Bibel und Genozide, Fibonacci und #MilchistGift

Wer mich kennt weiß, dass ich manchmal gewagte Thesen aufstelle. Frei nach dem Motto „Das Unmögliche denken um das Mögliche herauszufinden.“ Mit Sicherheit ist einiges davon kompletter Humbug und hoffentlich grade mal lustig zu lesen. Aber vielleicht ist das eine oder andere doch in gewisser Weise logisch.

FibonacciIch weiß nicht, ob du die Fibonacci-Folge kennst. Ist ne mathematische Reihe, die irgendwie immer wieder in der Natur auftaucht. Keiner weiß genau, warum, nur, dass es so ist. Das erste mal wurde sie von einem Typen (spitz-)namens Fibonacci entdeckt, als er sich Gedanken um die Fortpflanzung von Hasen machte, daher der Name. Google weiß mehr 😉 Alles, was hier wichtig ist, ist die Tatsache, dass, wenn man die ersten Zahlen kennt, man das Muster heraus lesen kann und die Reihe theoretisch bis ins Unendliche fortsetzen kann:

0 1 1 2 3 5 8 13 21 34 …

Welche Zahl kommt wohl als Nächstes? Richtig: Die 55. Die Summe der letzten beiden Zahlen bildet die Folgende. Man braucht nur einen Anfangspunkt mit den ersten beiden Zahlen und wenn man das Gesetz dahinter versteht, weiß man auch, wie es logisch weiter gehen muss. Eigentlich ist es ganz einfach, denn der nächste Schritt ist nur das Vorherige weiter gedacht.

Sind wir hier bei Mathe-Nachhilfe? Was hat das alles mit dem Glauben zu tun?

Das, meine lieben Leute werde ich mal zeigen:

Situation 1: Im Garten Eden essen zwei Typies eine Frucht und obwohl die Nachfahren diese Frucht nie gesehen hatten, geschweige denn gegessen, scheint ihr Erbgut im Eimer zu sein… Mit gefangen, mit gehangen. Galt als Gottes Wille.

Situation 2: Im ersten Buch der Bibel, erster Mose, gibt es die Erzählung von der Flut. Alles auf der Erde sollte sterben, weil die Menschen böse waren. (ALLES sollte sterben, Menschen, die böse waren, die Tiere und Pflanzen, die nichts dafür konnten. Galt als Gottes Wille) Aber mit einer Ausnahme, Noah, der als gerecht gilt. Zu dem hat Gott gesagt:

„Doch mit dir schließe ich einen Bund und du sollst, zusammen mit deiner Frau, deinen Söhnen und deren Frauen, in das Schiff gehen.“

Also nicht nur der gerechte Noah sollte gerettet werden, sondern auch seine Familie im weitesten Sinne, die nicht ausdrücklich als gerecht dargestellt wurden. Einer tritt für alle ein und die anderen stehen für ihn ein. Und mit gefangen, mit gehangen. Trifft es einen, trifft es alle, die irgendwie mit ihm zu tun hatten. Galt als Gottes Wille.)

Situation 3: 2. Mose, Auszug aus Ägypten, die 10. Plage. Alle ägyptischen Erstgeburten sollten sterben. Weil der ägyptische König eine Trotzphase hatte. Nicht nur der Thronfolger sollte sterben (der BTW auch wahrscheinlich unschuldig war), auch die Kids der Bevölkerung und jede Menge Tiere. Eine Kollektivstrafe für ganz Ägypten, weil eine Person schlecht drauf war. (Galt als Gottes Wille)

(Kleiner Einschnitt: Das Denken war zu der Zeit nicht untypisch: Blutrache war normal, lieber einmal zu viel gekillt als einmal zu viel den Schwanz eingezogen, denn das wäre ja peinlich. Es galt: Wenn du mich schief anschaust, brech ich dir sämtliche Knochen. Und deiner Mutter gleich mit! Wenn du mich haust, dann bring ich dich um und deine Kinder! Und wenn du mein Kind umbringst, dann bring ich deine ganze Stadt um!!! Vielleicht das als kleine Verteidigung von diesen Brutalitäten. Kleiner Filmtip dazu: The Red Tent auf Netflix.)

So, und jetzt: Situation 4: Israel in der Wüste bekommt das Gesetz. Und darin steht unter Anderem:

Schaden um Schaden, Auge um Auge, Zahn um Zahn; wie er einen Menschen verletzt hat, so soll man ihm auch tun. (3. Mose 24,20)

Jetzt heißt es auf einmal nicht mehr „Wenn du mich nicht grüßt, bring ich dich um!“, sondern: „Fügt dem anderen nicht mehr Schaden zu als er euch zugefügt hat. Übertreibt es nicht.“ Es gibt eine Grenze für die Rache. Wo vorher das Gesetz des Stärkeren und der Sippe herrschte, wird dem nun Einhalt geboten. (Galt als Gottes Wille, vielleicht als Gottes letzte Offenbarung zu dieser Zeit?)

Situation 5: Jeremia und Hesekiel. Beide sprechen ein damals beliebtes Sprichwort an: „Die Väter haben saure Trauben gegessen und den Kindern werden die Zähne davon stumpf.“ (Jeremia 31,29 und Hesekiel 18,2) Damit wollte man in etwa sagen, dass Schuld vererbt wird, also wenn die Eltern Scheiße gebaut haben, müssen die Kinder dafür grade stehen. Ähnlich wie in den 10 Geboten:

Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

Siehe Adam und Eva: Vorfahren bauen Scheiße, Nachfahren müssen es auslöffeln. Und was wird dazu gesagt?

Zu derselben Zeit wird man nicht mehr sagen: »Die Väter haben saure Trauben gegessen und den Kindern werden die Zähne stumpf«, sondern ein jeder wird um seiner eigenen Schuld willen sterben, und wer saure Trauben isst, dem werden die Zähne stumpf. (Jeremia 31,29-30)

Also keine Vererbung der Schuld mehr. (Und ja, ich KENNE Epigenetik, wo du mit Sicherheit schon mal daran gedacht hast, wenn du aus gewissen Kreisen kommst. Aber darum geht es nicht, sondern um eine individuelle Schuld vor Gott.) Gottes früherer Wille wurde relativiert, nun scheint Gott etwas Neues zu wollen.

Situation 6: Jetzt kommt Jesus. Und ich glaube, du weißt, auf welche Stelle ich hinaus will. Ich muss sie auch gar nicht genau zitieren, weil sie so bekannt ist, dass sie wirklich jeder kennt. „Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen.“ Keine Rache mehr. Keine Vergeltung mehr. Sondern Liebe und Hilfe. Die Konsequenzen für Fehlverhalten Gott überlassen. Scheinbar will Gott jetzt wieder etwas Neues? Eine neue Revolution der Liebe.

Soweit die Fibonacci-Folge in der Bibel. Hast du sie erkannt? Von „Eine Kleinigkeit führt zu einem weltweiten thermonuklearen Krieg“ über „Jeder ist für sein Verhalten verantwortlich.“ zu „Liebt einander, unabhängig vom Verhalten.“

Und vielleicht, nur vielleicht ist es mit dem Wissen aus der Bibel möglich, diese Folge weiter zu führen? Wenn Jesus in der damaligen Situation gesagt hat „Liebt eure Feinde!“, was ja schon an sich ein ganz schöner Knall war, aber noch viel mehr wenn man daran denkt, dass die Leute damals in einer Diktatur der Besatzungsmacht lebten, was wird er uns dann heute sagen? Könnte es möglicherweise etwas damit zu tun haben…

  • dass wir mit unseren Mitgeschöpfen gut umgehen sollten (Stichwort Massentierhaltung, Tiere als nichts Anderes als Konsumgüter, wahrscheinlich ohne Gefühle und Schmerzempfinden)
  • dass wir uns gut überlegen sollten, wie weit wir technisch gehen (Stichwort KI, Singularität und den daraus folgenden ethischen Fragen, außerdem: embryonale Forschung, Klonen und den daraus folgenden ethischen Fragen)
  • dass Gott uns seine Welt geschenkt hat, die Schöpfung, und dass wir mit ihr gut umgehen sollen (Ich glaube, die Stichworte kann man sich hier schenken, die kennt nun wirklich JEDER!)
  • dass unser Nächster heute nicht mehr nur unser Nachbar und/oder bester Freund ist, sondern auch das 8-jährige Kind aus Indien, das mein Shirt für einen Hungerlohn genäht hat und die verdurstenden Menschen, denen eine gewisse Firma den Zugang zu Trinkwasser verweigert, um es selbst in Flaschen abgefüllt hier teuer zu verkaufen.

Just saying. Mal sehen, ob jetzt der große Shitstorm los geht.

9 Gedanken zu “Bibel und Genozide, Fibonacci und #MilchistGift

  1. Kira schreibt:

    Ist ein interessanter Gedanke…Dass die Vorstellungen von Gott, bzw. seinem Willen im AT und NT ziemlich konträr sind, merkt man ja schnell. Aber da eine Entwicklung auszumachen, auf der Grundlage der Fibonacci – Formel…hat was. Ich weiß nicht, ob und inwieweit das „kompletter Humbug“ ist. Kann ich nicht beurteilen. Das Muster ist jedenfalls erkennbar. Und die Konsequenzen, die man daraus ziehen kann, haben eine gewisse Logik. Die Vorstellungen, wie Gottes Wille zu interpretieren sei, immer auch im Kontext der jeweiligen Gesellschaft zu betrachten, in der sie entstanden sind – macht Sinn. Kann ja gar nicht unabhängig davon geschehen. Heute genauso wie damals.
    Und in dem Zusammenhang zu überlegen, wie es hier und heute weiter geht…quasi Teil einer Entwicklung zu sein…sich zu fragen, wie die nächste Zahl wohl aussehen kann/mag/sollte… (bis wir dann bei der 42 ankommen, die ja bekanntlich die Antwort auf alles ist 😁)…
    ist auf jeden Fall spannend.
    lg

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    • bithya85 schreibt:

      Stimmt, ich hab die Folge zu weit gedacht, bei 42 ist natürlich Schluss 😀
      Aber dieser Gedanke mit der Entwicklung habe ich in letzter Zeit öfter gehört, zumindest ansatzweise und dachte, klingt so gut, warum nicht mal darüber schreiben? Danke, freut mich, dass du damit was anfangen kannst.

      Gefällt 1 Person

  2. Strandläufer schreibt:

    Kennst Du Gerald Hüther? http://www.gerald-huether.de/

    Von ihm stammt der Satz:

    „Die Liebe bewahrt offenbar die Kraft in sich, ungünstige Beziehungserfahrungen zu transformieren und versiegte Quellen der Kreativität neu zu erschließen.“

    Ein Spiegel-Beitrag: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-52485453.html

    Und eine Initiative: https://www.wuerdekompass.de/

    Ich schätze seine Arbeit und Ausführungen sehr.

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  3. Strandläufer schreibt:

    P. S.: Habe Dir eine Antwort mit drei Links geschickt, weshalb sie aus Sicherheitsgründen von Dir manuell freigeschaltet werden muss. Hatte ich vergessen, dass das aus Spamschutzgründen oft so ist, deshalb nur zur Erinnerung. 😉

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