Flieg, kleiner Schmetterling

 

Es ist kein Geheimnis, dass ich Schmetterlinge mag. Ich nehme Schmetterlinge als Bilder, erwähne immer wieder den Butterfly-Effekt, ich habe ein Armband mit einem Schmetterlingsanhänger, das ich nicht mehr abbekomme, aber ich muss ehrlich sagen, dass es gar nicht so leicht ist zu erklären, was es ist, das ich an Schmetterlingen mag.

Aber vielleicht bin ich dem jetzt doch etwas näher und es passt sogar hervorragend hier her, finde ich. Es könnte sogar einen alten Entwurf ersetzen, den ich mal irgendwann angefangen habe, der mir auch eigentlich am Herzen liegt, aber bei dem ich gemerkt habe, dass er vollkommen unmöglich zu schreiben ist. Deswegen habe ich ihn auch „Unmögliche Möglichkeiten“ genannt und er fing so an:

Löwe und Lamm, Adler und Taube, Feuer, Sturm, Supernovä oder König und Richter und Daddy und Lehrer und Besitzer??? Kann man Gott eigentlich beschreiben mit Begriffen aus unserem Alltag? Und falls nicht, wie soll ich ihn mir dann eigentlich vorstellen? Naja, logisch betrachtet sollte man ihn nicht wirklich auf diese Art beschreiben können, aber genauso logisch, dass man es trotzdem macht, denn was soll man sonst tun? Man kann ihn ja schließlich schlecht mit Begriffen aus seiner Wirklichkeit beschreiben, die wir ja eigentlich gar nicht kennen.
Ich schreib Stuss grade 😀

Genau, dachte ich, Stuss. Manchmal solltest du doch mal die Klappe halten, Bithya. Und nicht auf Biegen und Brechen etwas hervorbringen wollen, was gar nicht geht. Nicht krampfhaft versuchen, etwas auszudrücken, was bei uns raus kommt, wenn wir drücken, wissen wir ja alle. Und ungefähr so fand ich dann auch das Ergebnis von diesem angefangenen Artikel, den ich nie fertig geschrieben habe.

Vielleicht sollte man manchmal einfach warten, wenn man eine Antwort oder eine Ahnung oder etwas Derartiges sucht, bis sie von selber kommt. Nicht immer, aber manchmal.

Eine solche Ahnung ist mir letzten Sonntag gekommen, beim Gottesdienst. Dabei dachte ich, als ich gehört habe, was der Predigttext war, dass ich mich schon mal auf Trigger gefasst machen kann. Denn es war aus Johannes 3. Aber war dann doch überrascht, schon als der Text einfach nur vorgelesen wurde. Denn ich habe 1. gemerkt, dass er gar nicht das aussagt, was ich immer davon gehört habe und 2. gab es eine Stelle, die mich sehr erstaunlich erinnert an…

…ausgerechnet Schmetterlinge!

„Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.“

Ich hab erst gar nicht verstanden, warum es mich ausgerechnet an Schmetterlinge erinnert. Aber ich dachte so… Wind, etwas fliegt, wohin es will, du weißt nicht, woher und wohin, plötzlich ist es da und es ist schön, dann ist es aber auch wieder weg. Und das erinnert mich eben an diese Wesen. Sie fliegen, wohin sie wollen, spielerisch, verträumt, ein wenig wie ein Geist. Fast, als würden sie tanzen. Aber auch: Ihr Flügelschlag gab dem Schmetterlingseffekt seinen Namen, DEM Effekt der Chaostheorie, der Theorie, nach dem man eben NICHT alles erklären und vorausberechnen kann, wo selbst kleine Dinge große Auswirkungen haben können. Ich weiß nicht, ob ein Flügelschlag eines Schmetterlings physikalisch gesehen tatsächlich einen Sturm auslösen kann, es würde mich nicht wundern. Aber es heißt nun mal so und das nicht ohne Grund. Ein bisschen so, wie die Geschichte mit dem Stein, der ins Wasser geworfen wird und immer größere Wellen schlägt oder der Schneeball, der ins Rollen kommt und immer größer wird. Vor ein paar Jahren gab es mal einen Film, der hieß „Das Glücksprinzip“ und da ging es darum, dass einer anfängt und einer bestimmten Anzahl Leuten etwas Gutes tut und die tun dann wieder so vielen Leuten etwas Gutes und die auch wieder und immer so weiter. Und das Ganze aber nicht gesetzlich oder krampfhaft, sondern so leicht wie ein fliegender Schmetterling, ganz natürlich, wie nebenbei. So ungefähr verstehe ich die Auswirkungen oder das Wirken des heiligen Geistes.

Und wenn ich in mich hinein höre, wenn ich einen Schmetterling vorbei fliegen sehe, ist es ein bisschen wie der kleine Bruder (oder grammatikalisch korrekter: die kleine Schwester) vom Wind. Ich habe tatsächlich in Deutschland noch nicht diese Art Naturerfahrung gemacht, aber in Israel hatte ich schon das Gefühl, dass der Wind sich anfühlt, als wenn er einen ermutigt und tröstet und einem sagt „Gib nicht auf.“ Warum ich dieses Gefühl hatte, kannst du hier sehen. Und ein kleines bisschen ist es für mich mit Schmetterlingen ähnlich. Wenn ich mir mal wieder zu schwere Gedanken mache und mich in Grübeleien verliere und ein Schmetterling fliegt vorbei erinnert mich das daran, dass vieles gar nicht so schwer ist, wie ich es mir in Gedanken mache.

Und für die Korinthenkacker unter uns: Ich weiß, dass man ruach nicht mit Schmetterling übersetzen kann. So what?

Manchmal denke ich noch an eine Situation in meiner Ausbildung. Ich habe für eine Recht-Prüfung gelernt, durch die ich ein Semester vorher mit einer 6 durchgefallen bin. Ich habe Gott gebeten, mir Nachhilfe zu geben, nachdem ich mich bei ihm ausgeweint habe, denn ich dachte, wenn er sich Recht und Gerechtigkeit ausgedacht hat, muss er es ja auch erklären können. Ich saß also mit dem dicken Reader, meinen Notizen und dem BGB auf der Gartenbank bei meinen Eltern (zu der Zeit hab ich noch da gewohnt) und war mal wieder nah am Verzweifeln, weil ich diese Juristensprache viel zu sperrig finde. Und ich dachte, das schaffe ich nie, ich kann das einfach nicht, es ist zu schwer, zu kompliziert und so weiter.

Und ein kleiner Pfauenauge flog nicht nur vorbei, sondern setzte sich auf meinen Arm, ruhte sich eine Weile aus und flog weiter. Und es ging mir wieder gut und ich konnte weiter lernen. Ich hätte ihn gerne fest gehalten, aber das wäre auf jede erdenkliche Weise falsch gewesen. Ich hätte das getötet, was die Magie dieses Momentes ausmachte. Es ist besser, wenn er frei ist und fliegt.

Aber woran ich jetzt meistens denke:

Ich hab ja öfter meine Dämonen-Vergangenheit erwähnt. Ich will da nicht zu sehr drauf eingehen, aber wer sich gerne gruselt: hier und hier. Allgemein: Ich hatte tatsächlich nicht nur Angst, von Dämonen manipuliert zu werden, sondern tatsächlich teilweise, welche in mir zu haben. Hast du schon mal Zombie-Filme gesehen? Stell dir mal vor, du wirst von einem solchen Viech gebissen und du weißt genau, was dir blüht, in was du dich verwandeln wirst. Wenn du dir das vorstellen kannst, dann weißt du, wie es mir ging.

Diese Angst habe ich heute nicht mehr, schon lange nicht mehr. Aber es finden sich immer noch Reste in meiner Psyche. Und zwar genau da, wo sie am aller wenigsten hin gehören. Die Psyche ist ein merkwürdiges Ding. Denn ich habe generalisiert. Ich habe die Angst, Dämonen in mir zu haben unbewusst generalisiert auf irgend etwas in mir drin zu haben. Also auch dass der heilige Geist in mir lebt ist für mich ein sehr bedrohlicher Gedanke. Ich weiß vom Kopf her, dass es nicht schlimm und in gewisser Weise sogar notwendig ist, aber das hilft nicht.

Ich hab’s Gott gesagt. Und halb erwartet, dass er mir Vorwürfe macht oder mich zwingt. Ich meine, es ist doch eine Sache, an irgend etwas zu zweifeln, vom Verstand her und so, aber DAS? Es nicht zu wollen, dass der heilige Geist in einem lebt, oder besser: den Gedanken nicht auszuhalten?

Ich sollte ihn doch so langsam besser kennen. Er hat nur gelächelt, mir den Arm um die Schulter gelegt und gemeint, dann müssen wir eben ein anderes Bild dafür finden, mit dem du besser zurecht kommst. Es muss ja nicht besser oder schlechter sein, nur eben anders.

Und jetzt grade bin ich fast am heulen 😀

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