu verfassen. Aber wo konnte man sie hin schreiben? Das hab ich nicht gefunden. Kommentarfunktion vergessen? Ich schätze, es war auch der erste Gottesdienst in dieser Art, also konnte es ja nicht perfekt sein. Außerdem: Welcher Gottesdienst ist schon perfekt? Ich fand ihn einfach schön und ich konnte mit seiner Hilfe eine Zeit mit Gott und irgendwie auch mit anderen haben und ich finde, das reicht doch eigentlich, oder?

Gebet Onlinekirche.jpgWas ich aber ein wenig vermisst habe war eine Möglichkeit, sich hinterher mit anderen auszutauschen. Irgendwie sind alle Online-Teilnehmer ganz schnell verschwunden und es war irgendwie keine Gelegenheit, die anderen ein wenig kennen zu lernen oder sich mit ihnen zu unterhalten. Ich bin noch mal durch alle Ecken gegangen, hab mir die fertige Gebetswolke angesehen, hier ist sie, du kannst ja mal raten, welche Anliegen von mir stammen. Und ich war noch mal kurz im Segensraum. Hatte ein paar Antworten bekommen und das war schön.

Hm, war das jetzt zu chaotisch oder unverständlich für jemanden, der nicht dabei war? Egal. Weißt ja, ich hau hier einfach das raus, was mich beschäftigt. Trotzdem frag ich erst mal um Erlaubnis, ob das hier ok ist, bevor ich Werbung für den Artikel mache.

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