Fundstück: Werdet arm!

UnbenannthioAls es die Menschen in Übermut und Maßlosigkeit so weit getrieben haben, dass Wälder, Böden und Gewässer starben, die Winter keine Winter mehr waren, die schützende Hülle um die Erde zerriss, wurde ihnen klar, dass es so nicht weiter gehen konnte. Da stiegen sie auf einen Berg und riefen in den Himmel hinaus: „Hallo Gott, wir haben unseren Planeten abgewohnt. Wir brauchen einen neuen. Aber bitte bald! Und natürlich nur ein Exemplar erster Qualität. Das bist du uns schuldig. Denn wir sind ja, wenn wir dich daran erinnern dürfen, die Krone deiner Schöpfung. Mindestens doppelt so groß wie die Erde sollte der neue Planet sein, weil wir uns, wie dir ja sicher nicht entgangen sein wird, enorm vermehrt haben. Dein Sortiment an Planeten ist ja unerschöpflich. Deshalb können wir davon ausgehen, dass auch für uns der Passende darunter sein wird: Ein menschengerecht ausgestatteter, strapazierfähiger Stern für gehobene Ansprüche.“

Da spielte ein Nordlicht über den Himmel und eine Stimme antwortete, widerhallend im Gewölk: „Die Erde ist euer Planet und bleibt euer Planet. Einen anderen gibt es für euch nicht!“

Die Menschen erschraken, warfen die Köpfe in den Nacken und schrien: „Das kann nicht dein Ernst sein. Wir haben unsere Erde doch verbraucht. Wie um alles in der Welt sollen wir sie dazu bringen, sich zu erneuern?“

„Ganz einfach“, sagt die Stimme, „Nehmt eure Ansprüche zurück.“

„Das kannst du uns nicht zumuten!“, reifen die Menschen empört. Doch so viel sie auch lärmten, sie bekamen keine Antwort mehr von oben. Da blieb ihnen nichts anderes übrig, als vom Berg hinunter zu steigen.

Nach langen Beratungen verzichteten sie von nun an auf beheizte Swimmingpools, Pelzmäntel, Golfplätze, Goldschmuck und feierte sich als opferbereite Helden.

imagesT72UGO9WAber die Wälder, Böden und Gewässer starben weiter. Die Kinder kannten Schneeflocken nur noch aus Bilderbüchern und die Ozonlöcher wurden immer größer.

Da stiegen die Menschen noch einmal auf den Berg und riefen in den Himmel: „Herrgott, wir haben getan, was du uns geraten hast. Trotzdem steht es um unseren Planeten schlechter als zuvor. Was haben wir falsch gemacht?“

Es wetterleuchtete in den Wolken, dann ertönte die Stimme, lauter als beim ersten Mal: „Es scheint, ich muss mich deutlicher ausdrücken: Werdet bescheiden!“

Tief erschrocken antworteten die Menschen: „Noch bescheidener? Nur das nicht! Gibt es keine andere Möglichkeit, zu überleben?“

Aber die Stimme schwieg.

In düstere Gedanken versunken stiegen die Menschen vom Berg herab und beschlossen, künftig auf Kaviar, Sekt, Fitnesscenter, elektrische Zahnbürsten und Silvester-Feuerwerk, ja sogar auf Erdbeeren im Winter und künstlichen Schnee auf den Pisten zu verzichten. Das taten sie auch. Sie taten sogar noch mehr: Sie wuschen ihr schmutziges Geschirr mit der Hand! Diese freiwillige Einschränkung erfüllte sie mit großer Genugtuung.

giss-fdae6cb1032e71fbAber von vielen Wäldern standen jetzt nur noch traurige Strünke, das Grundwasser sank, in manchen Regionen der Erde flohen die Menschen vor der Sonne, deren gefährliche Strahlung dort durch keine Ozonschicht mehr zurück gehalten wurde und wo früher Weizenfelder gediehen waren, begann das Land zu verkarsten.

Da ergriff die Menschen große Angst. Sie stiegen wieder auf den Berg, verneigten sich tief und jammerten: „Allmächtiger! Wir haben deinen Rat befolgt, aber die Erde wird trotzdem von Tag zu Tag weniger bewohnbar. Gib uns einen Rat! Einen, den wir auch verstehen!“

Diesmal erscholl die Stimme so laut, dass die Menschen ihre Köpfe einzogen. „Es gibt für euch nur diesen einen Rat: Werdet genügsamer!“

„Allerhöchster!“, klagten die Menschen, „Wir haben unseren Lebensstandart doch schon so weit herunter geschraubt. Noch weiter? Das ist nicht machbar!“

Aber die Stimme war nicht zu bewegen, noch einmal zu antworten. Und so stiegen die Menschen niedergeschlagen vom Berg und verzichteten von nun an auf die Zweit- und Drittwagen, die Zweit- und Drittfernseher und die Zweit- und Dritthäuser und duschten oder badeten nur noch dreimal in der Woche und aßen nur noch an drei Wochentagen – außer Sonntags – Fleisch. Diese Bescheidenheit kostete sie viel Überwindung.

Polarbaer-eisbaer-suedpol-klimawandel-synonym-Heiligtum-klimareligion-Klimaschwindel-Klimabruderschaft-Klima-Luege-Betrug-co2-Ablasshan.jpgAber ihre Hoffnung, dass sich ihr Planet dadurch zu erholen begänne, erfüllte sich nicht. Die Wüsten dehnten sich nur etwas langsamer aus, die Bäume verdorrten etwas später als voraus gesagt, die Polkappen schmolzen etwas zögerlicher und die Menschen rund um den Globus mussten etwas später als gedacht sich tagsüber vor der Sonne verstecken.

Da stiegen die Menschen zutiefst verzweifelt wieder auf den Berg und heulten: „Lieber Gott, mit deinem Rat kommen wir nicht klar.“

Mit furchtbarem Donnergetöse antwortete die Stimme: „Es gibt keinen klareren Rat als: Werdet arm!“ 

„Ach“, klagten die Menschen, ganz betäubt von dem Lärm und sehr kleinlaut, „wir haben freiwillig auf so vieles verzichtet, dass wir unsere jetzige Existenz kaum noch mit unserer Menschenwürde vereinbaren können. Trotzdem verkommt die Erde weiter. Aber ohne sie sind wir verloren! Rette sie, lieber Gott, bitte rette sie!“

„Gut“, antwortete die Stimme sehr ruhig und so leise, dass sie nur wie ein Säuseln zu vernehmen war, „geht heim. Wenn ihr die Erde nicht rettet nach meinem Rat, dann werde ich sie retten.“ 

Da atmeten die Menschen auf, lobten Gott, kehrten erleichtert in ihre Häuser, legten die Hände in den Schoß und warteten.

Sie brauchten nicht lange zu warten. Mit überhöhter Geschwindigkeit überzogen die Wüsten große Teile der Kontinente. Flüsse trockneten aus, das Grundwasser sank so tief, dass die Städte nicht mehr genug Wasser für ihre Bewohner hatten, die Polkappen schmolzen , dass das salzige Wasser große Teile der Landstriche überschwemmte, die letzten Wälder welkten dahin. Und auf den Äckern, die noch nicht Wüste geworden waren, wuchs fast nichts mehr.

hqdefault9TOIWXV0In Panik flohen die Menschen hierhin und dahin, nach Schatten suchend, nach Wasser lechzend, nach Nahrung winselnd. Es entbrannten wilde, grausame Kriege um die wenigen Landstriche, in denen es sich noch leben ließ. Unzählige Menschen brachten einander um, unzählige verhungerten, verdursteten oder starben durch die Sonne. Die großen Städte versanken in Schutt und Asche, die Dörfer verödeten, viele menschliche Ansiedlungen wurden vom Meer überspült.

Als sich der Rauch der Kriege, der den Erdball lange umhüllt hatte, endlich verzog, zeigte sich, dass von je 1000 Menschen nur noch einer lebte. Die Überlebenden hatte sich in die Täler jener Flüsse geflüchtet, die noch Wasser führten. An den Ufern bauten sie einsame Hütten, tranken Flusswasser, badeten sich im Fluss, wuschen ihre Wäsche im Fluss, und bewässerten ihre Felder mit Wasser aus dem Fluss. Wollten sie einen anderen Ort erreichen, mussten sie zu Fuß wandern. Brauchten sie Schuhe, mussten sie sie selber machen. Wollten sie Milch trinken oder Fleisch und Eier essen, mussten sie sich selber Ziegen, Schweine und Hühner halten. Auch die Seife mussten sie selber herstellen, ebenso wie Kerzen. Sie konnten höchstens Seife gegen Eier oder Kerzen tauschen. Um den Winter zu überstehen, mussten sie Weizen und Rüben anbauen, mussten Schafe halten für die Wolle, die sie wieder spinnen und weben lernten, mussten Holz sammeln. Kurz: Sie lebten so arm wie die Armen vor 2000 Jahren.

Copy-20of-20jor300Die Erde aber erholte sich zusehends. Es fuhren ja keine Autos mehr, keine Tanker, keine Eisenbahnen, es flogen keine Flugzeuge mehr! Keine Fabriken und keine Kraftwerke waren mehr in Betrieb. Wiesen und Gestrüpp überwucherte Straßen und Ruinen. Wälder wurden wieder grün, breiteten sich aus, saugten das Grundwasser aus der Tiefe. In Flüssen und Meeren tummelten sich wieder allerlei schuppiges Getier in kristallklarem Wasser. Die Winter wurden kühler, Schnee fiel. Und irgendwann konnten die Menschen wieder unbedeckt der Sonne begegnen.

Den Berg erklärten die Überlebenden zum Heiligtum. Sie erklommen ihn und riefen: „Gott, wir danken dir dafür, dass du unsere Erde wieder ergrünen und gesunden ließest.“ 

Da spielte das Nordlicht über den Himmel und die Stimme tönte aus den Wolken: „Das hättet ihr auch selber geschafft, ihr Menschen. Und zwar ohne Milliarden von Toten. Wenn ihr nur früh und ernsthaft genug meinen Rat befolgt hättet.“ 

Die Menschen nickten und gedachten ihrer Toten. Dann kehrten sie zufrieden mit ihrem Los, vielleicht glücklicher als wir Jetzigen je glücklich zu sein imstande sind, in ihre Täler, in ihre Hütten zurück und plagten sich weiter ums tägliche Brot.

(Von Gudrun Pausewang. Kurzer Nachtrag von mir: Das kam vor fast 30 Jahren heraus. Leider sagen neuere wissenschaftliche Studien, dass es ein solches Happy End eher nicht so einfach gibt.)

4 Gedanken zu “Fundstück: Werdet arm!

  1. Annuschka schreibt:

    So wahr. Und das „Gefällt mir“ bleibt mir irgendwie digital im Halse stecken. Denn auch wenn mir die Eindringlichkeit gefällt, die dahinter steckt, so kann mir doch die Tatsache, wie wir mit unserer Lebensgrundlage umgehen, nicht gefallen. Ich würde gern diesen Beitrag mit meinem Blog verlinken, liebe Bithya, wenn du nichts dagegen hast. Denn ich bin der Meinung, dieser Beitrag muss unbedingt weitergereicht werden!
    Und das heute, an einem Tag, an dem die Landwirte ernten, die Temperaturkurve nur nach oben steigt und die Radiomoderatoren über den wunderschönen Sommertag schwärmen, der zum Schwimmen gehen und grillen verlockt….
    LG Annuschka

    Gefällt 2 Personen

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