Reflektions-Gedöns und Nachdenkliches

Konzert

Eine Veranstaltung der „Ameisen“

Eigentlich frage ich mich schon – oder ich hab mich auch schon damals gefragt, wenn ich ehrlich sein soll – warum ich von den Ameisen weg gegangen bin. Ich meine, an sich ging es mir ja nicht schlecht da, es waren liebe Leute, es war immer was los, und eigentlich war für alles gesorgt. Wenn man einen Job brauchte oder wenn man Rat bei Versicherungsfragen brauchte oder wenn es um eine geistliche Frage ging war immer jemand da, der Bescheid wusste. Und wenn man sich an die Konventionen hielt hatte man die Möglichkeit, aufzusteigen und sehr anerkannt zu werden. Vor Allem, wenn man, ich sag das jetzt einfach mal, wie ich, gelegentliche prophetische Eindrücke hat, die man im Gottesdienst weiter geben kann.

Ja, es kann einem dort sehr gut gehen. Wenn man komplett in dieser Szene aufgehen will. Aber mit der Zeit kam mir immer mehr das Gefühl, dass irgend etwas nicht stimmt. Mehr war das erst gar nicht, nur so ein Grummeln im Bauch. Wenn ich nach dem Gottesdienst oder zwischen den Gottesdiensten im Buchladen gestöbert habe und mich geärgert habe, dass ich mir die Bücher mit meinem wenigen Geld nicht leisten konnte und nur mal kurz reinschauen durfte, es keine Möglichkeit gab, sie auszuleihen oder so (es gab wohl eine „Bücherei“, einen kleinen Bücherschrank im Nebenzimmer mit Uralt-Büchern, die für eine Stunde in der Woche auf hatte). Oder wenn nicht genug Meldungen über Bekehrungen aus einer Art offenem Jugendtreff kamen und daher überlegt wurde, diese ganze Arbeit einzustellen und den Raum stattdessen als Lagerraum für den Shop der Gemeinde zu nutzen. Oder wenn man dem Second Hand Shop etwas von den eigenen Sachen gegeben hat, die wirklich noch gut waren, haben sie es nur als Spende angenommen und selber für Geld verkauft. Mir drängte sich nach und nach das Bild von Jesus auf, wie er den Tempel gereinigt hat. „Macht nicht das Haus meines Vaters zur Räuberhöhle!“ Das alles war seltsam, aber allein noch kein Grund. War auch etwas, was andere, mit denen ich geredet habe, ähnlich gesehen haben. Habe sogar dem Pastor mal ne deutliche Mail geschrieben. Ohne Reaktion.

Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem ich mich das letzte mal dort als Mitglied gesehen habe. Nicht, dass es von heute auf morgen kam, dass ich mich plötzlich distanziert habe, aber das war der Tropfen, der für mich das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Es war ein Konzert von einem christlichen Künstler, den ich sehr mag und den ich gerne mal live erleben wollte. Auf dem Flyer dazu stand dasselbe wie auf Facebook und ihrer Internetseite: Der Soundso kommt am Freitag, den (keine Ahnung) 12.11.2016 ab 19 Uhr. So stand das da. Ich war zu der Zeit noch verletzt, hatte diesen ekligen Bänderriss und ging an Krücken, wollte den aber unbedingt sehen. Also bin ich hin. Um kurz vor sieben Uhr war ich da, hab mich an einen der Tische gesetzt (es fand im Cafe der Gemeinde statt) und hab mir meine ich noch ne kleine Cola oder so geholt und gewartet. Keiner hat mich gefragt, warum ich an Krücken ging. Keiner hat hallo gesagt. Und es wurde sieben, es wurde zehn nach sieben, es wurde zwanzig nach sieben und immer noch war nichts. Die anderen haben fröhlich Getränke gekauft, Kuchen gegessen, den sie vorher im Gemeinde-Cafe gekauft haben, aber das Konzert???

Um halb acht bin ich schließlich aufgestanden und gegangen. Da ist „endlich“ jemand hinter mir her gekommen. Warum ich denn schon ginge. Nicht: Hallo, schön dich zu sehen. Oder Was ist mit deinem Fuß passiert? Wie geht es dir? Nein. Wollte mich zum Bleiben überreden. Ich so: Es passiert ja gar nichts. Und bin gegangen. Später habe ich heraus gefunden, dass das Ganze Absicht war: Das „ab 19 Uhr“ bedeutete nur, dass ab 19 Uhr Einlass war, das eigentliche Konzert sollte erst viel später beginnen und bis dahin sollte schön konsumiert werden. „Möglichkeit zur Gemeinschaft geben“ wurde das dann genannt. Ob es vielleicht jemandem nicht gelegen kommen würde, ob sich vielleicht jemand verarscht fühlen würde, oder außen vor weil er oder sie kein Geld hat oder eigentlich Schmerzen oder irgend etwas, wen juckts?

Und da wären wir beim vielleicht eigentlichen Punkt. Den ich erst so nach und nach bemerkt habe und auch noch nicht so richtig auf dem Schirm hatte, als ich gegangen bin. Ich war scheißegal! Als Person, meine ich. Ich hatte zwar Freunde da, also ich meine auch richtige Freunde, denen man nicht egal ist, aber was die Gemeinde als Ganzes angeht, war es das gleiche wenn ich da war oder nicht. Außer ich habe etwas gemacht, mitgearbeitet oder so. Ich als Person habe nicht gezählt. Und seit ich da weg bin merke ich das umso deutlicher und teilweise wirklich schmerzhafter. Wenn ich jetzt noch (selten, aber kommt vor) ins Cafe der Gemeinde gehe, um einen Kaffee zu trinken oder was zu essen werde ich gesiezt, von den Leuten, die ich früher mehrmals die Woche gesehen hatte und wo man niemals auf den Gedanken gekommen wäre, „Sie“ zu sagen. Im Second-Hand-Shop ist es ähnlich, wenn auch nicht ganz so schlimm. Auch hier: Total distanziert, als wäre ich eine Fremde. Eine frühere Freundin arbeitet da und vor ein paar Jahren, bevor ich gegangen bin, bin ich gerne in den Shop gegangen, einfach um kurz zu babbeln. Jetzt sieht sie mich zwar an, lächelt, sagt vielleicht noch „hallo“, aber das war es dann. Ich habe den Verdacht, dass sie keinen Kontakt mehr zu mir haben darf. Ich will damit nicht mal sagen, dass es ihr offiziell verboten wurde, das glaub ich nicht mal. Aber dass irgendwie zwischen den Zeilen… . Tja, aus den Augen, aus dem Sinn.

Menschen werden reduziert, auf ihre Aufgaben, Talente, Fehler und Positionen. Je weiter oben man ist, desto mehr wird man respektiert, der Pastor hatte phasenweise schon gottähnliche Züge. (Falls du das liest, A.K., was ich nicht glaube: Dich meine ich nicht unbedingt, jedenfalls habe ich davon nichts gemerkt. Ich meine vor Allem N.L.) Eine Bekannte, die jahrelang hauptamtlich mitgearbeitet hat, bevor sie auch die Biege gemacht hat, wurde sehr, sehr respektiert, allerdings nur wegen ihrer Position, die sie inne hatte. Für sie als Mensch hat sich kein Schwein interessiert. Sie war nur die Leiterin des XXX-Dienstes. (OK, zugegeben, das XXX war unnötig, wenn man beachtet, dass es sich um eine Leiterin gehandelt hat.)

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Hierarchie der „Ameisen“

Ich meine mich auch zu erinnern, an eine Gemeinde-versamm-lung, bei der ich da war, dass es um diese krassen Hierarchien ging, die daraus resultieren. (Oder resultiert es aus den Hierarchien? Was ist Ursache und was ist Folge?) Der Pastor hat sich dort Kritik zu Herzen genommen und die Gemeinde – oder die Anwesenden – gefragt, was sie ganz ehrlich davon halten. Respekt an dieser Stelle dafür! Leider haben sich dann einige aus dem Publikum zu Wort gemeldet und ihm das ausgeredet, er würde alles doch so gut machen und er bräuchte nicht auf so etwas zu hören. Und zwar in Form eines Gotteswortes. Er wäre immerhin der Pastor und von Gott eingesetzt und so weiter und so fort. Schließlich hat er nachgegeben und ihnen Recht gegeben und gemeint, es wäre immerhin keine FeG sondern die „Ameisen“. (Und nein, natürlich hat er nicht Ameisen gesagt, aber ich will nicht schreiben, wie diese Gemeinde in Wirklichkeit heißt.)

Was meinst du eigentlich? Führen die Hierarchien dazu, dass Leute auf ihre Positionen beschränkt werden oder umgekehrt? Und wie stehst du allgemein zu Macht in der Gemeinde? Und meinst du, dieses auf Geld und Profit aus sein hat mit der ganzen Sache zu tun? Hängt das auch zusammen? Ich weiß es nicht.

14 Gedanken zu “Reflektions-Gedöns und Nachdenkliches

  1. sonntagscafe schreibt:

    Hallo Bithya,

    „1 Petr 4,10 Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als gute Haushalter der mannigfachen Gnade Gottes“

    Ich halte von Macht in der Gemeinde gar nichts. Da steht rein gar nichts von Macht ausüben. Natürlich hat jeder seine Aufgabe, aber immer zum Dienst am Nächsten ausgerichtet, nicht zum eigenen Wohlbefinden. Man darf das große Ganze nie aus dem Blick verlieren. Dem muss sich alles unterordnen und das ist das Wohl der Menschen in Gottes Liebe. Hierachien können dabei nützlich sein, weil sonst Chaos entsteht. Aber es dürfen keine Machtstrukturen sein.

    „Eph 5,21 Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.“

    Das gilt doch nicht nur für die Ehe sondern für alle.
    Ja, ich denke, dass auf Geld und Profit auss ein, eine sehr große Rolle dabei spielt.

    Gruß Rebecca

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    • bithya85 schreibt:

      Hi Rebecca 🙂
      Wowowowow, sofort mit einer Bibelstelle, willst du mir Angst machen? 😀 😀 😀
      Ne, Spaß. Alles gut.
      Ich finde es auch ganz schlimm, wenn in Gemeinden Macht ausgeübt wird. Das verhindert so ziemlich alles, was der christliche Glaube an Potential hat. Es verletzt nur. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber ich glaube, es fügt auch dem Leid zu, der Macht ausübt. In dem Sinne dass er nicht lernt, mit seinen Unsicherheiten anders umzugehen und Konflikte und Meinungsverschiedenheiten anders zu lösen als mit einem „Weil ich es sagte, Basta!“ oder „Weil die Bibel es sagt, Basta!“ Vielleicht sind auch die mächtigen Leiter eigentlich sehr unsichere Menschen, die einfach nicht wissen, wie sie sonst reagieren sollen und die „Schäfchen“ sind auch unsichere Menschen, die froh sind, wenn der unsichere Mächtige ihnen sagt, was sie tun sollen und so schaukelt es sich vielleicht immer weiter hoch. Meiner Meinung nach auch schon bei Hierarchien. Wie meinst du das, dass sie helfen, Chaos zu vermeiden? Das hab ich glaub ich nicht so ganz verstanden.
      Liebe Grüße
      Bithya

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  2. Rebecca schreibt:

    Hallo Bithya,

    ich dachte, ich kann das auch mal mit den Bibelstellen 🙂 🙂 🙂 ich kenne die Bibel fast gar nicht, nur die für mich so entscheidenen Passagen, Die, die in mein Herz gefallen sind. Und daraus erschließt sich mir so Vieles. Ich habe nie auf Prediger gehört. Irgendwie hat Gott, sei er mich am Abgrund entdeckt hat, immer direkt mit mir gesprochen. Oft habe ich etwas erlebt und Gedanken dazu, die in sich schlüssig sind und hinterher hab ich genau diese in der Bibel gefunden. So konnte ich die Scheinheiligkeit vieler Berater und Prediger schnell erkennen. Ein spannender Weg. Hoffentlich ist das jetzt nicht zu kompliziert, aber dann kannst du ja fragen 🙂

    Eigentlich ist das Wort Hierachie falsch, es geht eher um eine Ordnung. In Hierachien gibt es immer ein Oben und Unten Es muss Gremien geben, die Entscheidungen treffen können im Auftrag für die GEMEINDE! Diese Gremien müssen fei gewählt sein. Niemals aber darf es nur eine Person sein! Und das Geld darf KEINE Rolle dabei spielen.

    Ich kann deine Gedanken zu den Machtausübenden. gut verstehen. Ich denke auch, dass du da recht hast. Aber irgendwie kenne ich da kein Erbarmen mehr. Das kann vielleicht etwas erklären, aber es kann es auf keinen Fall entschuldigen. Und manche Menschen sind tatsächlich auch machtbesessen, sie lieben es einfach, wenn Menschen ihnen folgen, sie sonnen sich dann in ihrer vermeintlichen Größe. Das hat allerdings nichts mehr mit Jesus zu tun.
    Ich frage mich manchmal, warum sie das nicht selber merken.

    Liebe Grüße

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    • bithya85 schreibt:

      Ich finde das gar nicht seltsam oder kompliziert, im Gegenteil. Solche Situationen, wo ich den Eindruck habe, Gott spricht relativ direkt hab ich auch manchmal. Das finde ich auch gar nicht ungewöhnlich, sondern ganz normal, wenn man bedenkt, dass Gott dein Vater ist (oder deine Mutter), dass wir also eine Familie sind, dann sollte es doch so sein, dass man mit einander redet. Es wäre sehr seltsam, wenn man sich gegenseitig immer nur anschweigen würde. Klar gibt es immer welche, die ihn eher auf diese Art hören und andere eben anders und ich kann mir auch vorstellen, dass es viele gibt, die denken, zu ihnen würde er nie reden, aber vielleicht liegt das in manchen Fällen auch daran, dass sie zu sehr zu anderen, die ihn (vermeindlich) besser hören hinaus schauen und / oder dass andere sich selbst immer wieder auf ein Podest heben und sagen „Hey, zu mir redet er aber immer wieder und ich bin also viel näher an ihm als du!“ (Etwas übertrieben gesagt vielleicht.)

      Was die Hierarchie angeht: Wenn du das so sagst, bin ich ganz bei dir. Ich habe mich tatsächlich etwas an diesem Begriff gestoßen, weil er eben dieses oben und unten hat. Wenn man jetzt einfach sagt, es gibt verschiedene Zuständigkeiten und verschiedene Teams, die ihren Bereich gestalten oder die sich für ein zeitlich begrenztes Projekt zuständig fühlen, denke ich, ist das ja auch ganz gut und hilfreich. (Solange nicht ein Guru oben steht, der die Fäden alle in der Hand hält 😀 )

      Macht… ja…
      ich erzähl dir mal was von mir.
      Ich war Anfang, Mitte 20 und grade mit dem Sozialpädagogik-Studium fertig, absolut brennend für Gott, wollte alles für ihn reißen und glaubte, dass er auch alles machen kann durch Leute, die sich ihm ganz hingeben. Aber ich war noch so grün hinter den Ohren, dass ich nicht mal wusste, wie die Arbeitswelt tatsächlich aussieht und was ich selbst für ein Mensch bin. Ich kannte meine dunklen Seiten nur ansatzweise. (Klar, ich wusste diese Sache mit jeder-ist-Sünder etc. aber hatte keine Ahnung, welche Trigger-Points ich hatte, welche blinden Flecke, welche Vorurteile und so weiter. Aber ich habe als erste Stelle eine Stelle als Jugendreferentin auf Gemeinde- und Kreisebene bekommen. So. Plötzlich ist jemand Unsichtbares sehr, sehr sichtbar und mächtig und gleichzeitig ein blutiger Anfänger, der sich nicht ausreichend reflektieren kann.
      Was glaubst du, was passiert ist? Genau. Ich habe angefangen, mich unmöglich zu verhalten, das aber nicht reflektieren können. Die anderen waren einfach nicht geisterfüllt genug, oder sie waren einfach keine richtigen Christen. Ich hatte einfach nur meinen Anspruch vor Augen, etwas für Gott zu reißen und war teilweise nicht in der Lage, die anderen zu sehen. Nach einiger Zeit habe ich die Kündigung bekommen. Aber deswegen noch lange nicht gecheckt, warum. Das kam erst viel später, als ich so weit war, mich und mein Verhalten und meine Einstellungen zu reflektieren. Ich habe mich teilweise scheiße benommen, ja. Aber nicht weil ich machtgeil war oder weil ich mich gesonnt habe (zugegeben, man konnte sich schon wichtig fühlen) sondern in erster Linie weil ich unsicher und unerfahren war und keine wirkliche Hilfe (Supervision, Mentoring etc.) bekommen habe.

      Hoffe, du denkst jetzt nicht so schlecht von mir 😉

      Liebe Grüße!

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  3. sonntagscafe schreibt:

    Warum sollte ich denn schlecht von dir denken? Du kennst meine Abgründe noch nicht 😀

    Nein, es gibt wirklich keinen Grund irgendetwas zu bewerten, wenn jemand wie du ganz ehrlich ist. Das wünsch ich mir von allen Menschen. Das finde ich ja an deinem Blog so wunderbar! Und deshalb schreibe ich hier gerne. Weil ich die Aufrichtigkeit in jeder Hinsicht liebe!

    Ich bin Erzieherin von Beruf, damals ohne Gott lebend, erging es mir ähnlich wie dir. Was war ich für eine Klugscheißerin. Erst als ich selbst Kinder bekam, durfte ich erkennen, wie arrogant ich war, indem ich den Eltern sagte, was sie am Besten zu tun hatten. Mit meinem ersten Kind, war nichts mehr wie es war. Nichts von dem, was ich gelernt hatte, konnte ich anwenden. Weil es eben etwas ganz anderes ist, das eigene Kind oder das Kind im Kindergarten für eine begrenzte Zeit zu haben.
    Ich packte buchstäblich alles Wissen in einen blauen Müllsack und versenkte ihn im Meer. Meine berufliche Karriere verlief dann später, als die Kinder (3) soweit waren, ganz anders. Ich war keine Kindergartenerzieherin, ich brauchte die Herausfordung in der Arbeit mit Jugendlichen, zum einen im Freizeitangebot, zum anderen mit schwersterziehbaren Jugendlichen in einer Wohngruppe und später mit psychisch kranken Erwachsenen. (Meine Lieblingsarbeit). Das war meine Berufung.
    Gott hat mich erst viel später aufgegabelt, als ich am Abgrund stand. Das ist ein anderer Erfahrungsweg hin zu ihm. Ich bin in einem strengen christlichen Elternhaus aufgewachsen mit so vielen Beschneidungen und als absolut freiheitsliebender und rebellischer Mensch, bin ich mit 20 Jahren aus der Kirche ausgetreten und hab Gott Gott sein lassen. Ich war nie gegen ihn, aber konnte nichts mit ihm anfangen. Ich bin sehr dankbar, dass ich Gott dann sofort als liebenden Gott kennen gelernt habe, der mich kennt und liebt, wie ich bin. Ich brauchte mich nicht ändern. Die Änderungen zum Guten fanden auf meinem Weg von alleine statt. In meinem Tempo und je nach meiner Bereitschaft, Gott ist da absolut großzügig. Ich durfte auch so wunderbar erkennen, dass ich zwar ihn verlassen hatte, er mich aber nicht, nie!
    Ich bin jemand, der immer bis an die Grenzen geht, aber dann hat Gott mich immer abgeholt und mir eine Kehrtwende ermöglicht. Durch meine und trotz meiner Grenzerfahrungen habe ich einen so großen Reichtum erworben, der mich heute reich an erlebtem Wissen sein lässt für mich und andere.
    Meine jüngste Erfahrung kennst du noch nicht, aber sie ist das Spannendste überhaupt 🙂

    Ich bin nie eine Predigerin gewesen, ich kenne das Brennen für Gott nicht. Ich zeuge mit meinem Leben und manche Menschen werden sehr neugierig. Dann erzähle ich gerne auch von Gott und seinem wunderbaren Weg mit mir 🙂

    Puh, jetzt hab ich aber viel erzählt, was mit dem Thema gar nichts zu tun hat. 😉

    Dir noch einen schönen Abend
    Rebecca

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    • bithya85 schreibt:

      Stimmt, manchmal frage ich mich auch, was ich eigentlich den Eltern sagen soll, wenn ich keine Kinder habe. Für die muss ich ja ein Grünschnabel sondergleichen sein. Wahrscheinlich würde ich es auch denken, wenn ich an ihrer Stelle wäre. Ich kann ihnen dann auch nur sagen, wie ich das Kind in der Einrichtung wahrnehme. Ich meine, das ist ja was, wozu ich wirklich was sagen kann.
      Mit deiner Andeutung zu deinen jüngsten Erfahrungen machst du mich neugierig 😀 Bist du sicher, dass du das Brennen für Gott nicht kennst? Du wirkst nicht so, als ob du es nicht kennst und ich denke nicht, dass es was mit Predigen zu tun hat.
      LG

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  4. sonntagscafe schreibt:

    Na, ich finde das sehr wichtig, den Eltern zu sagen, wie du ihre Kinder einschätzt. Daran können Eltern vielleicht selbst etwas erkennen, was sie sonst nicht sehen können. Du kannst auch dabei helfen, manches Verhalten besser einzuordnen in deinem etwas neutraleren Blick und dem Wissen was du hast. Ale Eltern ist man oft gefangen in seinem Alltag und seinem Blick auf das Kind.

    Ja, du hast wahrscheinlich recht. Irgendwie brenne ich für Gott, weil er so genial und manchmal auch fast zu groß für mich ist, nicht fassbar! Und er hat mich das Leben gelehrt, was leben eigentlich heißt. Und er erlaubt mir ganz Mensch zu sein, so wie ich bin. Er stellt keine Forderungen, keine Bedingungen, das ist einfach genial. Was ich meinet mit dem Brennen ist, was ich oft aus evangelikalen Kreisen gehört habe. Dass das Brennen für Gott bedeutet, dass man losgeht und missioniert. Das ist nicht meine Sache. Ich hoffe, du verstehst was ich meine. Sonst – fragen 🙂

    Meine jüngste Erfahrung: vor 7 Jahren bekam ich nach einer Darm-OP Komplikationen und musste notperiert werden. In der Folge lag ich 4 Wochen im künstlichen Koma mit offenem Bauch. Die Ärzte und Schwestern/Pfleger kämpfen die ganze Zeit um mein Leben, während ich im Koma unter der Erde die ganze Zeit in Alpträumen zwischen leben und sterben kämpfte. Alles real erlebt. Bis ich irgendwann bei meiner eigenen Verbrennung zusah. Ich hatte keine Nahtoderfahrung, war nie über die berühmte Schwelle getreten. Ich sah einfach nur zu. Und wusste, was es heißt, dass es keinen Schmerz, kein Geschrei, keine Angst mehr geben wird! Es war eine Ruhe und ein Frieden, wie man ihn nicht beschreiben kann.

    Ich blieb sehr scher behindert, als ich aus em Koma erwachte. Ich lag insgesamt 8 Wochen auf der Intensivstation und musste alles wieder lernen, wirklich alles. Und ich hatte sehr viel verloren, zuerst nahm ich wahr, dass ich keinen Zugang zu meinen Gefühlen, kaum Konzentration, kaum Kraft und vieles mehr. Ich habe mich dann ins Leben zurück gekämpft, alleine. Frag mich nicht, wie ich es geschafft habe. Die Freunde, die ich hatte verließen mich, sie wollten mich so nicht. Und aus meiner Gemeinde, in der ich immerhin eine zeitlang im Kirchenvorstand hat bis heute keiner nach mir gefragt. Das hatte den endgültigen Bruch mit der Kirche zur Folge. Und mit Gott konnte ich nichts mehr anfangen. Ich fragte mich immer, wozu ich eigentlich überlebt habe, wenn das Leben nun so schwer ist und ohne Freude. Ich hatte den Sinn verloren.

    Im Sommer nun hab ich eine Therapie begonnen zur Aufarbeitung meines Trauma. Und seitdem geschehen Wunder über Wunder. Ich müsste das mal gesondert schreiben, weil es so gigantisch ist. Das Wichtigste aber ist, dass mir eine Sicht auf das ganze Geschehen geschenkt wurde, die es mir ermöglicht, dieses schreckliche Geschehen als etwas sinnvolles zu betrachten, weil es mir den Blick auf das eigentliche Ziel ermöglicht hat, diesen Frieden! Es ist so viel passiert in der Therapie, dass es bald klar wurde, dass nur Gott seine Finger da im Spiel hat. All das war trotz größer Anstrengung in der Therapie, nicht von mir aus meiner Kraft Kraft entstanden – neben meinen Erfolgen die ich durch meine harte Arbeit erzielt habe.

    Mir ist und wird ein ganz neues Leben geschenkt, wie ich es vorher noch nie erlebt habe! Ich bin einfach nur glücklich! Ich habe das Gefühl, ich werde runderneuert.

    So viel zu meinen Grenzerfahrungen in denen Gott mich immer und immer wieder aufgegabelt hat und gerettet hat und mir neues Leben schenkt. Ohne Bedingungen, ohne Maßregelungen, ohne Anforderungen…es ist einfach ein Fest!! Wer will denn schon ohne diesen Gott leben?

    Das Beste ist, dass ich seitdem ohne Schmerzmittel leben kann! Da bin ich so froh drüber – keine Schmerzen mehr!

    Ich hoffe, dass es nicht zu durcheinander ist. Wenn du Interesse hast, würde ich dir mehr erzählen, aber dann bitte nicht öffentlich.

    Lieben Gruß

    Rebecca

    Liken

  5. bithya85 schreibt:

    Ich glaube, ich weiß, was du mit der evangelikalen Definition meinst. Dieses „Gott ist doch so toll, da kann man doch gar nicht anders als immer bei allen Leuten und bei jeder Gelegenheit von ihm zu reden, ob die anderen das wollen oder nicht.“ In diesem Verständnis brenne ich auch nicht. Klar, Gott ist toll, ich liebe Jesus. Und es fasziniert mich, dass er einerseits so viele Nummern größer ist als wir, er sich das aber nicht anmerken lässt, er wirkt nicht so. Weißt du, was ich meine? Er ist so auf Augenhöhe und das mag ich so an ihm. Aber dieser Krampf, immer von ihm reden zu müssen, das kam mir so oft so falsch vor. Manchmal hatte ich ein richtig schlechtes Gewissen, wenn ich es versucht habe. Manchmal sogar ohne, dass ich es als schlechtes Gewissen erkennen konnte, weil ja immer gesagt wurde, Gott wolle es so und es wäre deswegen richtig. Sad.

    Deine Geschichte klingt unglaublich, wirklich! Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es sein muss, alles noch mal lernen zu müssen und wie einsam man sich dann fühlen kann 😦 Ich weiß auch nicht, was ich dazu schreiben kann. Bin etwas sprachlos. Ich glaube, wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich da gar nicht mehr dran denken wollen. Aber umso schöner, dass es dir jetzt wieder besser geht. Ich habe mal gehört, wer als Atheist in eine Therapie geht, kommt oft als Christ wieder raus. Wenn du mehr schreiben möchtest, würde es mich interessieren, aber nur, wenn du möchtest. Kein Stress 🙂 Und wenn du es nicht hier möchtest, kannst du mir auch gerne ne Mail schicken: cla.la@web.de

    Liebe Grüße

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  6. sonntagscafe schreibt:

    Danke für dein Angebot. Ja, ich werde dir noch weiter schreiben, wenn es dich interessiert. Mir hilft das auch zur Verarbeitung. Und es ist ja wirklich unglaublich, was da passiert ist und was seit der Therapie geschieht. Ich kann verstehen, dass dir die Worte fehlen. Das ist nicht schlimm.

    Es ist für sehr interessant zu lesen, wie du es empfunden hast. Ich hab mich dem ja vorher schon entzogen, weil ich das nicht wollte und ich mich dazu auch nicht berufen fühlte. Meistens hab ich in meiner Suche nach Gemeinde, diese dann schnell wieder verlassen. Ich kann nicht sagen, dass ich Jesus liebe. Das Gefühl hab ich irgendwie nicht. Ich hab eher das Vatergefühl zu Gott selber. Aber Jesus ist mein großes Vorbild. Durch ihn und sein Leben und seine Worte erkenne ich so viel davon, wie Gott es mit uns Menschen gemeint hat. Besonders beeindruckend finde ich den Kreuzestod und die Auferstehung. Wie das gemeint ist. Was da eigentlich passiert. Das ist etwas, was wir im Leben wiederfinden können. Wenn dich meine Gedanken interessiern, dann versuche ich gerne diesen für mich deutlichen Zusammenhang zu schreiben.Für heute bin ich erstmal zu müde.

    Liebe Grüße
    Rebecca

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    • bithya85 schreibt:

      Und ich habe dieses Vatergefühl kaum. Liegt vielleicht daran, dass ich immer schon eine etwas ungewöhnliche Beziehung zu meiner Familie hatte, obwohl mein Papa echt cool ist. Ich kann es auch nicht genau definieren. Ist eher so ein diffuses Gefühl, nicht dazuzugehören. Bei Jesus ist das ganz anders, bei ihm habe ich nie das Gefühl, nicht erwünscht zu sein. Und er ist es auch, bei dem ich besonders das Gefühl habe, dass er mich und meine teilweise echt gemeinen Fragen und (gefühlt) unfairen Zweifel aushält. Dass er mich aushält. Das finde ich unglaublich.

      Aber mal was ganz anderes: Ich hab jetzt glaub ich drei Namen von dir. Wie hängen die zusammen? Und ist ok, dass ich dich weiter Rebecca nenne?
      Liebe Grüße 🙂

      Liken

  7. sonntagscafe schreibt:

    Also, hier heiße ich Rebecca, aber dieses WordPress, bei dem ich mich anmelden musste, wollte den nicht und da hab ich dann Sonnatgscafe genommen, aber jetzt erscheint hier immer der Letztere. Komisch. Klar kannst du mich Rebecca nennen. Es ist auch ein schöner Name 🙂

    Der andere ist mein echter Name

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  8. sonntagscafe schreibt:

    Mein Vater glänzte mit Abwesenheit, aber er hat mir in 2/3 Situationen gezeigt, was väterliche Geborgenheit ist. Und die finde ich bei Gott. Und die Gefühle, die du bei Jesus hast, genau diese habe ich bei Gott auch. Es ist eben der dreieinige Gott. Ich finde es nicht wichtig, mit wem man redet, Hauptsache man redet einfach ganz ehrlich, wie es ist. Gott hat mich nie verlassen, er hat mich immer so genommen, wie ich gerade bin, ob mit Zwweifel, Wut, Fragen oder sonstwas. Und das er es absolut gut mit mir meint, kann man ja an meiner Geschichte sehen. 🙂

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