Little Big Planet #hossael18

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll… Es gibt eigentlich so viel zu erzählen und ich bin mir sicher, dass ein Artikel lange nicht ausreichen wird.

36537333_2290035011012768_296127644188016640_o.jpgIsrael ist… ein… Neutronenstern. Komprimiert bis zum geht nicht mehr. Auf engstem Raum alles, was du dir vorstellen kannst, so kompakt, dass es schon fast absurd wird. Absolut faszinierend. Angefangen von mehreren Klimazonen, von gemäßigt über mediterran oder subtropisch, keine Ahnung, bis hin zur Wüste. Dann dutzende verschiedener Religionen und Nationalitäten, die miteinander wohnen und arbeiten und sich gleichzeitig bekriegen. Man schafft beinahe Unmögliches im großen Stil, macht die Wüste fruchtbar, was soweit ich weiß kein anderes Land schafft, aber das Alltägliche wie friedliche Nachbarschaft wird beinahe unschaffbar.

Du merkst schon, ich hab keine Worte. Ich habe grade überhaupt keine Ahnung, wie ich das hier schreiben soll.

Und das alles auf einer Fläche, die so groß ist wie Hessen.

Ich glaube, wir alle missverstehen dieses Land. Wir haben überhaupt keine Ahnung davon, wie das Leben da tatsächlich aussieht und wir können ihnen nicht helfen, Frieden zu finden, auch wenn wir es noch so gerne wollen. Weil es viel komplexer ist als wir uns das vorstellen können. Ich meine, vielleicht bin ich ja die Einzige, die das aus den Nachrichten immer so verstanden hat, dass die jüdischen Israelis den Eindruck hatten, das Land gehöre ihnen und haben es den muslimischen Palästinensern abgenommen, die sich dadurch provoziert gefühlt haben. Vielleicht bin ich die Einzige, die sich an den Kindergarten erinnert gefühlt hat, wo sich Kinder um Spielzeug streiten. Aber schon alleine bei den Begriffen fängt es iur.jpgschon an: Es gibt nicht die jüdischen Israelis und die muslimischen Palästinenser. Es gibt:

  • jüdische Israelis
  • muslimische Israelis
  • christliche Israelis
  • säkulare Israelis
  • jüdische Palästinenser
  • muslimische Palästinenser
  • christliche Palästinenser
  • säkulare Palästinenser
  • andere Bevölkerungsgruppen mit ihren eigenen Religionen, von denen man hier nie was hört, wie die Drusen
  • noch viele, viele mehr…

Wem gehört jetzt das Land? Wer hat ein Recht worauf? Und warum? Und machen ausländische, mitteleuropäische oder amerikanische Interventionen die Situation besser oder vielleicht sogar schlechter? Und macht diese Frage überhaupt Sinn? Wir haben eine säkulare Israelin getroffen, die uns durch ihr Kibbuz geführt hat, haben bei christlichen Palästinensern übernachtet und sind einen Tag mit einem christlichen Palästinenser gereist, wir haben mit einem muslimischen Palästinenser und einem jüdischen Israeli über Friedensbemühungen gesprochen… .

Ich habe Kopfschmerzen bei dem Versuch, es zu schreiben. Ich höre nebenbei den Soundtrack von Captain Spirit, um mich ein bisschen zu entspannen. Und ich mach mir Gedanken, ob ich die Einzige bin, die so verwirrt zurück gekommen ist. Die einfach nicht weiß, wie sie das beschreiben soll, was sie erlebt hat. Ich habe mir in Israel öfter Gedanken gemacht, wie ich was schreibe, aber es lässt sich einfach nicht sinnvoll zusammen setzen.

Es werden im ganzen Land Mauern gebaut, die die verschiedenen Bevölkerungsgruppen von einander abschotten sollen, gleichzeitig steht bei Jerusalem ein Museum, in dem unter Anderem vor den Gefahren gewarnt wird, die eine Abschottung mit sich bringt. Es heißt, durch diese Mauern seien die Attentate in Jerusalem sehr stark zurück gegangen, Battirgleichzeitig haben in der Nähe von Bethlehem Israelis und Palästinenser gemeinsam Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um den Bau einer solchen Mauer bei ihnen zu verhindern. Es sollte nämlich eine Mauer durch sehr schöne begrünte Terrassen gezogen werden und da wurden sie kreativ: Wenn sie es schaffen würden, diese Terrassen zu einem Weltkulturerbe zu machen, dürften sie nicht mehr verändert werden, ergo könnte keine Mauer gebaut werden. Was soll ich sagen, sie haben es geschafft. Sie haben ein Weltkulturerbe bekommen und die Mauer verhindert. Und dazu noch diese unglaubliche Geschichte, die zeigt, wie unterschiedliche Menschen zusammen arbeiten und Dinge verändern, im Kleinen beweisen können, dass Frieden möglich ist. Auf der anderen Seite gibt es in Jerusalem die Grabeskirche, in der sechs oder sieben Klöster unterschiedlicher Denominationen untergebracht sind. Eigentlich finde ich so etwas ja faszinierend, gäbe es da nicht eine eigene Polizeiwache, die nur dafür zuständig ist, die Mönche davon abzuhalten, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Ich hatte den irren Impuls, meinen Kopf irgendwo gegen zu schlagen. 

Es waren jetzt ja auch nur ein paar Blitzlichter. Wie gesagt, es ist viel zu viel um alles in einem Artikel unterzubringen. Ich hoffe, ich schaffe es, noch einiges mehr zu bringen. Wenn es dich interessiert. Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass sich bei mir einiges geändert hat. Dass ich als eine andere zurück gekommen bin. Irgendwie.

Hab mir heute Falaffel geholt. Und an Israel gedacht.

4 Gedanken zu “Little Big Planet #hossael18

  1. Kira schreibt:

    Hallöle und willkommen zurück 💙 😃
    Schön, dass Du wieder da bist. Hey, klingt als wäre es eine krasse, coole Reise geworden! So hatte ich mir des vorgestellt. Und ja, mich persönlich interessiert es auf jeden Fall, noch Einiges davon zu hören!
    Und mit Deinem Eindruck aus den Nachrichten, also dem Bild von dem Konflikt, das da vermittelt wird, bist nicht alleine (gewesen). So ähnlich hatte ich des auch immer wahrgenommen. Und, dass es irgendwie total kompliziert ist…
    Dass das Ganze einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat bei Dir (Stichwort: einiges hat sich geändert), finde ich sehr spannend…
    Lg

    Gefällt 1 Person

    • bithya85 schreibt:

      Ja, es war krass und cool… und faszinierend und verwirrend und undefinierbar 😀 Eigentlich kann man es kaum erklären, man muss es erlebt haben. Ich kann eigentlich nur jedem empfehlen, wenn man die Möglichkeit hat, es sich selber anzusehen… mit Leuten, die sich da auskennen.

      Gefällt 1 Person

  2. Annuschka schreibt:

    Hey Bithya,
    das hört sich super an. Vor allem dein letzter Satz.
    Und vielen Dank für die differenzierte Sicht auf dieses widersprüchliche Land.
    Wobei ich fürchte, in vielen anderen Ländern ist es momentan ähnlich, da brauchen wir nur vor unseren eigenen Haustüren schauen.
    Wenn nur mehr Leute bereit wären, so wie du mit Perspektivwechsel hinter die Kulissen zu sehen…
    LG Annuschka

    Gefällt 2 Personen

    • bithya85 schreibt:

      Ja, kann schon sein, dass es woanders ähnlich ist. Hatte mal ne Freundin, die war vom Kopf her eine halbe Japanerin, die konnte da auch jede Menge zu erzählen. Was da über uns gedacht wird und was wir über sie denken und wie es wirklich ist und so weiter und so fort. Finde ich allgemein wahnsinnig spannend, wie so die Fremdwahrnehmung ist und wie die Leute sich selbst sehen.
      LG 🙂

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