Wer wie was? #Bildungsauftrag

Irgendwie ist es schön, wenn plötzlich, ohne dass man etwas dazu beigetragen hat, Wünsche erfüllt werden. Nein, ich meine nicht, dass plötzlich eine nette, ältere Dame aufgetaucht ist, die „Bibedi-Babedi-Buh“ singt und nette Bäumchen hübsche Kleidchen regnen lässt. Eine meiner Wünsche an Worthaus war doch, dass ich mehr Hilfe zur heart/bookSelbsthilfe möchte, erinnerst du dich? Ich möchte selber erkennen können, wie ich Bibeltexte verstehen kann, ohne bei jeder Kleinigkeit einen Pro zu fragen, egal, ob es jetzt ein Prophet oder ein Professor ist. #Bildungsauftrag. Witzig war, dass, kurz nachdem ich diesen Artikel veröffentlicht habe, mich jemand über Facebook angeschrieben hat, mit der Empfehlung für einen Workshop, wo es genau um so etwas gehen soll. Hier in der Stadt und von jemandem, den ich kenne. Ich war überrascht, hab mich aber gefreut und angemeldet.

An dem Tag war ich ehrlich gesagt ein wenig… ja, skeptisch, nicht was den Workshop an sich angeht, sondern was meinen Zustand angeht. Zwei Wochen vorher war ich nämlich auf einer anderen Veranstaltung über Theologie von einem anderen Menschen und die hat mich derart getriggert, dass ich nach der ersten Pause gehen musste. Dann hatte ich einfach ein wenig Angst, dass es wieder passieren könnte. Aber ganz ehrlich, wie gesagt, hier kannte ich den Dozenten und ich konnte mir nicht vorstellen, dass er mit frommen Druck oder geistlicher Manipulation um die Ecke kommen würde. Er hat dann auch keine „Lehre“ oder so etwas weiter gegeben, oder keine 10 Schritte, wie ich ein besserer Christ werde oder ein Patentrezept, wie man die Bibel hundertprozentig immer richtig versteht. Wir haben nicht mal zu Anfang gebetet. Statt dessen stand am Anfang ein Zitat:

„Um Exegese zu betreiben braucht man letztlich gar nicht viel mehr als Neugier und die Lust, Fragen zu stellen.“

Beruhigend. Denn neugierig bin ich und Fragen stelle ich auch gerne, besonders an biblische Texte. Tatsächlich hat mir das Fragen stellen am meisten Spaß gemacht, denn hier konnte ich eigentlich keine Fehler machen. Nachdem wir uns angeschaut haben, wie wir eigentlich die Bibel sehen (das war für mich leicht frustrierend, denn ich konnte gar nicht genau sagen, was die Bibel für mich war) haben wir einzelne kurze Bibelpassagen gelesen und einfach nur Fragen dazu gestellt, ohne die Antworten zu wissen. Was mir dabei aufgefallen ist war, dass es teilweise doch echt ungewohnt ist, man liest einen Bibeltext und sagt doch meistens sofort, was einen besonders angesprochen hat oder was man darüber weiß oder was er einem bedeutet. Fragen dazu zu stellen, ist ganz ungewöhnlich. Einfach ein neuer Modus. Es hat mich ein bisschen an diese amerikanische Quizshow erinnert, ich weiß grad nicht, wie sie heißt, aber da will der Moderator auch eine Frage hören, um Punkte zu vergeben, und keine Antwort haben.

Beispiel einfach mal, irgend ein Text:

Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.

So, und jetzt ein paar Beispielfragen:

  • Was ist eine Waffenrüstung?
  • Warum sollen wir eine anziehen, wenn Jesus doch schon gewonnen hat?
  • Was bedeutet bestehen?
  • Was sind Anschläge des Teufels?
  • Wer oder was ist der Teufel?
  • Wofür steht Fleisch und Blut?
  • Was sind Mächtige und Gewaltige?
  • Wer sind die Herren der Welt?
  • Welche Finsternis ist gemeint?
  • Was sind böse Geister?
  • Wer hat das an wen geschrieben?
  • Zu welcher Zeit wurde es geschrieben und was war da grade zeitgeschichtlich aktuell?
  • Gab es evtl Gründe, die den Schreiber gezwungen haben, seine Botschaft leicht zu „verschlüsseln“? (Z.B. Diktatur?) Wenn ja: Wie können wir sie „entschlüsseln“?
  • In welcher Situation war der Schreiber?
  • In welcher theologischen oder philosophischen Tradition steht er? Wessen „geistliches Kind“ ist er?
  • Hat der Text einen favorisierten Leser und was wusste der Schreiber über ihn?

iubkuNur so ein paar, die mir spontan eingefallen sind 😀 OK, ich könnte jetzt natürlich das allermeiste davon aus meiner evangelikal-charismatischen Geschichte beantworten, habe grade zu diesem Text schon einiges gehört, aber wenn zur Exegese Neugier gehört, dann zählt für mich auch die Erkenntnis oder zumindest die Möglichkeit dazu, dass man vielleicht doch längst nicht so viel weiß wie man glaubt zu wissen. Vielleicht sind mit den Mächtigen und Gewaltigen gar keine Poltergeister oder bösen Gespenster gemeint, die einen wie einen Parasiten befallen können, wenn man nicht gut aufpasst, sondern irgend etwas ganz anderes.

Naja, der Rest war eigentlich einfach etwas Detektiv-Arbeit, oder ein bisschen wie Rätsel lösen. Wir konnten uns einen Text wählen und diesen Text Fragen stellen und dann im Internet (wir haben einige Links bekommen) versuchen, den Antworten auf die Spur zu kommen. Und joa, da kommen echt interessante Dinge raus. Man bekommt direkt Lust, weiter zu machen, ich dachte, ist echt ein bisschen wie ein Spiel, und ich dachte nicht mal daran, was ich hier vor Kurzem über das Spielen geschrieben habe, sondern, dass es sich tatsächlich so anfühlt wie ein Spiel. (Klar, wenn die „Chemie“ zum Text passt.) Es macht einfach Spaß und ich wüsste echt gerne mehr darüber und freu mich schon auf eine Fortsetzung. Und selbst, wenn man es nicht als Spiel ansehen will, hat man einiges gelernt, nicht nur über biblische Texte, sondern auch einiges an Allgemeinwissen und Historisches.

Hab so gedacht, vielleicht könnte man so etwas auch etwas interaktiv hier anfangen, so ähnlich wie das Talkbox-Spiel oder die Brown-Owl-Challenge. Weiß nur noch nicht so genau, wie. Vielleicht hast du ne Idee?

 

2 Gedanken zu “Wer wie was? #Bildungsauftrag

  1. Cora Zacher schreibt:

    Mir ging es ebenso, bin dann auf die Kurse der Vereinigung Evangelischer Freikirchen gestossen.
    Der Theologische Grundkurs geht über 1,5 Jahre, beinhaltet 8 Wochenenden und je 4 Lehrbriefe pro Wochenende. Aufbaukurs dreht sich hauptsächlich um Exegese. Hat Lust auf mehr gemacht.
    Liebe Grüße Cora

    Gefällt 1 Person

    • bithya85 schreibt:

      Klingt echt spannend. Kann man damit später etwas machen? Also, bekommt man einen Abschluss oder so oder ist es nur für einen privat? Bei mir war es ja nur ein Tag, Selfmade praktisch, aber als erster Einblick war es super. Und er meinte, er würde es wahrscheinlich noch weiter machen, also es gibt noch Fortsetzungen irgendwann.

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