Worthaus und Co: Kritik einer Freundin.

Ich mag Worthaus. Als ich es das erste mal gehört habe dachte ich: „Endlich mal was Neues, etwas, das ich nicht schon hunderttausendmal gehört habe. Nicht immer nur die selbe Leier, sondern tatsächlich auch mal was, das ich noch nicht wusste.“ Und ein „Ach, so kann man das also auch sehen? Ja, das macht echt Sinn und dann verstehe ich einiges auch wirklich besser. Das ist logisch und passt viel besser zu Gott, wie ich ihn kennen gelernt habe als das, was ich sonst so in Gemeinden und so gehört habe.“ Ich habe die Vorträge im Akkord gehört und es hat sich ein bisschen so angefühlt, wie zu Uni-Zeiten. Endlich mal etwas, wo ich auch ein bisschen mitdenken musste und neue Möglichkeiten zulassen musste, um es zu verstehen.

heart/bookIch glaube, wer hier ein bisschen mitliest wird wissen, dass ich zu einigen Praxis-Bereichen des christlichen Glaubens ein etwas zwiespältiges Verhältnis habe. Und die Bibel gehört dazu. Es ist nicht nur das teilweise echt Brutale an den Erzählungen, wo Genozid propagiert wird oder Ähnliches, sondern hauptsächlich zwei Dinge:

  1. Eine alte „Angst“ von mir hat sich in gewisser Weise bewahrheitet: Als ich damals, mit ungefähr 13 Jahren angefangen habe, in der Bibel zu lesen, dachte ich ziemlich schnell: „Ja, klar, das ist ein sehr dickes und vollgestopftes Buch, aber auch das dickste und vollgestopfteste Buch hat sich irgendwann ausgelesen. Dann denkst du: Ja, das kenn ich schon, das habe ich schon so oft gehört, das brauche ich echt nicht nochmal. Und was machst du dann?“ Ich sehe ein, dass es als Christ nicht ganz ohne Bibel geht. Ich liebe es, Christ zu sein. Aber wenn ich an biblische Geschichten denke, an David und Goliath, an Saulus Wandlung zu Paulus, an Jona im Fisch und so weiter, dann spielt sich schon der Film in meinem Kopf ab, wo ich denke, jaja, nach dem Ereignis kommt das und dann geht es so weiter… wie bei einem Lied, das man zu oft gehört hat und dann einfach nicht mehr hören kann. Oder wenn man einfach viel zu oft diese superleckere Pizza gegessen hat und auf einmal merkt: Ich kann sie nicht mal mehr riechen! Und
  2. (was eigentlich vielleicht nicht nur ein Problem, sondern potentiell auch Teil der Lösung sein könnte?) habe ich bei vielen biblischen Themen diese fundamentalistischen Assoziationsketten, wenn ich höre „Johannes 3,16“ geht es weiter mit „Kreuzestod“, dann kommt „Du Sünder!“ und dann „Sühneopfer“ und dann das bewusste Annehmen Jesu mit dem Übergabegebet. Nur als Beispiel. Und ich muss ehrlich sagen, ich habe ein bisschen Angst vor diesen Assoziationen. Anderes Beispiel: „Paulus“ -> „1. Korinther“ -> „Frau ordne dich dem Mann unter!“ -> „Schöpfungsordnung“ (Ja, von der ich inzwischen theoretisch weiß, dass sie ne Erfindung ist) -> „Versteck dich und sei dankbar dafür!“ So ein bisschen wie Programmierungen, die man irgendwie kaum los wird. Und ich denke immer, wenn ich die Bibel aufschlage, werden diese Assoziationsketten losgehen.

Ja, und dann kam Worthaus. Die Assoziationen haben sich etwas gelockert und ich habe gedacht, vielleicht kann die Bibel doch spannend sein, auch wenn man sie schon 20 Jahre lang mehr oder weniger liest. (Wobei es eine Zeitlang wirklich exzessiv war, mit vielen Stunden täglich.) Das Abrotzen über Korinthenkacker in der christlichen Szene fand ich stark, ich provoziere ja selbst gern und dieses Abrotzen war fundiert und begründet und immer wieder gehen mir ganze Kronleuchter auf. Hier ein Beispiel.

Aber zu meinem Problem bzw. meiner Kritik: Es entsteht bei mir (ich weiß nicht, ob IMG_20180519_143628_724bei anderen auch) der Eindruck, dass man nur mit historischem Wissen und Theologiestudium die Bibel verstehen kann. Es motiviert mich nicht, selber in der Bibel nachzusehen und zu prüfen und es „empowert“ mich nicht zur Selbstständigkeit, sondern demotiviert mich in diesem Punkt mehr. Das finde ich sehr schade. Da ich, wie sicher die meisten aus der Szene, darauf programmiert wurde, den biblischen Lehrern zu vertrauen und die gängige Lehre als die Richtige im Sinne von korrekt und als Tatsache zu sehen springe ich automatisch in diesem Punkt darauf auf, wenn Leute sagen „Es spricht alles dafür und nichts dagegen…“ oder „Das ist der Segen der modernen Bibelwissenschaft…“ oder „Wenn konservative Bibelschulen das mal so sagen würden, könnte ich sie auch ernster nehmen.“ Ich überspitze ein bisschen, weil ich es dann besser beschreiben kann. Nicht, dass ich das bewusst oder absichtlich so denken würde, und bei anderen ist es sicher noch ausgeprägter, aber dann denke ich: „Der weiß es viel besser als ich es je wissen werde.“ und „Ohne ihn hätte ich keine Chance, Gott zu verstehen.“ Ich glaube, es hat was mit jahrelanger Konditionierung zu tun, wenn man immer wieder gesagt bekommt, so und so ist das und das musst du glauben, damit Gott das anerkennt und wenn jede Abweichung irgendwie sanktioniert wird, dann ist es sehr, sehr schwer, solche Redner wie bei Worthaus, allen voran Siggi Zimmer und Thorsten Diez, nicht als eine Art Guru anzusehen, ohne die man nicht richtig glauben könnte. Und nein, ich bin mir absolut sicher, dass sie das so niemals beabsichtigt haben. Aber ich habe tatsächlich schon ein wenig Angst davor, dass Siggi Zimmer wahrscheinlich eher früher als später in den Ruhestand gehen wird… .

Darf ich mir ein bisschen was von Worthaus wünschen?

  1. Ich wünsche mir etwas mehr Nähe zu den Hörern. Ich finde es super, dass es auf den Konferenzen Möglichkeiten zu Rückfragen gibt und die meisten Redner sehr nahbar dort sind und ich finde es toll, dass Worthaus auch bei Youtube hochgeladen wird. Aber schon da fängt es an: Ich habe, als ich angefangen habe, zu hören, immer mal wieder in die Kommentare Rückfragen und Nachfragen geschrieben in der Hoffnung, dass es zu einer Antwort kommt. Kam es leider bisher nie. Und auf der Seite von Worthaus habe ich auch noch keine Möglichkeit dafür gefunden. Hab ich was übersehen? Wie kann ich Nachfragen stellen, wenn ich etwas nicht verstanden habe oder tiefer eintauchen will? (Und noch etwas fundamentaler: Ich möchte nicht denken müssen, ich sei dumm, wenn ich etwas nicht verstanden habe oder etwas anders sehe, wenn ich in den Vorträgen höre: „Da denke ich: Du hast ja mal so gar nichts verstanden!“ oder: „Was bist du für en armes Würstle?“) Ist jetzt wirklich von mir nur lieb gemeint, bitte nicht als böse gemeint oder so verstehen.
  2. Ich wünsche mir neben den Vorträgen zu biblischen und geschichtlichen Themen auch welche, die es mit Maria Montessori halten: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Was tue ich mit diesen Assoziationsketten? Wie kann ich grundsätzlich Bibeltexte verstehen und woran erkenne ich, welche Sorte es ist und wie ich sie verstehen kann? Ganz grundsätzlich, ob ich sie geschichtlich verstehen kann oder bildlich oder wie auch immer? Und wie kann ich mit diesem Wissen etwas für mein Leben dort heraus lesen? Ich meine nicht, alles vorgekaut zu bekommen, sondern zu lernen, es selbst zu tun. Klar kann man keine 5 Semester in 5 Stunden packen, das ist mir klar. Aber vielleicht einfach mehr so Grundlagen, die man als Normalo auch anwenden kann? Ist klar, was ich meine?
  3. Um die drei Wünsche voll zu machen 😀 Ich wünsche mir, dass ihr noch lange Worthaus macht, denn ihr seid echt coole Socken! Vielleicht ja bis zum nächsten mal, vielleicht schon nächsten Monat? Ich denk da ernsthaft drüber nach.

Ganz liebe Grüße von Bithya.

16 Gedanken zu “Worthaus und Co: Kritik einer Freundin.

  1. mARi schreibt:

    Liebe Bithya,
    da sprichst du einen sehr nachvollziehbaren Aspekt an. Ja, wenn man das Wissenschaftliche sehr betont, stellt sich die Frage, wie es mit dem Laientum aussieht.
    So wie ich die Worthausredner einschätze, würden sie wohl die Beschäftigung des Laien mit der Bibel befürworten. Ich denke sogar, dass sie genau das als Ziel haben, dass die Laien selbstverantwortet mit der Bibel umgehen. Ich denke, sie prangern an, dass viele sich aktiv gegen theologisch-wissenschaftliche Erkenntnisse WEHREN und sie bewusst ABLEHNEN. Ich denke auch, dass sie eher Grundzüge des Umgangs mit der Bibel vermitteln, mit deren Hilfe man dann schon zu selbst erarbeiteten Auslegungen kommen kann (als Beispiel: Alle Auslegung muss sich an Jesus und seinen Aussagen messen lassen.)
    Meiner Meinung nach sollte man auch unterscheiden zwischen Auslegungen, die beispielsweise ganzen Gemeinden und Bewegungen ethische Maßstäbe und Richtlinien geben und der Auslegung, die meiner persönlichen Auferbauung oder einer persönlichen Lebensentscheidung dient. Da darf sicher auch mehr Freiheit herrschen, weil die Verantwortung einen kleineren Menschenkreis betrifft. Verstehst du, was ich meine?
    Und nicht zuletzt lese ich aus deinen Zeilen das heraus, was mich persönlich auch betrifft. Ich stehe nämlich auch vor dem Problem, dass die Bibel für mich verbrannte Erde ist. Diese Assoziationsketten gehen automatisch los – oft nur als extrem negative Gefühlsreaktion spürbar. Ich finde, dafür gibt es keine einfache Lösung, das ist ein komplizierter psychologischer Vorgang und geht weit über die Frage nach dem Laientum hinaus, denke ich. Provokativ gesagt: Weder Worthaus noch irgendeine andere Theologie kann uns „retten“. 😉 Aber heil werden kann man schon, hoffe ich. Und dabei hilft mir Worthaus gerade mehr, als die Bibel selbst auszulegen.
    Was denkst du dazu?
    Glg, mARi

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    • bithya85 schreibt:

      Ich stimme dir zu. Ich habe auch schon sehr viel von Worthaus gelernt und lerne immer noch viel von ihnen. Und ich erwarte auch nicht von ihnen, mich zu retten. Jedenfalls nicht bewusst. Meine Kritik richtet sich eher an das „wie“. Hab ja schon gesagt, dass ich nicht glaube, dass jemand der Worthaus-Leute absichtlich oder auch nur fahrlässig die Hörer von sich oder Worthaus abhängig machen will, aber da sie nunmal eine bestimmte Zielgruppe haben und eine bestimmte Gruppe von Christen besonders oft zuhört, denke ich, haben sie in gewisser Weise auch eine Verantwortung ihnen gegenüber. Als ich vor einigen Monaten bei Worthaus war habe ich mit vielen anderen geredet und immer wieder war der Konsens, dass Worthaus ihr Leben verändert hat, dass sie schlimme Erfahrungen gemacht haben und ihr Leben echt übel war, aber dann kam Worthaus und seit dem ist alles gut, und so weiter. Und ich weiß, was sie meinen, weil ich es bei mir selbst merke. Das meinte ich damit, wenn ich sage, ich erwarte nicht BEWUSST von ihnen, mich zu retten. Aber verstehst du mein Problem? Man macht sich in gewisser Weise von ihnen abhängig, vielleicht echt, weil man es so „gelernt“ hat und „zwingt“ sie in dieselbe Position, in der vielleicht früher gewisse geistliche Leiter waren, von denen man sich dann abgewandt hat, weil sie zu fundi waren. Und das steht dann dem gesunden Wachstum im Weg, fürchte ich. Weil was macht man, wenn es vielleicht dann kein Worthaus mehr gibt? Wenn es keine neuen Vorträge mehr gibt, aber man nicht in der Zwischenzeit gelernt hat, es selber zu tun? Vielleicht schreibe ich zu sehr als Pädagogin, aber bei uns ist es eine der höchsten Ziele, uns überflüssig zu machen. Wenn ich einen Klienten habe, den ich begleite, dann ist es mein Ziel, diese Person so fit zu machen, dass sie mich möglichst schnell nicht mehr braucht. Und das ist es, was ich mir von Worthaus wünsche. Ob mein Wunsch in Erfüllung geht bzw. wie viel davon in Erfüllung geht, steht auf einem anderen Blatt 😀 Aber da Siggi Zimmer auch öfter über Pädagogik spricht, nehme ich an, dass es ihm nicht vollkommen fremd ist.

      Übrigens habe ich von einem der Referenten eine sehr liebe Rückmeldung zu diesem Artikel bekommen, sie können also echt gut damit umgehen. Finde ich gut.

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    • Lokke schreibt:

      natürlich kann man die bibel auch ohne vorkenntnisse erfassen, zumindest die grundbotschaft

      nehmen wior ein anderes beispiel, natürlich verstehe ich die handlung von schakespeares stücken beim lesen oder schauen. aber da der text 500 jahre alt ist, entziehen sich mit ohne vorkenntnisse, historische bezüge, zeitgenössische anspielungen und auch so maches wortspiel.
      sprich alle details oder hintergründe für formulierungen und begründungen kann ich nicht (oder nur zufällig) korrekt erfassen. damit entgeht mit ein großteil seiner genialität.
      darum wird jeder verantwortliche lehrer, oder auch der recherchierende eine kommentar heranziehen, um zumindest einen teil dieser erhellenden informationen zu erhalten.
      das brauchen wir doch schon bei goethe er in unserer eigenen kultur und sprache schrieb, und nur halb so alt ist sie der brite.
      sogar bei thomas mann quasi einem zeitgenossne ist das nötig

      wie also bei einem Text aus der antike, in einer uns völlg fremden sprache und kultur und völlig anderem Weltbild und denken?

      die von dir unterstellte behauptung ist allso vollkommen logisch.

      dennoch wie gesagt die handlung und botschaft der bible versteht man meist auch so. aber wenn ich über details diskutiere, und das mache die meisten die konkrete handlungsanweisungen etc ableiten also ein theologie und ethik aus der bibel ziehen brauche ich eben mehr als nur die handlung verstenden zu haben. da muss ich wissen was jemand vonbr 2500 jahren mit gewissen formulierungen meinte. Dann muss mit klar werden das die erstleser dun erstadresaen keine mitteleuropäer des 20.Jhdt waren. sonst gerade ich unweigerlich in eine schieflage.

      und natürlich ist ein buch das von mindestens 60 personen und mehr als 1000 jahren geschrieben wurde nicht einheitlich. die gottes freunde brauchten als nomadischer clan um abraham, doch andere regeln, botschaften dun bräuche als ein volk im Krieg bei der landnahme, bei einer staaten gründung, im Exil oder unter römischer besatzung.
      ein lebendiger Gott weiß das. nur ein naiver lesder vergisst das oft.

      also bitte nicht schwarz weiß denken:
      die botschaft von der liebe gottes kann man so erfassen und darauf reagieren (dir ist gesagt mensch was gut ist)
      Details, Weltbilder und Lehren bedürfen aber ein wenig mehr vorarbeit als nur das eigenen denken

      liebe grüße

      Dennis

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  2. mARi schreibt:

    Klar, dass sollte immer das Ziel von Pädagogik sein, sage ich auch als Pädagogin :D. Und ja, eine gewisse Verantwortung hat Worthaus sicherlich der Zuhörerschaft gegenüber. Andererseits sagst du ja selbst, dass „man sich abhängig macht“, in einer Weise, in der man sich früher von geistlichen Leitern abhängig gemacht hat. Und sage ich: Ja, ich verspüre auch diese Versuchung, aber ich halte das für sehr ungesund. Es war damals ungesund und das ist es in Bezug auf Worthaus auch. Da liegt die Verantwortung eher auf Seiten der Zuhörer, in einer guten Art und Weise mit dem Angebot umzugehen. Aber dein Wunsch, Hilfe zur Selbsthilfe zu bekommen, ist natürlich ein guter und zielt in genau die Richtung, die ich meine. 😉
    Ich denke, dass die christliche (besonders die freikirchliche, aber auch die der großen Kirchen) Welt gerade eine große Veränderung durchmacht und wir stecken mitten drin. Das bedeutet für mich auch, dass es viele Fragen gibt, die sich nicht nur für mich persönlich, sondern für sehr viele stellen und dass viele Veränderungsprozesse durchlaufen, die noch keinen definierten Endpunkt haben. Vielleicht gehört der Umgang mit der Bibel auch dazu, auch Gottesdienstformen und Gemeinschaftsstrukturen… Ich kann gerade ganz gut aushalten, dass ich „meinen“ neuen Umgang mit der Bibel noch nicht gefunden habe, weil ich weiß, dass es vielen so geht wie mir, und dass viele auf der Suche sind. Daraus wird bestimmt Neues, Gutes entstehen und ich muss nicht für alles allein eine Lösung finden. Verstehst du, was ich meine?
    Ich finde es super, dass du eine persönliche Antwort bekommen hast, das spricht wieder mal sehr für Worthaus. 🙂

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    • bithya85 schreibt:

      Kann ich verstehen, dass du so denkst, ich hab ja auch ne Steilvorlage geliefert 😀
      Aber das sehe ich anders: Die Verantwortung für den Umgang kann in diesem Fall nicht nur bei den Zuhörern liegen. Wir haben natürlich eine Verantwortung, klar, sind schließlich erwachsen – oder wollen es sein – aber viele von uns haben entweder noch nie gelernt, erwachsen mit geistlichen Angeboten umzugehen oder es wurde ihnen abtrainiert und wir fangen erst wieder an, es zu lernen. Da brauchen wir meiner Meinung nach jede Unterstützung, die wir bekommen können, da wir es als Anfänger noch nicht so gut können wie Leute, die es schon ihr ganzes Leben lang machen.
      Was die Veränderung angeht: Die nehme ich auch wahr. Ich weiß nicht, ob es an meiner Blase liegt, dass ich vor Allem diese neuen Dinge bemerke, aber ich merke jedenfalls bei mir, dass sich vieles ändert. Aber grade dann müssen wir zusammen arbeiten und uns gegenseitig unterstützen, so gut wir es mit unseren jeweiligen Fähigkeiten können, meine ich. Das können die einen besser oder in einem anderen Gebiet als die anderen. Grade wenn viel im Umbruch ist, können wir es uns wie ich finde nicht leisten, nur Verantwortung für sich zu tragen, weißt du, was ich meine? Vielleicht bin ich aber auch zu extrem? 🙂

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  3. mARi schreibt:

    Nein, extrem bist du auf keinen Fall, höchstens extrem nett 🙂 🙂 Ja, Verantwortung füreinander übernehmen ist total wichtig, du bringst da viele gute Punkte, keine Frage. Aber was Worthaus betrifft, sehe ich das tatsächlich etwas anders als du, ist ja kein Problem. 😉 Ich denke halt: Das sind Wissenschaftler, die sich quasi nebenberuflich noch für diese Sache engagieren und sich die Mühe machen, wissenschaftliche Inhalte für Laien zugänglich zu machen… Ich weiß nicht, ob man da NOCH viel mehr erwarten kann oder darf. – Wobei gerade Thorsten Dietz sich ja besonders für „ehemalige Evangelikale“ im Sinne von Aussteiger (so nenne ich es jetzt mal verkürzt) interessiert und sich um dieses Thema sehr bemüht, das sieht man ja am Thema seines Buches „Weiterglauben“. Er ist auch auf Social Media PRÄSENT und stellt sich da vielen Diskussionen, was ich toll finde.
    Jedenfalls wünsche ich uns beiden ein Vorankommen und heilsame Erfahrungen! In diesem Sinne: Liebe Grüße!

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    • Port schreibt:

      Gute Aufklärung finde ich wichtig. Unterscheidung, prüfen, alles gut. Das gilt aber auch für die Wissenschaft. Es ist doch so. Wenn die Wissenschaft entdeckt, dass eine Annahme, Weg falsch ist, dann gibt es noch eine Vielzahl anderer Annahmen, Wege, die richtig sein können. Sie darf sich also nicht weiter festlegen. Wenn in mir Gott (wer es anzweifelt, darf „sich“ anstelle von Gott setzen) die Gewissheit bildet, dass dieser eine Weg richtig ist, dann habe ich mitunter das Problem dass ich das wissenschaftlich nicht begründen kann. Genau dieser Punkt wird dann zur Diskussion, wenn sich meine Erfahrung (Vetrauen) gegen die Wissenschaft richtet. Auf dem Feld der Argumentation werde ich dabei der Verlierer sein, aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich falsch liege.

      Oft genug erlebe ich, dass berechtigte Kritik in die falschen Schlussfolgerungen führt, weil man offene Fragen nicht aushält und Antwortmöglichkeiten in Betracht zieht, die einem (auf dem Hintergrund der Geschichte) logisch erscheinen. Aber das hat nichts mit Wissenschaft zu tun und schon gar nichts mit Erkenntnis.

      Mir geht es nicht darum das eine gegen das andere auszuspielen, aber ich bin kritisch gegenüber der viel gepflegten Bibelkritik. Ich finde es wichtig, dass Glaubensdogmen hinterfragt werden, ich finde wichtig dass man Übersetzungen überprüft, sorgfältig er/arbeitet und nach neuestem Erkenntnisstand korrigiert, ich bin für die Wissenschaft nicht gegen sie. Ich habe kein Problem damit anzuerkennen, dass es Menschen gibt die viel schlauer sind als ich und Zusammenhänge erfassen, die mir verborgen bleiben. Der Befreiungsschlag aus krank machenden Glaubensinhalten ist für mich verständlich, ich freue mich darüber. Aber wenn das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird, dann sehe ich darin eine Gefahr. Ich möchte gar nicht näher darauf eingehen, es ist mir einfach ein Bedürfnis das ohne weitere Begründung los zu werden.

      Ich möchte hier auf eine Rezension des Buches „Weiterglauben“ aufmerksam machen:
      http://www.lgvgh.de/wp/rezension-zu-weiterglauben-warum-man-einen-grossen-gott-nicht-klein-denken-kann-von-thorsten-dietz/7471

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      • bithya85 schreibt:

        Du hast recht 🙂 Das Kind mit dem Bade ausschütten will ich auch nicht. Für mich ist es momentan einfach eine Herausforderung, die richtige Mischung und die beste Dosis Wissenschaft, Gottvertrauen und Bibelkritik zu finden. Da experimentier ich ab und zu auch etwas rum, manchmal kommt was Gutes raus, manchmal nicht. Und dann ist es auch ok, dann versuch ichs weiter. Geh einfach davon aus, dass Gott mitexperimentiert 😀
        Danke für deinen Kommentar.

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      • Port schreibt:

        Bithya – Ehrlich gesagt, meinte ich damit gar nicht dich, wirklich nicht! Und ich bin mir nicht mal sicher ob meine Gedanken berechtigt sind. Es ist einfach nur eine allgemeine Wahrnehmung und ich teile nicht jede Schlussfolgerung von Worthaus.

        Ich hatte auch die Erfahrung gemacht dass eine aufrichtige Anfrage unbeantwortet blieb und sehe es mit der Verantwortung ähnlich wie du. Natürlich können wir nicht für alles und jeden Verantwortung übernehmen, rein von der Kapazität, aber dann sollte man Möglichkeiten schaffen zu delegieren. Man kann nicht lehren wollen und dann aufkommende Fragen nicht bedienen. Das ist ein Widerspruch für mich, gerade bei Themen die Lehrmeinungen betreffen. Wenn ich online so eine Plattform anbiete, die Idee finde ich super, dann sollten erst gemeinte Fragen zumindest beantwortet werden. Ich kann verstehen dass man keinen Diskussionsblog möchte, aber dann sollte wenigstens soviel Kapazität geschaffen werden, dass wer immer sich auch die Mühe macht per Mail eine persönliche und höfliche Anfrage zu stellen, wenigstens eine Antwort erhält.

        Ich kann mich an einen Pastor erinnern, der eine seelsorgerliche Einrichtung und Arbeit für Jugendliche geschaffen hat. Oft wenn ihm Fragen zum Glauben, auch theologische, gestellt wurden, antwortete er, dass die Person in der Bibel nachsuchen soll. Er dachte er handelt verantwortlich, weil er wollte dass jeder selbst zur eigenen Erkenntnis gelangt. Bis Gott ihn eines Tages korrigierte, in Erinnerung ungefähr so: „Ich habe dir diese Menschen anvertraut, sie brauchen Hilfe zum Verständnis, DU sollst ihnen helfen und sie nicht weg schicken.“ Da erkannte er seine Verantwortung, auch, dass er sie überforderte und anders vorgehen musste.

        Natürlich kann man dies nicht vergleichen und möchte ich auch nicht, aber mir ist das was Worthaus lehrt, einfach oft zu hoch und stellen sich dadurch Fragen, die man einfach beantworten könnte. Jede hohe Weisheit die wahr ist, kann so gelehrt werden, dass der dümmste Mensch sie versteht oder eben so, dass nur noch eine intellektuelle Elite mitkommt. Okay, das möchte ich Worthaus nun nicht unterstellen, fällt mir nur in dem Zusammenhang ein.

        Ich weiß dass die Bibel „Widersprüche“ enthält und der Bezug zu ihr, verändert sich auch bei mir. Worthaus leistet hier gute Aufklärungsarbeit und lädt dazu ein eine andere Perspektive einzunehmen, manchmal etwas langatmig, da habe ich dann Probleme mit der Konzentration. 😉 Insgesamt finde ich das sehr gut. Mir fehlt allerdings bei der allgemeinen Kritik an der Bibel, das Eingeständnis dass man letztlich nur mit Glauben und nicht zuletzt durch Gottes Geist, göttliche Erkenntnis erlangt und weniger über den Verstand, den man keinesfalls außer Acht lassen sollte. Ich unterscheide hier von menschlicher und göttlicher Erkenntnis. Manchmal wird mir die menschliche Erkenntnis zu sehr auf einen Podest gestellt. Stelle mir das gerade bildlich vor und wie Gott dann spricht: „Und es ist noch mal ganz anders als ihr denkt.“ 😀

        „Für mich ist es momentan einfach eine Herausforderung, die richtige Mischung und die beste Dosis Wissenschaft, Gottvertrauen und Bibelkritik zu finden. Da experimentier ich ab und zu auch etwas rum, manchmal kommt was Gutes raus, manchmal nicht. Und dann ist es auch ok, dann versuch ichs weiter. Geh einfach davon aus, dass Gott mitexperimentiert.“

        Ist bei mir ähnlich und ja davon gehe ich aus. 😉 Ich möchte auch nicht zu kritisch sein, aber leider ist das ein wesentlicher Teil von mir. Einen schönen Sonntag euch allen.

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  4. Thomas Jakob schreibt:

    Hallo Bithya,
    interessant zu lesen, wie es Dir so mit der Bibel geht. Bei mir ist es in mehreren Punkten völlig anders.
    1) Bibel ausgelesen haben. Ich habe die Bibel als Kind mal von vorn bis hinten gelesen, fand das Ergebnis dann aber irgendwie ernüchternd, es hat mich nicht wirklich weitergebracht. Inzwischen habe ich festgestellt, dass mich je nach Lebensphase unterschiedliche biblische Figuren und Bibelstellen mehr ansprechen. Manches, womit ich bisher wenig anfangen kann (z. B. die Offenbarung des Johannes), erschließt sich mir vielleicht irgendwann später, vielleicht auch nie, wenn ich nie in eine Situation komme wie der Verfasser. Dass ich die Bibel irgendwann ausgelesen haben könnte, glaube ich nicht, dazu sind ihre verschiedenen Bücher viel zu sperrig, in sich widersprüchlich und durch die ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten und Glaubensvarianten ihrer Verfassung geprägt.
    2) Fundamentalistische Argumentationsketten. Habe ich kaum, weil ich da alles, aber auch absolut alles hinterfrage. Bei mir muss das Ganze auch unter Beachtung von Naturgesetzen, unterschiedlichen Kulturen und den Bedingungen und dem Denken des 21. Jahrhunderts Sinn ergeben. Und auf der anderen Seite bin ich immer dabei, zu sagen: Was steht denn wirklich im Alten Testament, ohne dass ich das gleich alles christlich deute?
    3) Von Worthaus habe ich schon mal gehört, kenne es aber bisher nicht näher. Ich werde mal reinschauen, und bin gespannt, ob die Referenten dort naturwissenschaftliche Fragen ertragen.
    Viele Grüße
    Thomas

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    • bithya85 schreibt:

      Hallo Thomas Jakob, das klingt echt spannend, wie du die Bibel siehst. Ich wünschte, ich könnte das so.
      Worthaus kann ich dir nur empfehlen, bei der letzten Tagung haben sie auch selbst naturwissenschaftliche und philosophische Fragen gestellt, die den Glauben und die Bibel sehr infrage gestellt haben. Zugegeben, macht einerseits schon Spaß und ist mega-interessant, aber andererseits auch teilweise beängstigend 😀
      LG

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  5. Christian Schmill schreibt:

    Du sprichst ein grundsätzliches Problem an, dass wir immer mit der Bibel haben: Wenn die Bibel die vorrangige Grundlage unseres Glaubens ist, bleiben wir immer abhängig von denen, die die Bibeln machen und erklären. Für einen echten „Jesus-Glauben“ brauchen wir eine bessere Grundlage (wir sind ja schließlich auch keine Biblianer, sondern Christen.)

    Ich glaube, diese Grundlage kann nur die authentische Christus-Erfahrung jedes Einzelnen sein. Und in der Gemeinschaft der Gläubigen muss man sich diese gemeinsame Grundlage sicherlich auch immer wieder neu erarbeiten und erkämpfen, indem man lernt miteinander zu leben, zuzuhören, Kompromisse zu machen, für einander da zu sein … und der Liebe eine Gestalt im Leben zu geben.

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