Shocked und knocked out #hossael18

Ich mach das jetzt einfach mal so, dass ich Israel ein bisschen chronologisch erzähle, sonst komme ich wahrscheinlich komplett durcheinander. Und ganz ehrlich, allein am ersten „richtigen“ Tag ist genug bei mir gewesen. Ich lass den Anflugtag einfach mal raus, und beginne am Montag. War übrigens auch mein Geburtstag. Den ich tatsächlich beinahe vergessen hätte. Geburtstag in Israel 😀 Das hat auch nicht jeder.

Richtig gefeiert hab ich aber nicht. Ich mag das nicht besonders, außerdem gab es da noch einen anderen Grund, aber ich greife schon vor.

 

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Das war die Klippe, die wir runter geklettert sind x_x

Wir sind die Arbel-Klippe runter gekrakselt, ich mag so Kletter-Touren, auch wenn ich manchmal ein bisschen Angst hab, vor Allem, wenn man nicht geschützt ist. Ich glaube nicht, dass es ganz ungefährlich war und ich glaube auch nicht, dass es hier in Deutschland überhaupt erlaubt gewesen wäre, das zu machen 😀 (Was die Sache für mich eigentlich noch spannender gemacht hat.) Es war unglaublich anstrengend und unglaublich heiß. Wir hingen teilweise untereinander an den Felsen und die Sonne knallte von oben herab und an Schatten konnte man kaum denken. Wasser hatten wir zwar alle dabei, ich auch. Aber meins hat trotzdem nicht gereicht. Ich habe so eine große Radflasche, da passen so 1 1/2 bis 2 Liter rein, ich dachte, das reicht doch allemal. Außerdem meine ich mich zu erinnern, dass ich noch ein oder zwei kleinere Flaschen vom Busfahrer gekauft habe. Es hat nicht wirklich gereicht. Die letzte halbe Stunde hatte ich nichts mehr. Da war es aber auch nicht mehr so anstrengend und ich dachte, hey, das schaffst du noch alleine! Komm, ist nicht mehr weit und nicht mehr so anstrengend.

 

Hach, du merkst, ich war das erste mal in einer Wüste. Und obwohl ich gegen Ende nicht wirklich Durst hatte, hatte ich so eine leise Stimme im Kopf, die mich gedrängt hat, mir unbedingt noch Wasser zu schnorren. Und im Nachhinein… ich weiß nicht, was gewesen wäre, wenn ich es nicht gemacht hätte. Und diese Wanderung war tatsächlich das erste und das letzte, was ich an diesem Tag wirklich bewusst wahrgenommen habe. Ich habe es erst nicht ernst genommen, aber die leichten Kopfschmerzen waren schon da, als wir wieder in den Bus gestiegen sind. Ich kann nicht wirklich beschreiben, was danach mit mir war, es war irgendwie so eine Bewusstseinstrübung, wir sind dann noch in Klöstern mit unfreundlichen Nonnen am Berg der Seligpreisungen gewesen, aber schon die habe ich nur noch am Rand mitbekommen, bin hinter den anderen her gedackelt und mir ging es gelinde gesagt echt beschissen. Und je später es wurde, desto schlechter ging es mir. Ich wollte eigentlich nichts sagen, denn ich dachte erstens, hey, ich bin kein kleines Kind mehr, das wegen ein bisschen Kopfschmerzen rumjammern muss, zweitens wollte ich die Stimmung nicht verderben oder als Memme gelten und außerdem, was sollten die anderen schon machen? Also hab ich Zähne zusammen gebissen.

Nach dem Mittagessen am See Genezareth ging es aber wirklich nicht mehr. Ich hab Sterne gesehen, mein Kopf platzte und mir war leicht übel. Wie gesagt, ich kann meinen Zustand nicht wirklich beschreiben, ich glaub nicht, dass ich wirklich einen Hitzeschlag hatte, denn ich musste mich nicht übergeben. Ich war nur unglaublich schwach, hab mich gefühlt, wie beim Schlafwandeln und hatte Kopfschmerzen. Die anderen waren schwimmen, ich lag in einer Ecke im Schatten auf dem Boden neben einer anderen Teilnehmerin, die gelesen hat. Hab ein bisschen mit einer streunenden Katze gespielt, die da war, aber mehr ging nicht. Irgendwann hat die andere Hilfe geholt und das nächste, an das ich mich bewusst erinnere war, dass ich im Bus auf der hintersten Bank lag und mir jemand Chips in die Hand gedrückt hat, die ich essen sollte. Und irgendwann dazwischen war noch etwas mit einer Cola. Ich hab versucht, Wasser zu trinken und die Chips zu essen, aber schon die Bewegung der Hand zum Mund war unglaublich anstrengend. Ein paar hab ich geschafft, aber lange nicht so viele wie ich eigentlich sollte. (Ich bin irgendwie grade froh, dass die Reiseleiterin soviel ich weiß nichts von diesem Blog weiß, wenn die das lesen würde, würde sie wahrscheinlich in Ohnmacht fallen 😀 )

Ich hab gesagt, dass ich das Programm an dem Tag nicht mehr schaffe. Fand ich so doof von mir, aber es wäre echt nicht gegangen und bevor ich dann bei der geplanten Bootsfahrt umkippe… . Ich bin erstmal im Bus liegen geblieben, die anderen waren dann noch in einer anderen Stadt, ich weiß nicht in welcher, aber auch da in der Nähe. Schließlich hat der Busfahrer ein Taxi aufgetrieben, das mich zurück ins Kibbuz gefahren hat. Während der Fahrt in Taxi ist mir so halb klar geworden, in welcher Situation ich mich da eigentlich befunden habe… ich saß ganz allein in einem fremden Land, dessen Sprache und Kultur ich nicht kenne völlig hilflos und ohne Kontaktdaten in einem Auto eines fremden Mannes, der mich an einen Ort bringen sollte, den ich nicht kannte. Und dann fragt er noch: „Shaar HaGolan, Right?“ Ich so: „What do you mean?“ „Kibbuz Shaar HaGolan?“ – „Äh… yes, I guess…“ Da hatte ich echt ein bisschen Angst gekriegt. Er wusste auch nicht, wohin? Aber eigentlich waren sie alle echt lieb und hilfsbereit. Der Busfahrer, der mich zum Taxi gebracht hat, war die Ruhe selbst und der Taxifahrer hat versucht, mich mit Smalltalk abzulenken. Ich hab so viel englisch raus gekramt, wie ich in der Situation und bei meinem nicht vorhandenen Sprachtalent konnte, was nicht besonders viel war… . Naaa, so im Nachhinein ist es schon irgendwie lustig.

Aber schließlich sind wir dann doch beim richtigen Kibbuz angekommen, ich hab mich nur noch ins Bett gelegt und geschlafen.

Als die anderen zum Abendessen gekommen sind, ging es mir schon besser. Ich hab einen leichten Rüffel bekommen, weil ich nicht alle Chips gegessen habe, das konnte ich dann aber nachholen. Und ganz normal was essen. Hab dann noch einen süßen improvisierten Geburtstagskuchen bekommen ❤ aber dann hab ich mich doch schnell wieder hin gelegt.

Am nächsten Morgen war alles wieder gut. Naja, bis auf einen mörderischen Muskelkater! 😀

2 Gedanken zu “Shocked und knocked out #hossael18

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