Ich habe einen Traum…

einheit… dass es eines Tages Heilung für die Gemeinde gibt. Dass wir eines Tages keinen Schwanzvergleich mehr brauchen, wer denn nun heiliger ist. Den niemand verlieren darf, denn das hieße, Punkte bei Gott zu verlieren. Und wie ein Kind, das sich der Liebe der Eltern nicht sicher sein kann ist es eine existentielle Katastrophe, Angst haben zu müssen, die Gunst dessen zu verlieren, auf den man angewiesen ist. Und den man liebt. Und weil man sich selbst nicht auf das Niveau hochkatapultieren kann, von dem man glaubt, dass es nötig wäre, um die Gunst zu behalten oder zu bekommen, muss man sich wenigstens über die anderen stellen, denn dann ist man immer noch besser als die Alternative. Es gibt so viele, die zwar von bedingungsloser Liebe sprechen, aber glauben sie daran?

Ich wünsche mir, dass es Heilung gibt für die Opfer dieser Systeme. Wir, die Angst haben, zu uns zu stehen. Zu unseren Fragen, zu Ungereimtheiten, die uns quälen. Zu Widersprüchlichkeiten und Heucheleien, die wir bei uns und in Systemen sehen. Wir wollen niemandem schaden und niemanden vom Glauben abbringen. Wir wollen helfen. Und wir wollen leben. Und lieben und glauben. Mensch sein. Christ sein. Und einen Ort haben, wo wir sein dürfen. Darf man sagen eine Heimat?

Ich wünsche mir, dass wir unsere alten, angeblich christlichen Einreden loswerden.

  • „Zweifel sind vom Teufel“
  • „Wut und Angst sind dämonisch“
  • „Nur vollkommen heilig darf ich vor Gott kommen“
  • „Wenn ich riskiere zu sündigen, werde ich sicher in der Hölle landen“
  • „Ein heiliger Gott erwartet Perfektion von mir“
  • „Auf keinen Fall auch nur etwas Falsches denken!“

Ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten, ohne dass wir das Wunderbare am Glauben an Gott und unsere Faszination für Jesus über Bord werfen. Das, was es so schön macht, dass man weinen möchte.

  • „Es ist gut, dass ich lebe. Ich bin gewollt und ein besonderer Mensch.“
  • „Es ist gut, dass du lebst. Du bist gewollt und ein besonderer Mensch.“
  • „Frieden ist nicht nur möglich, sondern er wird auch kommen. Und wenn ich möchte, kann ich mit machen.“
  • „Und dazu sind keine Superhelden nötig, weil auch ein Schmetterling einen Wirbelsturm auslösen kann.“
  • „Gott liebst mich und nichts, was ich tue oder lasse, kann das ändern.“
  • „Und genau der hat gezeigt, wie Frieden aussehen könnte.“

Ich träume von gesundem Glauben, gesunden Gemeinden, gesunden Christen. Warum gibt es so viel Angst in der christlichen Szene? Warum müssen so viele Gemeinden krampfhaft besser sein als andere Gruppen? Oder als die Welt außerhalb? Warum kann nicht sein, was nicht sein darf, so dass Leute, die Probleme ansprechen schnell mundtot gemacht werden mit aggressiven „Wir sind eben nicht perfekt!“, „Ändere dich selbst!“, „Hör auf, den Leiter zu kritisieren, denn er hat schon genug Probleme mit Leuten wie dir.“ oder [SIC!] „Du bist schuld an dem schlechten Klima in christlichen Gemeinden, weil du nicht genug gebetet hast, denn Gott erhört Gebet um gutes Klima in Gemeinden immer!“ Warum wird der Umgang mit Geistesgaben (die ich BTW echt schätze), der Bibel, Lobpreis etc. kaum reflektiert, so dass Missbrauch kaum etwas entgegen gesetzt wird? Warum können sich Leiter einfach so auf die Bibel berufen und ihre Autorität daraus ziehen, ohne ernsthaft (und auch kontrollierbar für andere) an ihrer Persönlichkeit zu arbeiten? Und warum ist dieses Klima der Angst in einem System, das sich die Nachfolge desjenigen auf die Fahne geschrieben hat, der auch als Friedefürst bekannt ist so mächtig, dass einzelne Leute schon Angst vor ihren Gedanken und Gefühlen haben müssen?

Ich träume schon lange von besserer Missbrauchs- und Gewaltprävention in christlichen Settings. Und ich spreche vor allem von geistlichem Missbrauch und von emotionaler Gewalt. Es gibt so wenig Professionelles in dem Bereich, viel zu wenig! Wo sollen Menschen Hilfe finden, die unglücklich sind, wenn es fast nur entweder „nicht-christliche“ Hilfen gibt oder „fundamentalistische“, wo man vom Regen in die Traufe käme?  Und als Sozialpädagogin träume ich natürlich auch davon, selber etwas zu tun. Direkt mit den Betroffenen zu arbeiten, sie zu unterstützen, ihren Weg zu finden. Das grundlegende Knowhow habe ich, keine Frage, und auch einen gewissen Pool an Methoden und einige Ideen zur praktischen Umsetzung. Was mir fehlt ist noch mehr spezielles Wissen über Begleitung von Opfern emotionaler Gewalt und Traumapädagogik, also Umgang mit Triggern, Stabilisierungsmethoden etc. Ich denke, das müsste ich dann haben. Und mir fehlt das Selbstvertrauen, etwas anzufangen, etwas anzubieten und es zu bewerben. Und mir die Unterstützung zu suchen, die ich bräuchte, denn alleine wäre es wahnwitzig. Ich kenne schon einige, bei denen ich glaube, dass sie helfen könnten, auf die eine oder andere Art, aber ob sie auch würden? Bzw. ob ich „gewinnend“ genug wäre? Und ich bin mir nicht sicher, ob ich selbst schon genug Abstand habe, um nicht emotional zu sehr mitgenommen zu werden. Hab schließlich auch meine Geschichte.

Hm… es gibt nichts Gutes, außer man tut es, oder? Möchte schon gerne. Werde es nur nicht alleine können.

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