Esmeraldas Gebet – 2 weniger bekannte Versionen

iuGJIAVPDA.jpgIm Disneyfilm „Der Glöckner von Notre Dame“ gibt es eine Szene, in der Esmeralda in der Kirche Zuflucht sucht. Da betet sie auch in der deutschen Disney-Version das Lied Gott deine Kinder. Aber es gibt mindestens noch zwei andere Versionen, die zwar unbekannter sind, aber ich eigentlich noch schöner und treffender finde:

1. Version: „Hilf den Verstoßenen“

Esmeralda:

„Ich weiß nicht, ob du mich hören kannst. Wenn ja, kommt es drauf an,
ob auch ein Zigeunermädchen zu dir beten kann.
Ja, ich weiß, dass ich verfehmt bin, die Welt verachtet mich.
Doch ich seh dich an und fühle: Einst warst du verfehmt wie ich.

Hilf den Verstoßenen, du siehst in ihr Herz.
Niemand sonst fühlt und versteht ihren Schmerz.
Sieh die Verstoßenen im Schatten des Lichts.
Schütz die Verfehmten, denn sonst schützt sie nichts.“

Beter:

„Ich bitt um Ruhm. Ich bitt um Macht.
Ich bitt um Ehre und Ansehen und Pracht.
Um Liebesglück auf jedem Weg.
Ich bitt dich, Gott, meine Werke zu segnen!“

Esmeralda:

„Ich bitt um gar nichts, ich komm zurecht.
Doch so vielen anderen geht’s schlimmer als schlecht.
Schütz meine Freunde vor Elend und Spott.
Wir sind doch alle Kinder von Gott!

Schütz die Verstoßenen, hilf den Verstoßenen,
den Kindern von Gott!“

2. Version: (englisch) Someday

(Soweit ich weiß kommt dieses Lied in einigen Musicals vor. Es gibt auch eine deutsche Version, aber die finde ich nicht so schön.)

I don’t know if you can hear me or if you’re even there.
I don’t know if you would listen to a gipsy’s prayer.
In your house of peace and beauty I don’t know, what to say.
Exept to ask, that peace and beauty may come to us again, someday.

Someday,
when we are wiser.
when the world’s older.
When we have learned.
I pray, someday we may jet life to life and let life.
Someday live will be fairer.
Need will be rarer.
Greed will not pay.
God speak this bright millenium on ist way.
Let it come, someday.

Someday
Our fight will be won then
We’ll stand in the sun then
That bright afternoon
Till then
On days when the sun is gone
We’ll hang on
Wish upon the moon

There are some days dark and bitter
Seems we haven’t got a prayer
But a prayer for someday better
Is the one thing we all share

Change will come
One day
Someday
Soon.

Was ich an den beiden Versionen schöner finde? Naja, vielleicht ist es Geschmackssache. Oder Typsache.

Ich mag die erste Version, also „Hilf den Verstoßenen“, weil ich mich einfach irgendwo mit ihrer Leidenschaft identifizieren kann, die sie für die hat, die aus der Gemeinschaft ausgestoßen sind: Sie selbst kommt klar, aber sie kennt viele Leute, ihre Freunde, die eben nicht klar kommen und unter der Verachtung, die ihnen begegnet, und dem Verurteilt-sein, schier kaputt gehen. Ich könnte weinen, wenn ich das höre, weil ich sofort Menschen vor Augen habe, die – übertragen auf den christlichen Kontext – genau das erlebt haben oder noch erleben. Denen gesagt wird, wie falsch sie sind, und die das durch labeling approach auch noch selbst glauben. Erst vor wenigen Tagen war ich mit einer Freundin zu Besuch in unserer gemeinsamen ehemaligen Gemeinde, wo ziemlich schnell ziemlich klar wurde, dass wir nicht mehr erwünscht sind. Im ernst, ich selbst bin ziemlich entspannt darüber, jedenfalls für mich. Aber meine Freundin hat das Ganze doch ziemlich mitgenommen und die Gleichgültigkeit und emotionale Kälte, die wir wahrgenommen haben hat sie doch ziemlich verletzt. Und es geht noch krasser: Eine andere frühere Freundin ist noch in dieser Szene und ihr wird, soweit ich weiß, noch immer gesagt, dass sie eigentlich falsch ist und anders zu sein hat, aber sie hat da keinen Abstand und ist der festen Überzeugung, die Leute hätten recht und wollten ihr helfen. Ich selbst kann ihr nicht mehr helfen, denn sie möchte aus irgend einem Grund keinen Kontakt mehr zu mir. Vielleicht hat man sie vor mir gewarnt. „Gott, hilf den Verstoßenen, denen, die noch im System sind und denen, die nicht mehr im System sind.“

Und „Someday“? Die Erkenntnis, dass so viel Unrecht geschieht und dass wir selbst das nicht unter Kontrolle bekommen können. Dass wir uns gegenseitig fertig machen, wo wir uns doch eigentlich unterstützen sollten. Dass es scheinbar mehr bringt, Güter anzusammeln und nichts abzugeben als zu teilen und nachhaltig zu leben und auch mal auf andere zu schauen, nicht nur auf sich selbst. Wir bekommen das aus irgend einem Grund nicht gebacken. Eine beinahe schon höllische Tortur, die das Ganze nach sich zieht. Und auch wenn man versucht, etwas zu ändern, ist es nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein und ob man es versucht, oder in China fällt ein Sack Reis um scheint auf dasselbe hinauszulaufen. Wen juckt’s? Und ich weiß nicht, was schmerzhafter ist: Die Erkenntnis, dass die Welt zu einem großen Teil so zugeht, die Erkenntnis, dass man selbst Teil dieses Systems ist oder die Erkenntnis, dass man nichts ändern kann. Aber dann die Hoffnung, dass es irgendwann doch anders wird, dass irgendwann Friede herrschen wird und der Glaube, dass Gott größer ist als der ganze Hass, der ganze Neid, der ganze Kapitalismus, der ganze Egoismus, das Machtgehabe und die narzisstischen Manipulationen, das lässt einen nicht verzweifeln. Dass Esmeralda darum betet, dass eines Tages, vielleicht schon bald, es fairer zugehen wird und die Menschheit aus ihren Fehlern gelernt haben wird. Dass es eines Tages, vielleicht schon bald, eine Veränderung geben wird. Irgendwie gibt das Hoffnung. Finde ich. Vielleicht auch für meine beiden Freunde, von denen ich oben geschrieben habe. Und für all diejenigen, für die sie stellvertretend stehen. Für die, die in Gemeinden nicht mehr erwünscht sind, weil sie anders denken und fühlen. Die die unangenehmen Wahrheiten in fundamentalistischen Kreisen erkennen und benennen und dadurch zu Unpersonen werden oder die es nicht mehr schaffen, das gut zu finden, was unreflektierte Machtmenschen gut finden und in so starke Dissoziationen geraten dass sie irgendwann nicht mehr wissen, wo oben und unten ist.

Change will come. One day. Someday. Soon.

Hier übrigens noch Beispiele für die Lieder auf Youtube: Hilf den Verstoßenen und Someday

3 Gedanken zu “Esmeraldas Gebet – 2 weniger bekannte Versionen

  1. Kira schreibt:

    Finde die englische Version sehr schön…Vielleicht ist es ja naiv, darauf zu hoffen. Aber es hilft halt, nicht an all dem Elend zu verzweifeln. Nicht am eigenen und nicht an dem, mit dem man täglich konfrontiert wird. Woran man so wenig bis gar nichts ändern kann. Und trotzdem…Solange Hoffnung da ist, besteht kein Grund, zu resignieren.
    Das mit Deiner einen Freundin ist schon krass übel. Die, die den Kontakt abgebrochen hat. Das macht so hilflos… und verletzt einen selbst ja auch ungemein. Ich hoffe für Euch beide, dass sie irgendwann, irgendwie, wach wird. Und sich bei Dir rührt. Glaube auch irgendwie daran, keine Ahnung, einfach ganz privat aus meinem dicken Wanst heraus. In diesem Sinne, alles Liebe 💙

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    • bithya85 schreibt:

      Danke, Kira. Ist irgendwie genau, was ich denke. Es erscheint einem selbst so naiv, aber ich will trotzdem hoffen, so lange und so stark ich kann. Schon alleine, weil es mich vor dem Verzweifeln bewahrt. Und ich mir dann vorstellen kann, wie es in einer Welt aussehen könnte, wenn… .
      Und danke für’s mitglauben. Ich befürchte wirklich, dass sie vor Leuten wie mir gewarnt wurde, und sie war, als wir mehr Kontakt hatten schon so, dass sie so verzweifeln versucht hat, richtig zu sein, dass sie ziemlich alles gemacht hätte, was man ihr sagte. Da war mein „Entspann dich, du BIST schon richtig!“ nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
      Fühl dich lieb gedrückt ❤

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