Unwürdiges Essen…

Hab schon überlegt, wie ich diesen Post nenne. Kannibalismus? The Walking Dead? Vogel, friss und stirb?

Ne. Nach Provokation ist mir hierbei wirklich nicht. Irgendwie ist es mir zu wichtig. Auf eine ganz abgefreakte Weise. Ach man, wo fang ich an?

Ich dachte an Schrödingers Katze, wahrscheinlich untot, will Hirn fressen. Ich dachte an Gruppendruck und Dynamik, ich dachte daran, dass ich wohl einfach zu blöd bin, das Abendmahl richtig zu verstehen. Ja, ich meine, auch wenn ich nicht perfekt bin und immer wieder Mist baue und immer wieder denke, ich enttäusche Gott kann ich immer noch daran denken, dass auch Judas beim Abendmahl dabei war und ihn kein Blitz getroffen hat. Aber mit Judas möchte ich mich dann doch nicht vergleichen. Aber eigentlich sollte ich es doch zumindest hinbekommen, beim Abendmahl an Jesus und nur an Jesus zu denken und gleichzeitig dankbar zu sein und betroffen und den Moment als heilig erleben und mir vorzunehmen, in Zukunft alles besser zu machen und und und… . (Und ja: Ich weiß, wie blöd sich das alles anhört.)

Aber noch nicht mal das krieg ich hin. Und dann denke ich daran, wie das Abendmahl gewöhnlich von Statten geht. Man sitzt in den Reihen, kein Ausweg nach links und rechts. Eine Schüssel mit Brot wird durch die Reihen gegeben, jeder nimmt sich etwas und gibt die Schüssel dem Nachbar weiter. Manchmal sagt man „Jesu Leib für dich gebrochen.“ Und dann KANNST du gar nicht anders, als mitzumachen. Denn du wirst gesehen. Mindestens mal von deinem Nachbarn. Oder, wenn du vorher gehst, von allen. Du denkst an Paulus Worte, dass, wer unwürdig ist, sich selbst zum Gericht isst und trinkt. Und du weißt, dass du nicht würdig bist, weil du darüber nachdenkst, ob du würdig bist und nicht an Jesus denkst, und dann versuchst du es immer mehr und immer stärker schweifen deine Gedanken in die entgegengesetzte Richtung. Und je mehr du verzweifelt versuchst, gute Gedanken zu haben, desto mehr kommt dir in den Kopf, wie du anderen die Vorfahrt nimmst und ihnen im Auto den Stinkefinger zeigst, wie du Jesus auf der Arbeit verleugnet hast, wie du auf Facebook irgend etwas Gedankenloses gepostet hast, wie du… ach, du weißt schon. Und die Schüssel kommt immer näher. Und du weißt: Gleich wirst du es essen müssen und nach außen den Schein wahren und so tun, als wärst du mit den Gedanken bei Gott, obwohl du eigentlich genau weißt, dass Gott weiß, wie es in dir aussieht, dass du ihm nichts vormachen kannst.

Oder so, wie es in einer Gemeinde gemacht wird, die ich kenne. Es kommt nach der Predigt ein längerer Anbetungsteil und in dieser Zeit steht vorne eine Schüssel mit speziellem Knäckebrot und einige Becher Traubensaft und wer will, kann nach vorne kommen und sich das Zeug nehmen und für sich allein oder mit Freunden das Abendmahl feiern. Zwar kein Druck hier, aber… es klingt für mich auf jede erdenkliche Weise falsch. Ich meine, hat das Abendmahl nicht auch was mit Gemeinschaft zu tun? Irgendwie… auch als ich noch in dieser Gemeinde war, konnte ich das nie mitmachen. Weil sich allein dieser Gedanke einfach so falsch angefühlt hat. Als ich das meiner damaligen Mitbewohnerin Rega erzählt habe, hat sie spontan ausgerufen „Wie schrecklich! Dann hast du ja seit Jahren kein Abendmahl mehr bekommen!“ Womit sie nicht ganz unrecht hatte. Das letzte mal, wo ich nicht nur pro forma teilgenommen habe, weil es einfach erwartet wurde, war 2012, oder noch früher.

Und dann kenn ich die dritte Möglichkeit. Es kommen immer kleine Gruppen nach vorne und feiern zusammen das Abendmahl. Meistens ist das es, was ich am ehesten aushalten kann. Denn dann ist es weder ein Druck, man kann auch einfach die ganze Zeit sitzen bleiben und wenn man geht, kann man entscheiden, ob man bei dieser Gruppe dabei ist oder bei der nächsten. Noch eine One-Man-Show oder etwas, das man isoliert von anderen macht. Aber auch hier steht man unter Beobachtung. Und auch hier denke ich dann immer wieder, ich bin nicht gut genug. Ich habe einfach Angst. Ich liebe Gott, aber bekomme es einfach nicht hin, ihn richtig zu lieben. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Ich will ihm nichts vormachen, wenn ich eigentlich weiß, dass ich es nicht richtig machen kann. Und so kommt es, dass ich es gar nicht erst versuche. Diese Gedanken, die mir beim Gedanken an Abendmahl durch den Kopf gehen, sind einfach so ambivalent. Ich kann es gar nicht wirklich beschreiben. Ich möchte einerseits dabei sein. Wirklich. Andererseits weiß ich auch, dass ich so viele Zweifel habe und ich so oft aggressiv werde und so vergesslich und chaotisch bin und dann denke ich, dass das eine Zumutung für Jesus wäre und das will ich auf keinen Fall sein! Scheiße!

3 Gedanken zu “Unwürdiges Essen…

  1. Anja Bär schreibt:

    Oha, die Sache mit dem würdigen Abendmahl… ich würde gern mit Dir darüber reden. Die erzählen, wie sehr Jesus sich danach sehnt, mit Dir Gemeinschaft zu haben. Und zwar so, dass Du vor ihm einfach sein darfst. Auch mit Deiner inneren Haltung, die so unheilig scheint! Und nochmal: scheint! Denn was ist heilig ? Bedeutet heilig zu sein, immer das Richtige zu sagen/denken/tun/lassen (setze hier jedes Wort ein, das Dir dazu einfällt). Oder bedeutet heilig zu sein, die richtigen Leute, den richtigen Weg, die richtigen Entscheidungen usw. im Leben zu haben?
    Für mich ist Heiligkeit was ganz tröstliches. In Gottes Machtbereich zu leben, immer wieder nach ihm und seiner Haltung zu fragen und zu suchen. Heilig zu sein meint für mich, Gott in meinem Leben zu wissen, vor allem dann, wenn alles dagegen zu sprechen scheint.
    Die Unwürdigkeit – damit wurde schon so viel Schindluder getrieben, es wurde missbraucht, verstellt, verdreht… früher wurde ich deswegen wütend. Heute werde
    Ich traurig. Bei Lukas spricht Jesus von seinem Sehnen nach Gemeinschaft in diesem Mahl. Und seine Sehnsucht hat nicht aussortiert, wer jetzt wohl würdig sei. Die Kritik von Paulus am Mahlverhalten der Korinther hat was mit der Lieblosigkeit der Glaubensgeschwister untereinander zu tun. Während die einen noch ackern, machen die anderen sich schon über die besten Stücke her. Das geht gar nicht und verletzt das vor Gott alle gleich sind. Manche halten sich für gleicher. Das aber ist unwürdig und missbräuchlich (wie Du weiter oben ja sehr schön beschreibst). Das Abendmahl kann der Ort sein, an dem Deine Sehnsucht gestillt wird und ein Teil von Dir heil wird…
    Ach, ich hab so viel Lust, mit Dir das Thema zu vertiefen…

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    • bithya85 schreibt:

      Danke für deine Antwort. Jedenfalls lese ich daraus, dass du das Abendmahl genießen kannst. Das freut mich sehr für dich. Ehrlich. Und ich glaube auch nicht, dass da schon das letzte Wort bei mir gesprochen ist. Alles, was ich auf meinem Blog schreibe sind eigentlich Momentaufnahmen, die meine aktuelle Position beschreiben. Ich schreibe dann einfach, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Und wenn es ein paar Wochen oder Monate oder Jahre später anders ist, dann ist es eben so. Bin ich inzwischen ganz relaxt.
      Abendmahl ist für mich sehr kompliziert, genauso wie Bibel lesen, Lobpreis und einiges andere mehr. Aber kompliziert bedeutet ja auch, dass es nicht flapsig ist und dass ich gezwungen bin (auf eine gute Art), mir darüber Gedanken zu machen. Ohne dabei auf vorgefertigte Antworten oder schnelle Lösungen angewiesen zu sein. Man kann es nicht übers Knie brechen. Gott zeigt immer wieder in seiner Schöpfung, dass er Entwicklungen schätzt. Und Jesus bestätigt das in seinen Gleichnissen bzw. in den Bildern, die er benutzt.
      Schön dass du mit liest. Und deinen Senf dazu gibst.
      LG Bithya

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