Feigenbaum

Tornado„Kate beinahe tot, Rachel tot. Willkommen im Vortex-Klub. Sieh dir diese arroganten Arschlöcher an. Der Rest der Welt ist ihnen egal. Wenn ein Tornado jetzt aufkommen würde, würde ich einfach nur hier sitzen und zusehen… . Ich hasse es, mich so zu fühlen. Düster und wütend.“
(Max Caulfield)

„Jeder will sich von Giften befreien. Entschlacken, vegane Ernährung, kein Rauchen mehr und und und… . Aber sich von den übelsten Giften der Wut und des Hasses zu befreien, daran denkt kaum einer.“
(M.F.)

Tja, so siehts wohl aus. Und ich kann Max verstehen. Ich fühle mich auch manchmal wie sie: Düster und wütend. Jetzt vor Kurzem erst wieder. Sexueller Missbrauch an einem kleinen Mädchen, ich hab es gesehen, Behörden wurden alarmiert, aber es ist ihnen scheißegal. Ich darf leider hier im Blog nicht ins Detail gehen, aber ich werde so wütend, wenn ich sehe, wie dieses Kind auf jede erdenkliche Art leiden muss und als Spielzeug für Erwachsene herhalten muss, die ihr eigenes Innenleben nicht geschissen bekommen. Ich bin so wütend, aber ich weiß eigentlich, dass in so einem Fall Wut am wenigsten hilft. Den Mädchen vor Allem. Aber ich bekomme echt Gewaltfantasien, wenn ich daran denke, wie die, die sich Anwälte der Kinder schimpfen, in so einem Fall den Arsch nicht hochkriegen und die Eltern (oder whatever) ungestört weiter machen und die Schuld noch auf das Kind abwälzen können.

Ich wünschte, ich könnte mal irgend etwas Positives über das Jugendamt schreiben. Schon alleine der Fairness halber. Es gibt doch bestimmt auch gute Jugendämter, aber ich hab ehrlich noch nichts Gutes von ihnen gehört. Außer während der Ausbildung in der Theorie.

Dann sehe ich eine Doku über Menschenhandel und darüber, wie durch echte Sklavenarbeit Billigprodukte hergestellt werden, die hier bei uns weg gehen wie warme Semmel. Wie konnte ich jemals glauben, dass niemand darunter leiden muss, wenn ich mir für 2€ ein nagelneues Shirt kaufe? Dass die Qualität nicht das Einzige ist, das dann meistens beschissen ist? Selbst, wenn mich das Material nicht stört, hätte ich doch so weit denken können, dass ich überlege, wer daran wie viel verdient und wer nicht. Und ich werde wütend auf mich und, weil es so unangenehm ist, auf sich selbst wütend zu sein, werde ich wütend auf alle, die in dieses System involviert sind. Und ich weiß irgendwo, dass diese Wut nicht das eigentliche Gefühl bei der Sache ist, jedenfalls nicht nur. Ich werde wütend, weil ich es so schwer aushalten kann, diese Hilflosigkeit zu spüren, nichts tun zu können. Im Fall von oben übrigens auch.

Und ich denke an Kat und das, was sie erlebt hat, in ihrem ganzen Leben und speziell in den letzten Jahren. Daran, wie sich so ziemlich alle Gewissheiten an diese Sache mit „mit Jesus ist alles gut“ in Luft aufgelöst haben und es immer noch weiter eskaliert ist und er scheinbar nichts getan hat, obwohl es in mehr als einer Situation Tote hätte geben können. Bei Maren und ihren Psycho-Exs übrigens auch. Das war auch an einigen Stellen verdammt knapp. Und noch andere Situationen, die ich selbst erlebt habe, über die ich hier aber nicht schreiben darf. Diese Situationen, wo du glaubst, zu fallen und nicht weißt, was als nächstes passieren wird, wo alles, was du jemals über die Welt und über Gott zu wissen geglaubt hast, sich einfach in Luft auflöst. Wo es keine Sicherheiten mehr gibt und du der Situation einfach ausgeliefert bist. Ich hasse diese Hilflosigkeit!

Und ich bin wütend auf mich, weil ich mich hilflos fühle, weil ich durch meine Wut auf eine destruktive Weise aggressiv werde. OK, nicht immer, aber es fühlt sich einfach so an. Ich will um Gottes Willen nicht destruktiv sein. Genau das Gegenteil! Aber wenn ich so wütend bin, dann habe ich einen Tunnelblick und denke nur noch an diese Ungerechtigkeit und an dieses Unmenschliche. Ich werde übrigens nicht nur durch Wut so aggressiv, sondern auch durch Angst. Ich bin ein Angstbeißer.

Ja ich weiß, dass sowohl Wut als auch Angst keine schlechten oder bösen Gefühle sind. Sie haben beide ihre Berechtigung und wollen mir beide nur helfen. Wut lässt aktiv werden, Veränderungen erwirken, Unrecht beim Namen nennen. Ohne Wut wäre ich in vielen Fällen lethargisch oder passiv, wo ich so aktiv und leidenschaftlich bin. Meine Herausforderung ist aber, mich nicht in solchen Fällen ausschließlich von meiner Wut leiten zu lassen. Vielleicht ist die Wut ein guter Starthelfer, aber ein schlechter Guide. Und Angst warnt mich vor Gefahren. Zeigt mir, wo ich etwas ändern sollte, um mich und andere zu schützen oder, in anderen Fällen, wo ich im Handeln vorsichtig sein sollte, weil das Handeln gefährlich werden könnte, wenn ich nicht aufpasse. Ich werde dann entweder von der Angst gelähmt oder, wenn ich mit dem Rücken zur Wand stehe, zum Angstbeißer. Oft vergesse ich dann aber, dass das, wovor ich Angst habe, nur eine mögliche Zukunftsversion ist und dass ich es meistens abwenden kann.

Aber diese Hilflosigkeit, die finde ich ganz schlimm. Ich kann etwas Gutes in meiner Wut finden, sogar in meiner Angst. Aber was kann ich Gutes in der Hilflosigkeit finden?

Ich wünschte, ich könnte diesen Blogartikel positiv enden lassen, aber ich weiß nicht, wie… 😦

Oder ich ende einfach mit einer Black Storie: Eine Bloggerin schreibt einen Artikel über Wut und Hilflosigkeit und nennt ihn „Feigenbaum“. Wie kommt es zu diesem Titel?

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