Gott: „Ich fühle mich missbraucht!“

iurhuiLetzten Monat war ich bei einer Gottesbildaufstellung. Hat ähnlich funktioniert wie eine Familienaufstellung. Für die, die das nicht kennen mal kurz: Manchmal kommt man in der eigenen Familie überhaupt nicht klar, ohne dass es einen offensichtlichen Grund dafür gibt. Dann kann es helfen, wenn (unter professioneller Anleitung) Stellvertreter zu einem symbolischen Bild der Familie aufgestellt werden und die sich dann über ihre Position unterhalten. So können Dynamiken offen gelegt werden, die für den Betroffenen und die Familie komplett verborgen waren.

Das wurde da versucht, auf die Beziehung zwischen Gott und einem Klienten anzuwenden. In dem Fall: Bei mir, ich hab mich aufstellen lassen und es war sehr interessant. Ich hatte ein konkretes Problem, das ich bearbeiten wollte, habe mir für mich einen Stellvertreter gesucht und einen für Gott und noch einen Dritten, der eine bestimmte Personengruppe repräsentiert. Ich habe sie im Raum aufgestellt, und sie haben angefangen, sich darüber zu unterhalten, wie es ihnen in ihren Rollen in der Position, in der ich sie gestellt habe, geht. Es kam so dies und das, aber ein Satz, den die Person gesagt hat, die Gott repräsentiert hat, ist mir extrem hängen geblieben, sie hat mich getroffen, bis sonst wohin. Sie sagte:

„Ich fühle mich missbraucht!“

Autsch! Die Person – Gott (Ich sage jetzt einfach Einfachheitshalber und Verständlichkeitshalber Gott, wenn ich über die Person rede, die Gottes Rolle eingenommen hat, ich weiß, dass sie nicht wirklich Gott war.) hat sich missbraucht gefühlt, als ich sie wie ein Schutzschild zwischen mich und die andere Person gestellt habe. Sie meinte, sie hat uns beide sehr gerne und möchte nicht von einem gegen den anderen ausgespielt werden und nicht als Druckmittel oder als Zeichen, dass der eine besser ist als der andere eingesetzt werden. „Wer ist hier näher an Gott, wen liebt Gott vielleicht mehr? Wer ist hier der bessere Christ?“ Und das Krasseste dabei: Ich konnte es verstehen, auch wenn ich die ganze Sache noch nie von dieser Warte aus gesehen habe.

Ich meine, normalerweise denken wir doch, dass wir die sind, die missbraucht wurden, von Gemeinden, von Leitern, vom Teufel, vielleicht sogar von Gott. Wir überlassen ihm die Verantwortung für unser Leben und geben ihm dann die Schuld, wenn etwas nicht klappt. Wir spielen ihn untereinander aus, sagen, wir sind näher an Gott als ihr, auf uns hört er mehr als auf euch, denn wir kennen ihn einfach besser! Und denken gar nicht darüber nach, wie es ihm damit vielleicht geht?

Wenn ich das jetzt noch mal aus pädagogischer Sicht sehe, wenn ich mir vorstelle, ich hätte ein paar Menschen vor mir, mit denen ich arbeite, und die versuchten, mich auf diese Weise zu vereinnahmen, dann würde ich erst einmal ein Machtwort sprechen, wie es in der Situation auch immer aussehen würde, und dann entweder mit allen Beteiligten etwas zusammen machen, wo sie gezwungen sind, sich mit einander auseinander zu setzen oder, wenn das nicht funzt, würde ich mich für eine Weile aus der Situation zurück ziehen und das Feld einem Kollegen überlassen, weil eine solche Vereinnahmung nicht konstruktiv ist.

Kann ja, wer möchte, mal überlegen, wie Gott in einer solchen Situation handeln würde. Und warum. Und was das praktisch bedeutet… Mal nachdenken.

11 Gedanken zu “Gott: „Ich fühle mich missbraucht!“

  1. Kira Tamir schreibt:

    Ich versuch es mal…Wie würde Gott handeln in so einer Situation? Hhm, denke, er würde es immer wieder ansprechen, sich bemerkbar machen, einen damit konfrontieren – vielleicht durch Eindrücke, Situationen im Alltag die das spiegeln, innere Unruhe, die einen zum nachdenken bringt…so in etwa. Ganz individuell. Und ich glaube, er würde nicht locker lassen, bis man es wahr nimmt und bewusst auflöst. Und wenn das alles nichts bringt…dass er dann irgendwann schweigt. Und wartet, bis man vielleicht von selbst wieder zu ihm kommt, weil einem die Beziehung zu ihm fehlt. Und man dann bereit ist, sich damit auseinanderzusetzen.
    Das jetzt mal so grob ins Blaue gedacht.
    lg, Kira

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  2. Kira Tamir schreibt:

    Zum warum: wenn so eine Situation vorliegt, dass Gott sich praktisch missbraucht fühlt, weil wir unsere Vorstellung von ihm als der Weisheit letzter Schluss betrachten und alle anderen, die diese nicht teilen, ausgrenzen…oder wenn unser Gottesbild so aussieht, dass wir von ihm erwarten, dass er all unsere Probleme löst und wir uns verbittert abwenden, weil er nicht „funktioniert“…das ist etwas, was Gott dazu veranlasst, uns in der Hinsicht korrigieren zu wollen, weil auf der Ebene ja keine Beziehung funktionieren kann. Und eine Beziehung, die auf gegenseitiger Liebe und Respekt basiert ist das, was sich Gott mit uns wünscht. Und ich glaube, dass er deshalb hartnäckig und mit viel Geduld uns immer wieder auf diesen Missstand hinweisen wird…in der Hoffnung, dass wir es irgendwann verstehen und annehmen können.
    Was das praktisch bedeutet… vielleicht, dass unsere Beziehungen untereinander, von Mensch zu Mensch ein Stück weit auch unsere Beziehung zu Gott wiederspiegeln, Also kann man sich selbst fragen, wie gehe ich grundsätzlich mit anderen um? Wie sind meine Beziehungen? Vielleicht fordere ich viel, erwarte, habe konkrete Vorstellungen wie mein Gegenüber zu sein hat? Reagiere enttäuscht, wenn der diesen Vorstellungen nicht entsprechen will/kann? Und finde kein Gelingen und bin dann selbst ausgegrenzt, dem anderen fremd?
    Und unzufrieden, unglücklich damit? Das ist dann der Punkt wo man selbst mit Gott ansetzen kann, um wieder ins Reine zu kommen. Mit ihm, mit den Menschen, mit sich selbst.
    soweit meine Überlegungen dazu…interessantes Thema.
    jetzt aber gute Nacht 🙂

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    • bithya85 schreibt:

      Das mit den Beziehungen, die unsere Beziehung zu Gott wiederspiegeln ist echt n interessanter Gedanke. Meinst du damit, dass so, wie wir mit anderen umgehen, wir mit Gott umgehen und umgekehrt? Oder dass wir grade zu solchen Menschen Kontakt suchen, die in gewisser Weise unserem Gottesbild entsprechen? Bei letzterem fallen mir tatsächlich ein paar Leute ein, die in diese Richtung gehen würden. Eine Freundin zum Beispiel hat mir beigebracht, dass es im Leben mehr darauf ankommt, glücklich zu sein als viel Geld zu scheffeln und damit hat sie mich echt entlastet und etwas Heilung in Gang gesetzt. Und ja, wenn ich so darüber nachdenke, könnte das auch zu Gott passen. Danke für die Idee 🙂

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      • Kira Tamir schreibt:

        Bitte, gerne 🙂
        Ich meinte den ersten Punkt…erscheint mir irgendwie logisch. Man entwickelt ja seine Persönlichkeit durch Erziehung, Anlagen, Einflüsse, usw. und verinnerlicht ein paar grundlegende Verhaltensmuster die man dann in sozialer Interaktion anwendet…man lernt von klein auf Konzepte für die Gestaltung von Beziehungen. Und ich glaube, dass wir da nicht grundsätzlich unterscheiden, ob jetzt Gott oder ein Mensch der Gegenüber ist. Weil vieles ja unbewusst abläuft…glaube einfach nicht, dass wir das so trennen können. Wenn ich in meinem Sozialverhalten zum Beispiel hauptsächlich egoistisch agiere, andere vereinnahme, nur meinen Vorteil suche, werde ich da auch bei Gott keine Ausnahme machen, ihm zumindest ein Stück weit genauso gegenübertreten. Im Positiven gilt das dann natürlich ebenso…
        An den zweiten Punkt, dass wir uns mit Menschen umgeben, die gewissermaßen unserem Gottesbild entsprechen… daran hatte ich nicht gedacht, aber wenn ich es mir jetzt so überlege, macht es Sinn. Wir sind ja von Natur aus auf Bindung und Beziehung angelegt. Und suchen in der Regel nach Menschen, die unsere grundlegenden Werte und Vorstellungen teilen. Quasi bestätigen. Und wenn man, wie in deinem Beispiel, Gott als jemanden sieht, dem es in erster Linie wichtig ist, das man glücklich ist und sein Leben genießt, der möchte, dass es gelingt, für den der Fokus auf Materalismus keinen Wert hat…dann bestärkt dich ja deine Freundin in genau dem, was für dich eine wichtige Vorstellung ist.
        Schön… Dass deine Freundin dir da helfen konnte, meine ich, das freut mich 🙂
        lg

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      • bithya85 schreibt:

        Jetzt bin ich an der Reihe, über das nachzudenken, was du schreibst 😀 Da hast du mir Stoff gegeben. Ziemlich cool, ja, im ersten Moment hab ich es nicht gesehen, dass wir Gott ähnlich gegenüber treten wie unseren Mitmenschen, aber vielleicht ist es gar nicht so falsch. Danke.

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      • Karl Heinz schreibt:

        Ja, das ist wohl einer der wesentlichen Punkte, worauf es ankommt:
        Gott ähnlich gegenüberzutreten, wie unseren Mitmenschen, das ist absolut _ n i c h t _ richtig.
        Das ist absolut falsch…
        Gott, die Gesamtheit aller Existenz spirituell und materiell, hat mit dem Wesen von uns Menschen aber auch gar nichts zu tun. Gott ist keine Person im „menschlichen“ Sinn. Gott ist nicht böse und Gott ist nicht gut; Gott ist kein gnädiger und Gott ist auch kein strafender Gott. GOTT IST !!!
        Gott hat aus der Gesamtheit von allem, was existiert, alleine nach seinem eigenen Willen u.a. auch den Menschen nach seinem Gleichnis (also auch mit eigenem Willen ausgestattet) erschaffen und entstehen lassen. Der ewige Gott ist allmächtig, allgegenwärtig und allwissend. Für IHN war von Anfang an klar, was wo und wie das Menschengeschlecht „verlaufen“ wird.
        IHN heute so zu sehen, als müsste ER sich ausgenutzt fühlen, das entbehrt jeder Grundlage und jedes Verständnisses. Mit Gott kann man keine Familienaufstellung machen; das ist Humbug…
        Nicht gleichgültig ist, wie wir unseren Mitmenschen gegenüber treten. In dieser „Sache“ hat uns Jesus im Auftrag Gottes zeigen sollen, wie wir Menschen niemals mit einander umgehen dürfen.
        Jesus wollte mit seinem Hauptgebot der Nächstenliebe alle die zur Umkehr bringen, die durch ihr Streben nach Macht, Anerkennung und Reichtum ihre Nächsten benachteiligen, übervorteilen, unterdrücken und quälen. Er war der Mahner für einen geordneten Umgang der Menschen miteinander.
        Mahner, die persönliche Selbsteingrenzungen einfordern, werden von der gierigen Allgemeinheit immer als Störer eingestuft und Störer muss man zur Erhaltung des „eigenen Wohls“ beseitigen.
        DAS war in erster Linie auch der Grund dafür, dass Jesus zum Kreuzestod verurteilt wurde.

        Und, liebste Bithya85, was Dir Deine Freundin beigebracht hat: Glücklich zu sein ist wichtiger als Geld zu scheffeln! Dem kann ich nur voll und ganz beistimmen.
        Nächstenliebe macht absolut glücklicher, als jedes Streben nach Reichtum und Macht.

        In diesem Sinne ganz liebe Grüße von Karl Heinz

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  3. Kira Tamir schreibt:

    Lieber Karl Heinz, eine Frage: was genau meinst du damit, dass Gott keine Person im „menschlichen“ Sinn ist? Denkst du dabei an eine Art Wesenheit, allmächtig, allwissend, omnipräsent, die wir mit unserer begrenzten Vorstellungskraft nicht mal ansatzweise erfassen können, aus der sich alles bedingt, alles entsteht? Die unserem Denken aber völlig fremd ist, da so anders als wir, weitaus größer, und die wir nicht mit unseren Bewertungssystemen kategorisieren können, da diese einfach nicht greifen? Etwa in diesem Sinne? Und in welcher Beziehung stehen wir zu Gott, ich meine wie sieht unsere Beziehung konkret zu ihm aus? (bezogen darauf, wie du ihn beschreibst) Dass wir uns letztlich daran orientieren können und sollen, was Jesus in seinem Auftrag vermittelt hat? Sozusagen als Zugang zu Gott, um uns ihm verbunden zu fühlen..
    Korrigiere mich bitte, wenn ich völlig daneben liege, ich möchte es gerne verstehen 🙂
    lg

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    • KarlHeinz schreibt:

      Hallo, liebe Kira,
      um einen Antwortbeitrag nicht zu umfangreich werden zu lassen, bitte schau Dir meine Beiträge zu diesem Blog z.B. im April 2017 zu Frage 3 an. Dort kannst Du lesen, welche Vorstellungen ich von Gott habe. Ich denke, einige Deiner Fragen werden dabei sicher beantwortet. Solltest Du darüber hinaus weitere Gedanken austauschen wollen, dann bitte ich Dich, mich per Mail weiter zu kontaktieren. Mailadresse: hopeful(at)email(punkt)de.
      Über jede Kontaktaufnahme würde ich mich riesig freuen…
      LG von KarlHeinz

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