Ein anderer Blick auf eine alte Geschichte

Die Geschichte wird in der Regel von den Siegern geschrieben, ist es nicht so? Daran musste ich denken, als ich die Tage die Geschichte von Saul hörte. Der Saul, der oft als der Versager, Feigling und der Ungehorsame abgetan wird. Im Gegensatz zu David, dem so genannten „Mann nach Gottes Herzen“. Schubladisiert von dem „Propheten“ Samuel.

Ich muss ehrlich sagen, seit Sonntag hat sich meine Sicht auf diese drei Personen drastisch verändert. Und das, obwohl die Predigt eigentlich ziemlich klassisch war. Also Samuel gut, Saul schlecht. Vom Prediger her. Aber wenn ich mir Saul ansehe… . Und Samuels Verhalten… .

Triggerwarnung für geistlichen Missbrauch

Angefangen damit, dass ein Jugendlicher (ich nehme an, dass es ein Jugendlicher war, weil er sehr unsicher wirkte, als er sagte, dass er doch nur ein Benjaminit sei und weil er mit einem Knecht losgezogen ist, der wohl auf ihn aufpassen sollte und obwohl es später hieß, er habe einen Sohn im wehrfähigen Alter erinnert mich sein ganzes Auftreten mehr an einen Jugendlichen) schon wochenlang Lügfixnach Eselinnen suchte, mehr oder weniger durch ganz Israel getigert ist und als letzte Möglichkeit bei einem Propheten (ja, Samuel) um Hilfe bitten will. Der sich nebenbei bemerkt auch noch gut dafür bezahlen lässt, dass er Leuten weiterhilft. Und der sorgt dafür, dass er mit dem Jungen alleine ist und stößt ihm einfach an den Kopf, er sei von Gott als König auserwählt und müsse gegen die Feinde Krieg führen. Und dann salbt er ihn einfach. Die Pädagogin in mir schlägt schon Alarm. Aber OK. Gott kann vieles. Vielleicht ist ja doch was dran. Und es scheint sich zu bestätigen, denn im Folgenden macht Saul unglaubliche Erfahrungen mit dem Heiligen Geist… landet in einer charismatischen Gemeinde, redet prophetisch… . Und ist richtig drin, gerät in Ekstase, und jeder, der so eine Zeit gehabt hat weiß, wie sich das auf das Bild von sich und der Welt auswirken kann. Ich hatte es selbst erlebt: Sailor Moon und Tipping Point. Aber die Realität ist trotzdem da. Auch für Jungs aus charismatischen Kreisen. Dann kommen nämlich auch plötzlich die Gedanken: „Was passiert hier eigentlich? Wie soll ich Kleiner ein ganzes Land anführen und gegen riesige Völker kämpfen? Ich habe ja schon Angst, wenn mich zu viele Leute anstarren! Und niemand, den ich kenne sollte König werden! Warum ich? Das kann doch nicht gut gehen! Niemand wird mich ernst nehmen! Und sagen darf ich nichts, weil es dann heißt, ich vertraue Gott nicht oder sei ungehorsam und undankbar!“ Aber wie es heute ab und zu passiert scheint es auch damals gewesen zu sein: Ein „Nein“ wird nicht akzeptiert. Als Saul einfach nicht zur „Krönung“ gekommen ist, wird er hin geschleift und vor aller Augen zum König ausgerufen, egal ob er wollte, konnte oder nicht. Was der Prophet sagt, sagt Gott und Saul, du willst doch wohl nicht Gott widersprechen, oder???? Geistlicher Missbrauch, wie er im Buche steht. Und zwar im 1. Samuel. Nur wird sich gehütet, es so zu nennen. Immerhin scheinen schon da einige Leute geblickt zu haben, dass das nicht gut gehen kann. Wird zwischen zwei Sätzen kurz erwähnt. Aber mehr nicht.

Tja, jedenfalls ist es jetzt passiert. Er ist König und muss liefern. Und hat durchaus Erfolge. Während der alte Samuel sich in einer Abschiedsrede Bestätigung vom Volk holt, dass er ja alles toll gemacht habe, kämpft Saul gegen die Ammoniter und Philister. Während im ersten Krieg noch alles gut lief fingen schon bald die Probleme an. Er wollte sich vor einem Feldzug Rückendeckung von Samuel holen, der nach wie vor als Prophet hoch geachtet war und der ihm auch gesagt hatte, er solle unbedingt auf ihn warten, bevor er etwas tut. In Sauls Lager war die Moral am Boden und Samuel versetzte ihn. Da Saul irgend etwas tun musste, wurde er aktiv. Und als dann doch Samuel sich bequemte, zu erscheinen, machte er Saul auch noch vor allen komplett runter weil er nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag gewartet hat. Natürlich konnte Israel dann nicht militärisch im Vorteil sein, so viel weiß sogar ein Laie wie ich von Krieg. Aber die Schuld wurde alleine Saul zugeschrieben, weil er gehandelt hat, während der liebe Prophet sich alle Zeit der Welt ließ, egal wie sehr die Kacke am dampfen war. Von Selbstkritik keine Spur.

Ok, wahrscheinlich könnte man sagen „Shit happenz“ wenn nicht einige Zeit später Samuel einen noch größeren Patzer gebracht hat, der wiederum Saul in die Schuhe geschoben wurde. Aus heiterem Himmel befahl er in Gottes Namen Saul, einen Völkermord an den Amalekitern zu verüben und dort nichts mehr am Leben zu lassen. Weil vor vielen Generationen mal was passiert ist. Aber Saul tötete nicht alles und jeden. Es gab Überlebende, Menschen wie Tiere. Vielleicht dachte Saul ja zwischendurch an das Gebot „Du sollst nicht töten!“ oder an das weniger bekannte Gebot „Ihr sollt Arbeiter, die ihr für einen Tag beschäftigt noch am selben Abend bezahlen.“ (3. Mose 19,13) Immerhin mussten die Soldaten ja auch bezahlt werden, oder? Ich weiß es nicht. Vielleicht hatte er auch einfach Angst. Aber das hat Samuel so angepisst, dass er Saul im Namen Gottes fast schon verflucht hat. Auch Sauls Entschuldigungen halfen nichts. In einem dramatischen Akt teilte er Saul mit, dass sich Gott von ihm abgewandt hat und seine Berufung einem anderen geben wird, der würdiger sei. (Über Davids „Sündlosigkeit“ brauchen wir hier ja nicht zu reden. Bathseba kennt jeder und das ist noch nicht alles. Aber das würde zu weit führen.)

Danach rückt David schnell in den Blickpunkt der Erzählung. Wie gesagt, die Geschichte wird von den Siegern geschrieben und David war eben erfolgreicher als Saul. Aber ein bisschen erfährt man doch noch von Saul. Dass er völlig abgestürzt ist. Sich davon wohl nie mehr wirklich erholt hat. Schwere psychotische Probleme bekommen hat. Wahnvorstellungen, Panikattacken, Paranoia und das nicht zu knapp. Er brauchte professionelle Hilfe, um wenigstens einigermaßen klar zu kommen. Mein Professor in Ästhetik und Kommunikation hat mal gesagt, David sei der erste Musiktherapeut gewesen. Muss nicht einfach für beide gewesen sein, gerade diese Kombination. Aber hat sich Samuel auch nur einmal entschuldigt? Nicht, dass ich wüsste. Hat er wenigstens einmal Reue gezeigt, das, was er immer wieder von anderen erwartet hat? Ihr dürft mich gerne berichtigen, wenn ich falsch liege, aber ich kann mich an keine Stelle erinnern. Er hat Saul benutzt, ein junger Mann, der für die religiösen Gefühle eines alten Mannes verschleißt wurde und sein Leben lang darunter leiden musste. Und damit nicht genug, noch heute wird er nicht als Opfer gesehen, sondern nur als Feigling, als unfähig und als gottlos.

Vielleicht irre ich mich. Vielleicht aber auch nicht. Ich weiß nur, wen Jesus mehrere tausend Jahre später harsch kritisiert hat. Es waren genau die Leute, die anderen ihre Beziehung zu Gott abgesprochen haben, weil sie nicht so waren, wie sie sie haben wollten. Just saying.

24 Gedanken zu “Ein anderer Blick auf eine alte Geschichte

  1. Kira schreibt:

    Mir hat Saul immer leid getan, wenn ich seine Geschichte gelesen habe. Und wirklich verstanden hatte ich auch nie, was er denn so dermaßen Schlimmes getan hatte, dass er keine Chance bekam… Gerade im Vergleich zu David, der sich ja einige Kracher geleistet hatte und trotzdem immer wieder bestätigt wurde. Hab mir den ganzen Text jetzt nochmal rein gezogen. Es ist schon interessant – Saul wurde König, weil das Volk einen König wollte. Sie hatten Angst und wollten jemanden, an den sie sich halten können. Samuel war ja offenbar ziemlich angefressen davon. In seiner Abschiedsrede hat er das ja den Leuten nochmal so richtig vorgehalten – dass ja von Gott immer wieder Leute geschickt wurden, die ihnen aus der Scheiße halfen („Da sandte der Herr Jerubbaal, Barak, Jeftah und Samuel ! und errettete euch aus der Hand eurer Feinde…“), aber offenbar reicht das ja nicht! Also bitte – hier, euer König! Viel Spaß mit ihm! Und übrigens – Gott ist stinksauer auf euch ! Worum ging es da? Um verletzten Stolz? Weil ER offenbar nicht den Ansprüchen des Volkes genügte? Sie hatten ja immer noch Angst. Trotz allem, was passiert war. Sie wollten einfach Sicherheit. Und anstatt die Not der Menschen zu erkennen und seinen Job zu machen, ihnen Trost zu geben, sie daran zu erinnern, dass Gott ja immer wieder Mittel und Wege gefunden hatte um zu helfen, anstatt einfach klar zu sein…reagiert er ziemlich angepisst und nimmt das alles sehr persönlich. Saul war praktisch ein Bauernopfer für Samuels Stolz. Und dementsprechend hat er ihn voll auflaufen lassen. Ihn in eine Rolle gezwungen, die dieser gar nicht wollte, mit der er ziemlich überfordert war. Und es dann regelrecht darauf ankommen lassen, dass Saul „Fehler“ macht – nur um ihm das dann gleich rein zu drücken. Vor allen Leuten. So nach dem Motto – das habt ihr jetzt davon!
    Ja, Saul ist eine tragische Gestalt. Nicht wegen seiner angeblichen Schwächen, sondern weil er erstens überhaupt keine Hilfe bekam (im Gegenteil), und zweitens – weil er anders war. Seine Menschlichkeit (im positiven Sinne) schimmert immer wieder durch, auch wenn sich der Text Mühe gibt, ihn in ein schlechtes Licht zu rücken. Zum Beispiel, als nach einem seiner Siege die aufgeheizte Menge zu Samuel kommt und von ihm verlangt, dass die, die anfangs an Saul gezweifelt haben, vorgeführt und getötet werden. Saul ist derjenige, der ein Machtwort spricht – niemand stirbt heute. Schluss jetzt!
    Samuel steht für mich für jemanden, der in seiner Rolle als Gottes Sprachrohr jegliche Bodenhaftung verloren hat. Es geht ihm nicht mehr um seine eigentliche Aufgabe, sondern um den Erhalt seiner Macht. Und als die Ängste der Menschen an seiner Eitelkeit kratzen, fühlt er sich bedroht und wird aggressiv. Und Saul – jemand, der von Anfang an nur verlieren konnte. Der im Schatten des übermächtigen Samuel in eine Position gedrängt wird, die ihm eigentlich drei Nummern zu groß ist. Dem es trotz dessen gelingt, etwas daraus zu machen – und der, vielleicht auch gerade wegen seiner anfänglichen Erfolge, von Samuel bei der erstbesten Gelegenheit erfolgreich demontiert wird. Im Grunde ziemlich traurig das Ganze…

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  2. Kira schreibt:

    Wenn man die Bibel als inspiriertes Wort Gottes liest, nimmt man Saul ja oft schon von vorneherein als jemanden wahr, der es verbockt hat. Und die Interpretation der Geschichte zielt nur darauf ab, zu verstehen, worin sein Versagen besteht. In etwa so – Gott spricht durch die Bibel. Die Bibel berichtet, dass Saul von Gott verworfen wurde. Also geht es darum, herauszufinden, was Saul falsch gemacht hat. Um für das eigene Verhalten die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Und so wird es gepredigt. Mich hat das nachdenklich gemacht. Vor allem in Hinblick auf die Konsequenzen, die das nach sich zieht, wenn man das ernst nimmt. Stelle nie ein Gotteswort in Frage. Tust du es doch, bekommst du echte Probleme. (Zum Beispiel). Was ich mich frage ist: was macht man mit der Bibel. Sie als Wort Gottes zu lesen ist…nun ja, auf jeden Fall bedenklich. Wenn nicht gar gefährlich. Die Moral, die darin häufig (nicht immer) propagiert wird, ist sehr suspekt. Sieht man schön an dieser Geschichte. Saul, der das Opfer ist, wird zum Täter gemacht. In den menschenfreundlichsten Auslegungen wird er zumindest als Opfer seiner Depressionen dargestellt. (Leider nur um dann wieder die Kurve zu kriegen und die als Resultat seines mangelnden Vertrauens in Gott zu deklarieren). Also, was macht man mit diesem Buch. Ich kann sie heute relativ frei lesen, weil sie im Zuge meiner atheistischen Ausbruchsphase jegliche Bedeutung für mich verloren hatte…und all zu viel hat sich nicht daran geändert. Ja, Jesus ist ein Argument. Aber sein Reden und Handeln steht oft in völligem Gegensatz zu den meisten anderen Dingen darin. Und dann frage ich mich schon, welche Rolle die spielen.

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    • bithya85 schreibt:

      Aber Jesus muss irgendwie mit dem Rest zusammen passen. Und ich bin mir sicher, dass es das auch tut, irgendwie. Ich weiß nur noch nicht genau, wie. Im Einzelnen, meine ich. Aber vielleicht ist grade diese Geschichte ein Beispiel dafür. Denn wie gesagt: Wen und was hat Jesus immer kritisiert? Die geistlichen Leiter, die ihre Macht missbrauchen. Und was passiert in der Geschichte hier: Ein junger Mann wird geistlich missbraucht und man sieht sehr schön die Folgen, die das hat. Also könnte man vielleicht mit dieser Geschichte Jesus belegen: Jesus sagt: Du sollst nicht geistlich missbrauchen! und wenn man einen Grund dafür wissen will (falls das überhaupt jemand nicht weiß) kann man diese Geschichte anbringen.
      Naja, KÖNNTE man, wenn nicht schon jeder diese Interpretation verinnerlicht hätte, dass Saul der Böse und Samuel der Gute ist, einfach weil Samuel sich erdreistet, im Namen Gottes so zu reden. Die Lauten werden halt gehört, hm? 😦

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      • Strandläufer schreibt:

        „Naja, KÖNNTE man, wenn nicht schon jeder diese Interpretation verinnerlicht hätte..“

        Nicht so pessimistisch! 😉 Einfach weiterschreiben. 🙂 Bestechender Logik kann man sich nicht entziehen, egal wie tief etwas verinnerlicht ist. Mit der Wahrheit führt man in die Freiheit, die meisten begrüßen das, aber man muss ihnen Zeit geben, Schritt zu halten.

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      • Kira schreibt:

        „Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin, und sie ist’s, die von mir zeugt.“ Ist mir dazu eingefallen, dass Du sagst, Jesus muss mit dem Rest irgendwie zusammen passen. Vielleicht macht es Sinn, wie manche sagen, dass man die Bibel von Jesus her lesen sollte. Deine Interpretation wäre ja ein Beispiel dafür, wie man es angehen könnte… Ich glaube, ich werde es echt mal probieren. Sie neu zu lesen. Finde des mega spannend. Hab den Schinken wirklich jahrelang von A bis Z studiert, ohne da durchzusteigen. 80% davon waren für mich einfach nur eine Qual. Ironischerweise hilft mir das ungemein, sie jetzt unter einem anderen Gesichtspunkt zu interpretieren…

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      • bithya85 schreibt:

        Zumindest weißt du, was du NICHT mehr willst, hm?
        Auslegungsentscheidungen treffen ja alle, die irgendwas mit der Bibel zu tun haben. Es kann mir keiner mehr sagen, er lese einfach nur das, was in der Bibel steht. Jeder nimmt die Stelle X wichtiger als die Stelle Y und ignoriert die Stelle Z komplett und liest in Stelle X plötzlich etwas rein, was gegen Y spricht und und und…. Kennst doch sicher diese Story, dass der Teufel ein gefallener Engel ist. Mit welcher Stelle wird das begründet? Mit dem Fall von König Kyros, oder irgend einem anderen Großkönig. Problem: Der Typ war ein Mensch und kein Geistwesen. Trotzdem wird diese Stelle heran gezogen. Hab nie wirklich kapiert, wie man darauf kommt.

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      • Kira schreibt:

        „Zumindest weißt du was du NICHT mehr willst, hm?“
        Korrekt 🙂
        Ja, natürlich hast Du recht damit – Auslegungsentscheidungen treffen alle. Die, die ich jetzt treffe, sind andere als damals. Sie können genauso daneben gehen. Ich wollte nicht zum Ausdruck bringen, dass ich jetzt die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, wenn ich die Dinge jetzt neu bewerte. Wenn ich das getan habe, dann tut es mir leid…war echt nicht gewollt. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass ich sie entspannter angehen kann, weil ich sie nicht mehr zwingend so interpretieren muss, wie ich es damals glaubte, tun zu müssen und mich wirklich gestresst habe damit. Dass ich das damals so gelesen habe, hängt damit zusammen, wie ich gedacht und Dinge grundsätzlich bewertet habe. Heute denke ich in vielem anders – und lese mit meiner persönlichen Brille eben entsprechend andere Sachen hinein. Es war damals subjektiv und ist es heute ebenso. Und sicher mache ich es mir leicht damit. Und werde dem Ganzen damit vielleicht überhaupt nicht gerecht.

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      • Strandläufer schreibt:

        “ Und werde dem Ganzen damit vielleicht überhaupt nicht gerecht. “

        Auf jeden Fall gerechter als sie wortwörtlich zu nehmen.

        “ Ich wollte nicht zum Ausdruck bringen, dass ich jetzt die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, wenn ich die Dinge jetzt neu bewerte. Wenn ich das getan habe, dann tut es mir leid… “

        Kann ja nur für mich sprechen, aber auf mich wirkst Du nicht so und Bithya auch nicht und dass ich manchmal so wirke, stört mich nicht – wer hat, der hat. 😉 🙃

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      • bithya85 schreibt:

        Ich habs auch nicht so verstanden, dass du jetzt glaubst alles zu wissen 😀 War nur ne Seitenschelle an dieses arrogant-ahnungslose bibeltreue Was-weiß-ich 😀 weißt schon, wo man eben doch denkt, alles zu wissen aber eigentlich keine Ahnung hat. Der Unterschied ist, dass du heute weißt, dass du subjektiv liest. Ein ziemlicher Vorteil.

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      • Kira schreibt:

        Hab nochmal darüber nachgedacht. Vielleicht bin ich wirklich davon ausgegangen, die Dinge irgendwie „klarer“ zu sehen, es quasi unverfälscht zu lesen… Weil das Gedankengebäude, das mir meine damaligen Interpretationen geliefert hat, in der Form nicht mehr existiert. Aber so zu denken ist ziemlich arrogant…und ignoriert völlig, dass ich ja nun ein ANDERES Gedankengebäude verinnerlicht habe..,das eben meiner jetzigen Situation entspricht. Ich glaube, das hab ich nicht wirklich bewusst gehabt.
        Ich hab die Bibel nie verstanden. Sie hat mir damals ein Gottesbild vermittelt, mit dem ich nicht zurecht gekommen bin. Die Geschichte von Saul ist ein schönes Beispiel dafür. Dann hab ich sie schließlich grundsätzlich abgelehnt und den Gott, den ich darin zu sehen glaubte, gleich mit. Dann hat sich mein Bild von Gott verändert…und jetzt mache ich nichts anderes, als den Versuch, mir mit der Bibel eben dieses Bild, was ich jetzt habe, zu bestätigen. Und hoffe ehrlich gesagt, dass ich mit diesem Bild nicht völlig daneben liege. Also nein – ich lese definitiv nicht nur das, was darin steht. Ich lege aus, wie es für mich gerade passt… Und ich hoffe ebenso, dass ich nicht irgendwann anfange, daraus ein Dogma für andere zu machen. Das wär echt scheiße. Ich werd n bisschen auf die Bremse treten. Wollte das nur noch los werden, weils mich jetzt schon beschäftigt hat…Ich hab keinen Plan von dem ganzen Zeug, was da steht. Wirklich nicht.
        In diesem Sinne –
        lg
        Kira

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      • bithya85 schreibt:

        Ich hab auch keinen Plan, Kira. Das ist mein Dilemma 😦 Ich möchte es verstehen, und merke, ich kann es nicht. Hab zu wenig Hintergrundwissen, weiß zu wenig über die Kultur damals, über die Sprache und überhaupt über alles. Ach, wir sind doch ein paar arme Socken, was? 😉

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      • Strandläufer schreibt:

        Ständig dieses Understatement, 😉 bitte aufhören damit. Planlos sind wir doch alle! Ich kenne keinen einzigen Gelehrten, Theologen, Bibelkundler, Kritiker der die Bibel abschließend verstanden hat bzw. versteht. Wenn wir dem auf die Spur kommen was falsch und auch geistig krankmachend ist, an vermitteltem Bibel/glauben, dann ist das: „Erkenntnis“, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir haben Jahre darüber gejammert dass wir im Dunkeln tappen und jetzt wo uns ein Licht nach dem anderen aufgeht zu behaupten wir sehen immer noch nicht, ist keine zutreffende Zustandsbeschreibung. Wir sehen noch nicht das Gesamtbild, aber Stück für Stück erkennen wir mehr. Also mehr sehen zu wollen ist gut und es beginnt doch schon.

        Für mich ist das eine spannende Zeit in der wir leben, so vieles wird umgekrempelt, nicht nur geistlich. Wir kommen nicht mehr drum herum wahrzunehmen wie viel schief läuft und auf der anderen Seite kommen Lösungen die so genial wie simpel sind, aber unterdrückt werden. Aus Erfahrung wissen wir aber dass man nichts auf Dauer unterdrücken kann, dann kocht es über, der Deckel fliegt weg und endlich kommt raus was raus soll.

        Und ja, das passt zusammen mit Jesus, überzeugte Behauptung, in Worte fassen kann ich es auch noch nicht.

        Liest sich wieder wie Schimpfen und ja in mir ist da auch etwas dass sich in dieser Richtung regt, aber liebevoll 🤗, so in der Art: „Jetzt glaubt’s mir halt mal, dass ich das ich bin, der das wirkt.“ 😉

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      • bithya85 schreibt:

        „Jetzt glaubt’s mir halt mal, dass ich das ich bin, der das wirkt.“ 😉
        Was denn, DU wirkst das, Ines? 😀 😀 😀
        Oder wenn du Gott meinst: Klar glaube ich ihm das. Aber trotzdem weiß ich so gut wie nichts. Möglicherweise mehr als vor 5 Jahren, aber das ändert nichts an der Tatsache.

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      • Strandläufer schreibt:

        @ Bithya – „Was denn, DU wirkst das, Ines?“
        🤣😂 Könnte ja jetzt reflexartig Bescheidenheit vortäuschen.. 😜, aber das würde mir keiner abkaufen.😉

        „Aber trotzdem weiß ich so gut wie nichts.“

        Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. Matth. 5,3 😇

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  3. Annuschka schreibt:

    Ich hoffe, der Kommentar kommt jetzt nicht doppelt, mein PC hat sich gerade beim Einloggen verschluckt…
    Trotz allem empfinde ich es als tröstlich, so eine Geschichte in der Bibel lesen zu können. Klingt vielleicht verworren, aber es zeigt, dass auch damals nicht alles richtig lief. Dass Menschen mit allen menschlichen Fehlern an der Geschichte, die Gott mit der Menschheit schreibt, beteiligt waren und noch sind. Total aktuelle Sache also. Ich versuche mal, später nach der Arbeit mein Gedankenknäuel zu enttüddeln…
    Liebe Grüße, Anja

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    • bithya85 schreibt:

      Hey Anja 🙂 Ja, ich sehe das genau so. Wollte auch nicht den Eindruck erwecken, dass ich sie streichen will. Im Gegenteil, ich bin froh, dass sie uns mitgeteilt wurde, so ist eben das Leben. Was mich nur stört ist, dass sie oft nur auf eine Art gedeutet wird, dass eben Saul schlecht wäre. (Jedenfalls ist das die Interpretation, die ich kenne und die ich kritisiere, jedenfalls als die Alleinige.)
      Ich bin echt schon gespannt auf deine Gedanken 🙂

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    • Strandläufer schreibt:

      Hallo Anja, mir geht es inzwischen ähnlich, aber das war ein langer Weg und ich gehe ihn noch. Ich glaube nicht dass die Bibel letztlich das Problem ist, sondern das was wir Menschen daraus gemacht haben, die Schlussfolgerungen die wir daraus ziehen, den Stellenwert den sie eingenommen oder verloren hat. Die Bibel ist für mich ein Hilfsmittel, aber nicht der Weg. Sie kann mir helfen, aber sie kann auch schaden, wenn sie missbraucht oder falsch verstanden wird.

      Wir sind zumindest geistlich mit vielem aufgewachsen was falsch ist und nun lernen wir neu wie es gemeint sein könnte. Es ist wie mit alten Verhaltensmuster, wenn man die bewusst ablegen möchte, dann ist das erst mal ein innerer Kampf und fordert uns heraus, konzentriert zu bleiben, nicht in alte Denkmuster zurück zu fallen. In dieser Zeit ist man verwundbarer, weil das Neue noch keine tiefe Wurzeln hat, gleichzeitig muss man andere Wurzeln heraus ziehen, die einem ein Stück weit auch Halt gegeben hatten.

      Heute finde ich es auch gut dass es diese Geschichten gibt, weil ich einen anderen Blickwinkel dazu gefunden habe, aber lange Jahre habe ich an der scheinbaren Widersprüchlichkeit gelitten. Schön, dass sich das immer mehr auflöst. Ich glaube Gott mutet uns viel mehr eigenständiges Denken zu als uns manchmal lieb ist, meine Verantwortung, deine Verantwortung. 🙂

      Will ja kein Druck aufbauen, aber freue mich auch auf die Ent/wicklung Deines Knäuel. 😉

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