Call me P.E.T.

Vor zwei Jahren habe ich das erste mal Hossa Talk gehört.

Vor zwei Monaten war ich das erste mal auf einem der Regio-Treffen.

thW29KWKDCUnd vor zwei Tagen war hier das erste mal einfach ein „Meet and Greet“ von Hossa-Hörern aus der Umgebung. Eigentlich ging es darum, sich einfach mal zu sehen und kennen zu lernen und dann mal zu sehen, was so passiert.

War echt interessant, auch wenn ich gedacht hätte, es kämen mehr. Aber ich glaube auch, dass es eigentlich viel mehr Leute hier gibt, aber viele es einfach nicht mitbekommen haben oder auf dem Schirm hatten. Ich meine, wir waren sieben Leute, magische Zahl, wenn man an so etwas glaubt. Und von den anderen kannte ich die Hälfte.

Erst war ich einen Moment etwas unruhig, weil eine sofort ein bisschen die Leitung übernommen hat, da bin ich echt ein bisschen empfindlich. Aber das war eigentlich nur die ersten paar Minuten, ich glaube, sie wollte einfach dabei helfen, dass ein Austausch in Gang kam und das war dann auch OK. Wie haben uns echt ziemlich gut unterhalten, nicht nur über Hossa Talk, auch über unsere Fragen und unseren Glauben und was wir (noch) glauben und was nicht mehr und warum und wo wir Schwierigkeiten haben. Ich habe es richtig genossen, mal in einem ganz anderen Umfeld über Glauben zu reden, nicht immer nur in der Gemeinde, wo es darauf ankommt, möglichst schnell die richtigen Fakten zu glauben und das richtige dabei zu fühlen und allgemein auf der Linie zu sein. Und auch nicht nur bei „Nicht-Christen“, die bekehrt werden müssen. Ich habe das noch so selten erlebt, dass man sich einfach austauschen kann, ohne Denkblockaden, und man auch kompletten Bullshit sagen darf, ohne dass man sofort korrigiert wird und dass man auch mal sagen darf, dass man mit etwas nicht mitgehen kann und will oder Probleme hat, ohne dass einem sofort eine Patentlösung angeboten wird. Es war einfach ein Moment der Freiheit, in dem ich gemerkt habe, wie gefangen ich sehr lange Zeit war, ohne es zu merken.

Einer von uns war Panentheist, das kenne ich eigentlich nur von jemandem, der hier ab und zu mitliest 😉 das war echt interessant, auch was er so über seine Erfahrungen in Gemeinden gesagt hat. Nein, interessant ist da nicht das richtige Wort, eher traurig, weil er absolut nicht ernst genommen wurde und ihm teilweise auch der Mund verboten wurde. Kann ich mir echt gut vorstellen. Und dass die Fragen, die er gestellt hat, gar nicht gut ankamen. Bei einer anderen war beispielsweise Homosexualität in der näheren Verwandtschaft ein Thema, die vor einigen Familienmitgliedern verheimlicht werden musste, denn das gilt dort noch als Sünde.

Wir haben darüber diskutiert, wie Nachfolge aussehen kann und was es bedeutet, wir haben über Regeln und Gesetze in Gemeinden geredet, ob sie biblisch sind oder nicht und wie das Ganze auch anders gesehen werden kann, was für eine Rolle spielt die Bibel und warum sind Menschen so, wie sie sind, sind wir gut oder böse oder was dazwischen, und kann man das überhaupt so sagen? Ich glaube, bei den meisten Themen sind wir nicht zu einem richtigen Ergebnis gekommen, aber das stört mich nicht, weil ich mir trotzdem Denkanstöße mitnehmen konnte. Und wir mussten nicht am Schluss alle derselben Meinung sein. Wir waren am Schluss genauso sehr derselben oder anderer Meinung wie am Anfang, aber wir haben auf eine Art und Weise über diese Dinge geredet, die in Gemeinden oder unter Christen niemals toleriert worden wäre. Und das tut sooooo gut.

Wie es damit weiter geht, weiß ich noch nicht. Wir haben uns vorgenommen, uns öfter zu treffen, auch die Treffen öffentlich zu machen, so, dass mehr Leute kommen können, die es interessiert. Mal sehen, was so passiert. Ich bin gespannt und freu mich drauf. Wir haben dann an einem Namen gesucht und es schließlich auch nach Hossa benannt. Ich habe kurz überlegt, ob ich nicht P.E.T. vorschlagen sollte: Post-Evangelikalen-Treff 😀

Werbeanzeigen

8 Gedanken zu “Call me P.E.T.

  1. kahate schreibt:

    Hallo Bithya,

    P.E.T. finde ich wirklich ganz gut. Es könnte auch stehen für „Persönliche Erkenntnisse zur Theologie“.
    Um was geht es denn tatsächlich? Doch nur um das, was man aus dem gesamten Religions-Tohuwabohu heraus grundsätzlich verstehen und auch ganz persönlich frei und ungezwungen akzeptieren kann.
    Ich empfinde es schon als sehr bemerkenswert und ich freue mich auch darüber, dass sich zu dem von Dir geschilderten Treffen auch ein Panentheist eingefunden hat.
    Dass „panentheistische“ Gedanken vielfach nicht gut ankommen und dass einem mit solchen Gedanken von „bibelkundigen“ Leuten sogar der Mund verboten wird, das kenne ich auch nur zur Genüge.
    Nur mittlerweile bin ich zu der Einsicht gekommen, dass jeder Mensch nur das glauben kann, was er sich selbst auch in seiner ganz eigenen Fantasie (und sei sie noch so vage) vorzustellen vermag. Wer nicht die geringste Vorstellung (Fantasie) hat, der kann auch nur an das glauben, was er sich „vorsetzen“ hat lassen, was also andere „erdacht“ und sich für ihn schon vorgestellt haben. So sehe ich das…

    Liebe Bithya, ich empfinde es ganz super, dass man sich auch hier in Deinem Blog mit eigenen Gedanken äußern kann, ohne gleich gesperrt zu werden. Ich finde, das ist wirklich gut so.
    Was mich doch brennend interessiert hätte, das sind die Fragen des Panentheisten in euerer Runde, die so gar nicht gut ankamen. Könntest Du mir dazu noch weitere Infos zukommen lassen? Hättest Du dazu auch eine Mail- oder Chatadresse?

    Dass ihr bei den meisten Themen nicht zu einem richtigen Ergebnis gekommen seid, das kann ich mir ganz lebhaft vorstellen. Die Gedanken und Überlegungen der Menschen -und zwar aller Menschen- gehen ja doch in alle möglichen und auch unmöglichen Richtungen. Und Gleichschaltung der gesamten Menschheit in nur eine einzige Richtung, das entspricht ja mit Sicherheit auch nicht dem Willen Gottes.
    Unser Gott hat alle Menschen mit einem ganz persönlichen eigenen und freien Willen ausgestattet. Und so entscheidet jedes Individuum ganz alleine und absolut eigenverantwortlich für sich selbst. Und das ist für mich der alleinige Grund, warum es fast unmöglich wird, dass Menschen sich gemeinsam für ihr eigenes Wohlergehen zusammenfinden und stark machen. Individualismus kontra Kollektivismus, ein Dauerbrenner !

    Bin schon neugierig, welche Beiträge zu diesem Thread wohl kommen mögen. Die Diskussion ist offen…
    Viele herzliche Grüße von Karl Heinz

    Liken

    • Inselines schreibt:

      „“Nur mittlerweile bin ich zu der Einsicht gekommen, dass jeder Mensch nur das glauben kann, was er sich selbst auch in seiner ganz eigenen Fantasie (und sei sie noch so vage) vorzustellen vermag. Wer nicht die geringste Vorstellung (Fantasie) hat, der kann auch nur an das glauben, was er sich „vorsetzen“ hat lassen, was also andere „erdacht“ und sich für ihn schon vorgestellt haben. So sehe ich das…““

      Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass deine „Einsicht“ lediglich ein Vorurteil ist. Mit meiner Fantasie ist es nämlich bestens bestellt und ich erlebe es geradezu auch umgekehrt, dass der Mensch in seiner Fantasiewelt die Realität verlieren kann. 😉

      Liken

      • Karl Heinz schreibt:

        Hallo, liebe Inselines,
        vielen Dank auch für den kontruktiven Versuch, mich hier als vorurteilbehafteten Mitleser/Mitschreiber abzuqualifizieren, anstatt fundiert auf den so aussagekräftigen Eröffnungsbeitrag von Bithya einzugehen.
        Und nur zur Klarstellung: DEINE persönliche Fantasie habe ich nirgendwo angesprochen…
        LG von Karl Heinz

        Liken

      • Inselines schreibt:

        Es tut mir leid Karl-Heinz, diesmal muss ich mir der Vorwurf gefallen lassen, nicht auf Bithyas Beitrag eingegangen zu sein. Es tut mir auch leid, dass ich mich nicht eindeutig genug ausgedrückt habe und Du Dich dadurch abqualifiziert fühlst oder fühlen musstest. Das war so nicht meine Absicht.

        Wenn aber für mich etwas als Vorurteil ankommt, das tut es, kommt es mir letztendlich nicht darauf an ob Du mich oder andere meinst. Leider hat der Smiley als Hinweis nicht gereicht, ich wollte Dich auf einer ganz anderen Ebene herausfordern, das war zugegeben blöd und ging nach hinten los. Mich hat das Wort: „Einsicht“ gestört, deshalb habe ich als Vorlage für Dich von „Erkenntnis“ geschrieben und dies durchaus selbstkritisch.

        Also, lieber Karl-Heinz, Deine Kritik ist berechtigt und angekommen. Da möchte ich nun gar nicht länger drum herum oder mich heraus reden, deshalb darfst Du meine Erklärung gerne als Eingeständnis werten.

        Zur Sache: Diesen Satz meinte ich ernst: „… und ich erlebe es geradezu auch umgekehrt, dass der Mensch in seiner Fantasiewelt die Realität verlieren kann.“ Den: 😉 hätte ich klugerweise nach dem ersten Satz und Erkenntnis in „“ setzen sollen, dann wäre es evtl. verständlicher geworden. So konnte es wahrscheinlich nur als Angriff rüberkommen.

        Jetzt zu Bithyas Beitrag. Ein klarer Minuspunkt meiner Seite ist, dass ich mich, zu dem ich einig bin, nicht weiter äußere. Es kommt dann zu wenig, bzw. einseitiges Feedback. Ich äußere mich hauptsächlich zu dem, was ich anders sehe und kritisiere zu viel, andereseits kritisiere ich genau dies bei anderen, weil mir da ein Spiegel vorgehalten wird. Das ist jetzt nicht unbedingt etwas mit dem man hausieren gehen will und daran arbeite ich. Aber es ist mir wichitg, dass auch klar ist, dass ich mir dessen bewusst bin.

        Der einzige Grund weshalb ich also nicht darauf eingegangen bin, ist der, dass ich ganz ehrlich gesprochen, dem nichts weiter beizutragen habe, außer Bestätigung, habe ich nachgeholt.

        Ich finde das eine gute Sache und bin auch mit dem Rest Deines Textes konform. LG und ich übe mich in Zurückhaltung. 😉

        Liken

      • bithya85 schreibt:

        Hi Ines, schön dich zu lesen 🙂
        Also, ich denke, es trifft beides zu. Denn ich kenne beides. Dass ich mir nur das vorstellen kann, was ich mir in meiner Fantasie ausmalen kann und irgendwo ist das auch für mich eine (momentane) Grenze des Glaubens. Denn wie kann ich an etwas glauben, was ich mir einfach nicht vorstellen kann. Man macht sich ja automatisch ein Bild von Gott, dem Himmel, der Hölle und so weiter, ob man will oder nicht. Wir alle haben doch unsere Kopfkinos und Prägungen.
        Andererseits kenne ich es auch, dass man sich in seiner Fantasie verlieren kann. Vielleicht wäre das auch mal ein Blogbeitrag…. wenn es mir nicht so peinlich wäre. Denn als ich dich eben gelesen habe, musste ich daran denken, wie ich mich als Jugendliche in eine Fantasiewelt verkrochen habe und mich darin verloren habe. Damals habe ich es als eine besonders schlimme Sünde angesehen, aber im Nachhinein denke ich, es war eine Art Überlebensstrategie von mir. Wie auch immer, sie hat meinem Glauben nicht wirklich geholfen. Vielleicht bin ich da auf der anderen Seite vom Pferd gefallen. Jedenfalls kann ich mir vorstellen, dass Fantasie und Vorstellungskraft beim Glauben helfen kann und gleichzeitig auch behindern kann. Hm, da hast du mich jetzt auf etwas gebracht, worüber ich noch nachdenken muss, danke 🙂

        Liken

      • Inselines schreibt:

        Hallo Bithya, 🙂

        das hast Du wieder mal sehr gut zusammengefasst. Genauso sehe ich es auch: „Jedenfalls kann ich mir vorstellen, dass Fantasie und Vorstellungskraft beim Glauben helfen kann und gleichzeitig auch behindern kann.“

        Du hast mich daran erinnert dass ich ähnlich wie Du oder vielleicht auch ebenso, mich viele Jahre in eine Fantasiewelt geflüchtet habe. Damals musste ich mir leider die gleichen Sprüche gefallen lassen, die ich selbst schon von mir gegeben habe, dass ich vor etwas flüchte und mich dem stellen sollte, obwohl ich der Realität in keinster Weise gewachsen war. Erst viel später, mit dem Verständnis zu meiner Lage und damit was los ist, konnte ich mich langsam aus dem Schneckenhaus heraus wagen. Deshalb kann ich es mir nicht nur gut vorstellen wie es ist von der anderen Seite vom Pferd zu fallen. Sich deshalb schuldig fühlen, lehne ich ab. Es war zu diesem Zeitpunkt tatsächlich eine Überlebensstrategie, die ihre Berechtigung hatte. Noch heute erlaube ich mir Auszeiten in eine Fantasiewelt, nur bewusster und kurz, dann merke ich schnell, dass ich mir etwas Gutes tun soll. Das hilft.

        Ich muss zugeben, dass ich geistlich verwöhnt bin und das deshalb meistens ganz gut voneinander trennen kann. Meine Beziehung zu Gott hat mit meiner Fantasie nicht mehr viel zu tun. Den heiligen Geist spüren und erleben ist für mich eine reale Erfahrung außerhalb meiner Fantasie. Allerdings wenn ich mir nicht sehr viel vorstellen könnte, dann würde Gott wohl weniger meine Vorstellungskraft und viel mehr meinen Verstand gebrauchen. Das erlebe ich bei intellektuellen Gläubigen, wenn sie mit Begeisterung logisch erklären weshalb es Gott geben muss. Ich verstehe dann nicht sehr viel, aber ich erkenne, dass sich Gott ihnen über ihren Verstand offenbart.

        Liken

    • bithya85 schreibt:

      Hallo, kahate 😀 Ich musste erst mal überlegen, wer du bist, hab dich erst gar nicht erkannt. Aber ist irgendwie auch gut, weil ich dann deinen Kommi lesen konnte, ohne schon ein „fertiges“ Bild der Person zu haben.
      Im Grunde hast du recht, ja. Es würde sicher keiner zugeben, aber oft suchen wir uns aus dem Glauben das raus, was für uns lebbar ist. Ich sehe das auch kritisch, auch bei mir. Aber im Moment geht es nicht anders. Ich will mir nicht einfach meinen Glauben wie ein Menu zusammen stellen. Aber es gibt einfach immer mal wieder etwas, das ich nicht glauben kann/will. Und dann ist es im Moment eben so. Könnte es verdrängen und so tun, als ob ich alles glaube, aber wem wäre damit geholfen?
      Wegen dem Panentheist, er hat gesagt, dass es hauptsächlich „Kinderfragen“ sind, die er gestellt hat, also zum Beispiel, warum dieses oder jenes so und nicht anders gemacht wird und wie man auf den Gedanken kommt, Jesus sei Gott, die Bibel sei Gottes Wort und so. Wenn ich mich richtig erinnere, ich weiß auch nicht mehr jede Frage und jedes Thema, war einfach sehr viel und ich war ehrlich gesagt auch ein wenig reizüberflutet. Ich möchte dir aber nicht einfach so eine Mailadresse oder Nummer oder so weiter geben, weil ich nicht weiß, ob er es möchte. Kann aber mal die Tage nachfragen.
      Liebe Grüße!

      Liken

Geig mir deine Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s