Ziemlich wirres Zeug

ChaosManchmal habe ich Angst. Dass ich Gott verlassen habe. Schon längst. Weil ich gemerkt habe, schon lange, dass ich so viele Dinge anders sehe als sie mir beigebracht wurden. Und in meiner Kritik da sicher auch über das Ziel hinaus schieße, manchmal. Bin ich noch bei Gott, wenn ich viele Lobpreislieder nicht mehr mitsingen kann, weil sie für mich sich einfach falsch anfühlen? Weil ich sie so hohl, so sinnlos finde? So… ja wie? So theatralisch, übertrieben. Jemand hat mal gesagt, sie klingen für ihn wie Chuck-Norris-Witze und ich weiß, was er damit meint. Dabei erinnere ich mich noch an die heiligen Momente, oder ich hab es als heilige Momente erlebt, wo ich völlig selbstvergessen und ergeben zu Gott betend gesungen habe. „Du bist mein Gott, ich gehöre dir.“ Ja, ich glaube, das könnte ich noch mitsingen. Aber bei der Zeile „Doch mein größter Wunsch, das was ich begehr, ist, Herr, regiere du in mir.“ Da müsste ich erst viel zu lange nachdenken, was es bedeutet und was es für mich bedeutet und ob ich es so will oder wie ich es sonst möchte oder wie es in Ordnung wäre, was passend wäre. Und schon ist man wieder ein halbes Lied weiter.

Dabei geht es mir gar nicht wirklich um Lobpreislieder. Ich glaube es geht mir um etwas viel fundamentaleres. Aber vielleicht bin ich dahin gekommen, ohne dass es Absicht war. Denn um das „Regiere du in mir“ geht es tatsächlich. Glaube ich. Was bedeutet das? Und muss ich das? Muss ich es wollen? Oder bedeutet das etwas ganz anderes als ich denke? Oder immer dachte? Denn das, was ich immer gelernt habe war, dass ein Christ alles, jede Kleinigkeit in Gottes Hand legen soll und dann Gott alles bestimmen kann. Keine eigenen Entscheidungen, keine Wahl, nicht mehr „nein“ sagen, wenn man es wirklich auf die Spitze treibt. Wenn es immer mein Traum war, um die Welt zu reisen, neue Leute kennen zu lernen und viele verschiedene Lebensstile auszuprobieren, aber Gott sagt, dass ich eine schnöde Hausfrau und Mutter sein soll, dann muss ich meinen Traum aufgeben, denn Gott soll ja in mir regieren? Muss ich das als Christ? Muss ich es sogar wollen? Es klingt so falsch, es fühlt sich so falsch an, wie kann es richtig sein?

Aber wenn ich sage, dass es falsch ist, oder besser: dass es nicht gut ist, bedeutet es dann nicht auch, dass Gott mir auch in anderen Entscheidungen nicht reinreden darf? Dass ich mich auch nicht an die Feindesliebe halten soll, da sie für mich auch unbequem ist, so wie es für mich unbequem wäre, lebenslange Träume aufzugeben? Und dass ich mich auch nicht bemühen sollte, andere nicht zu verurteilen, ihnen zu vergeben, weil es für mich auch anstrengend ist und viel Selbstreflektion und Achtsamkeit erfordert? Dabei sind es Dinge, die ich auch selber möchte, aber was tut es zur Sache, wenn ich sie nur tue, weil ich es will und nicht, weil Gott es will? Tue ich es, weil Gott es will? Ja, irgendwie ja schon, glaube ich, denn ich liebe ihn, und ich weiß, dass ihm solche Sachen wichtig sind. Aber müsste ich dann nicht auch eigentlich bereitwillig die ganzen Träume und Ziele aufgeben und nur noch das tun, was er mir durch andere oder wie auch immer sagt? Ich hatte eine Weile lang sehr viele Eindrücke, Träume, Visionen. Aber längst nicht alle haben sich als wahr heraus gestellt, im Nachhinein. Also, was will Gott? Auf die Bibel kann ich mich wohl auch nicht so 100%ig verlassen wie mir gesagt wurde, denn ich kann und will nicht glauben, dass Gott sich über einen Genozid freut wie in Josua oder dass er IS-Methoden gut heißt wie bei Elia. Und dass er, wenn jemand keinen Genozid begeht, ihn einfach abschreibt wie König Saul.

Ja, jetzt kannst du natürlich in die Kommentare schreiben, dass Gott sich über mich freut, einfach weil es so ist. Aber ich muss ehrlich sagen, das reicht mir im Moment als Antwort nicht wirklich. Es klingt dann so platt, wie ein „Gott liebt dich“ und alles ist wieder gut. Mir wurde immer gesagt, dass man echte Christen daran erkennt, dass sie ihr Leben Gott voll und ganz zur Verfügung stellen, egal, was er von ihnen erwartet. Dass sie wissen, dass die Bibel wahr ist, im Sinne einer extrem gut recherchierten Reportage. Aber… was ist, wenn Gott von mir wollte, dass ich etwas tue, was für mich so furchtbar wäre, wie einen Pastoren zu heiraten und dann die brave Pastorenehefrau zu sein? Ich denke an Maren. Ich könnte es nicht tun, ich könnte es einfach nicht! Würde er mich dann auch einfach abschreiben wie Saul? Hat er das vielleicht schon längst und kann ich deswegen nicht mehr so simpel glauben, auf die gute alte evangelikale Weise?

Maren und ich waren gestern auf dem Regiotreffen von Hossa Talk. Es hat einfach gut getan zu sehen, dass es tatsächlich noch andere gibt. Wir haben viel gelacht und viel erzählt. Die anderen sind auch Christen, nicht wahr? Ich frage deshalb, weil ich denke, wenn sie es trotz allem sind, dann bin ich es vielleicht auch noch. Oder ich darf es noch sein, ich darf mich dann noch Christin nennen. Und wenn es eine Person ist, die beispielsweise sich selber nicht mal Christ nennt, sondern sagt, sie habe ihren ganz eigenen Zugang zu Gott, denn sie ist ein Unikat, dann… . Naja, in der Mittagspause sind wir ein bisschen gelaufen und haben dabei über die evangelikale, konservative Szene gerotzt. Ich denke, vielleicht haben wir übertrieben, ihnen Unrecht getan. Das möchte ich eigentlich nicht. Ich möchte Frieden haben. Aber eine Möglichkeit, die für mich passt. Ohne, dass ich Genozids gut und Homosexualität schlecht finden muss. Weil es so in der Bibel steht. Und ohne, dass ich keine eigenen Ziele und Träume haben darf, weil ich ganz und nur Gott gehöre und trotzdem zu Gott gehören kann. Geht das? In herkömmlichen Gemeinden wohl kaum, jedenfalls nicht in den freien Gemeinden, die ich kenne.

Aber auf dem Treffen habe ich tatsächlich Leute hier aus der Stadt getroffen, oder aus der näheren Umgebung, die ich noch nicht kannte. Eine davon wohnt tatsächlich nur zwei Straßen weiter. Und ich kenne noch außer Maren und mir noch mindestens zwei andere hier, die Hossa hören, aber gestern nicht dabei waren. Und dann kenne ich noch welche, die zwar kein Hossa hören, aber auch nur schwer in herkömmlichen Gemeinden unterkommen können. Ich weiß noch nicht genau, was das bedeutet. Bedeutet es was? Könnte es was bedeuten? Ich hoffe es. Ich wünsche es mir. Ich träume davon.

13 Gedanken zu “Ziemlich wirres Zeug

  1. inselines schreibt:

    Tja, das kenne ich alles nur zu gut von mir. Wir haben einen ähnlichen Hintergrund und ähnliche Erfahrungen gemacht, das durfte ich schon feststellen. Aktuell bin ich noch nicht durch damit, ob ich Christ bin oder nicht. Würde ich direkt danach gefragt, müsste ich korrekterweise antworten: „Also in der Definition in der sie allgemein verwendet wird, bin ich es eher nicht, schätze ich, in meiner eigenen Definition schon.“ Den Satz kann ich mir inzwischen schenken und einfach mit: „Ja!“ beantworten.

    Mein Denkfehler an der Stelle war, dass ich glaubte, keine Legitimation zu haben mich so zu nennen, weil ich vieles inzwischen anders sehe und auch unter das Glaubensbekenntnis kein Amen setzen kann. Ich bin da kleinlich. An die heilige Kirche glaube ich nicht, für mich hat sich die Kirche selbst auf diesen Sockel gestellt und ob Maria Jungfrau war oder nicht, ist für meinen Glauben irrelevant. Bekenntnisse dieser Form zeugen für mich eher von Kleinglauben. Wer sich damit besser aufgehoben fühlt, darf das. Nur lasse ich mich davon nicht ausschließen. Ich wage es anzuzweifeln, dass ausgerechnet die Kirchen das richtige Verständnis davon und ausschließlich zu entscheiden haben, wer sich Christ nennen darf und wer nicht?

    Ich denke das können wir getrost Gott überlassen und ich bin davon überzeugt, dass am Ende bzw. Anfang nicht nur Christen zu seiner Mannschaft gehören. Wahrscheinlich werde ich mich in einigem geirrt haben und mein Papa wird milde lächelnd sagen: „Der Versuch zählt.“ 😉

    „Naja, in der Mittagspause sind wir ein bisschen gelaufen und haben dabei über die evangelikale, konservative Szene gerotzt. Ich denke, vielleicht haben wir übertrieben, ihnen Unrecht getan. Das möchte ich eigentlich nicht. Ich möchte Frieden haben.“

    Meine Freundin und sind mal von einem Gottesdienst nach Hause gefahren mit dem festen Vorsatz nichts zu bewerten und nicht abzulästern. Das hat eine Vorgeschichte bei der wir schon einmal deutlich von Gott korrigiert wurden. Jedenfalls begann eine vorsichtig von uns, ungefähr so: „Ohne das jetzt kritisieren zu wollen, aber..“ Schon waren wir mittendrin. Was danach passierte würde mir sowieson die wenigsten glauben, deshalb nur die Quintessenz:

    Wut, Empörung und was weiß ich noch, sind Gefühle die mit an die Oberfläche kommen, wenn uns Unrecht bewusst wird oder wir uns daran erinnern. Je nach Grad der Verletzung kann es eine ganze Weile dauern ehe man diese verarbeitet und Jesus selbst war nicht zimperlich: „Heuchler, Narren, Otterngezücht“. Es gibt allerdings einen Zeitpunkt ab dem ein Ablästern nicht mehr mit therapeutischer Maßnahme gerechtfertigt werden kann. 🙂 Mit dieser Erkenntnis dennoch weiter zu lästern, wird zur Folge haben dass sich entweder Gott „oder“ unser Gewissen meldet. In unserem Fall erhielten wir gleich eine doppelte Dosis, die Lektion von oben und das eigene Gewissen, damit wir es ja nicht vergessen. 😀 Hat gewirkt! 😉

    Irgendwann kommt man an den Punkt an dem es nicht mehr wichtig ist, was andere glauben, was andere über meinen Glauben glauben, sondern es nur noch wichtig ist, was man selbst glaubt. Es finden sich diese Menschen die sich diese/n Fragen stellen und sich mit vorgefertigten Antworten nicht länger zufrieden geben wollen. Das beobachte ich aktuell vermehrt und diese Menschen möchte ich kennenlernen, weil sie mich auf meinem Weg weiter bringen. Da bin ich inzwischen auf gesunde Weise egoistisch.

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  2. bithya85 schreibt:

    Irgendwann kommt man an den Punkt an dem es nicht mehr wichtig ist, was andere glauben, was andere über meinen Glauben glauben, sondern es nur noch wichtig ist, was man selbst glaubt.
    Ich glaube, ich bin auf dem Weg dahin, noch nicht ganz da. Und was mir wichtig ist, dass Gott weiß und versteht, was ich glaube und warum. Ich weiß, das klingt kleinlich, aber für mich ist es einfach wichtig.

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    • inselines schreibt:

      Ich bin auch noch nicht an dem Punkt, aber da will ich hin.

      „Ich glaube, ich bin auf dem Weg dahin, noch nicht ganz da. Und was mir wichtig ist, dass Gott weiß und versteht, was ich glaube und warum. Ich weiß, das klingt kleinlich, aber für mich ist es einfach wichtig.“

      Das klingt nicht kleinlich, sondern vernünftig. Dann wäre eine Bitte, wenn ich Dich richtig verstanden habe, dass Gott Dir und mir zeigt, dass er versteht – dass wir das auch glauben können und ihm und uns auch zugestehen können. Denn um diese Diskrepanz, geht es doch wenn ich Dich richtig verstanden habe?

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      • bithya85 schreibt:

        Ich weiß irgendwie selbst nicht so genau, worum es mir hier geht. Ich hab einfach unzensiert aufgeschrieben, was in meinem Kopf vorgeht. Ich wünsche mir einfach, dass Gott mich mitsamt meinen Fragen und Zweifeln und dem ganzen Kladderadatsch annimmt, wobei ich ja eigentlich weiß, dass er das tut. Wie gesagt, ist ziemlich wirres Zeug. Einerseits wünsche ich mir, er täte es, andererseits weiß ich, er tut es. Also eigentlich mache ich mich ja verrückt um nichts.
        Naja, muss man nicht verstehen 😀

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  3. Karl Heinz schreibt:

    Hallo, liebe Bithya85, hallo, liebe Inselines

    „Irgendwann kommt man an den Punkt an dem es nicht mehr wichtig ist, was andere glauben, was andere über meinen Glauben glauben, sondern es nur noch wichtig ist, was man selbst glaubt.“

    Dem kann ich nur voll beipflichten. Auch ich kann mit den „überspitzten“ Bibeldiskussionen oder mit den ach so rührend und unterwürfig erdichteten und komponierten Lobpreisliedern schon lange nichts mehr anfangen, weil ich das alles viel zu theatralisch und übertrieben empfinde. Ich kann die Beiträge hier ganz intensiv mitfühlen.

    Absolut ohne jede Überheblichkeit kann ich für mich sagen (ich kann ja nur für mich selbst sprechen), dass ich nach meiner Überzeugung in meiner Glaubensgrundlage schon ziemlich angekommen bin.
    Ihr kennt meine Überzeugung und mein Gottesbild, wonach alle Existenz mit allem sie durchflutenden Sinn und Geist GOTT ist. Ich weiß, dass dieser Gedanke nicht auf Anhieb vollständig nachvollziehbar erscheint, aber für mich entspricht das aus aller Logik heraus noch am allerehesten der Wirklichkeit, der Realität.

    Wenn es zutrifft (für mich ist es so), dass wir als ganz kleine Teilchen aus der Gesamtheit aller Existenz entstanden sind und wieder in diese Gesamtheit zurückkehren, dann sind wir alle ohne jede Ausnahme „Kinder“ Gottes. Was wir aber oftmals nicht bedenken, das sind u.a. die Unendlichkeit und damit die Ewigkeit Gottes, die Allmacht und damit auch die Allwissenheit Gottes und dazu die uns bei unserer Erschaffung mitgegebene absolute Willens- und Entscheidungsfreiheit in Verbindung mit dem uns verliehenen Verstand.

    Im Klartext heißt das (für mich), wir alle haben die Fähigkeit bekommen, zu überlegen, wo wir herkommen und wohin wir gehen. Für jedes einzelne Wesen ist das ausschlaggebend, was es mit seinem Verstand erfassen kann und was ihm selbst als richtig (glaubhaft) erscheint. Jedes Individuum entscheidet für sich selbst, wie es sich gegenüber seiner Umwelt (einschl. Mitmenschen) verhält und ob sein Verhalten „vernünftig“ oder „unvernünftig“ ist bzw. welche Folgen daraus entstehen (können).
    Der ewige und unendliche Gott weiß seit und in Ewigkeit, wie sich jedes seiner noch so geringsten Teilchen verhalten und entscheiden wird. Er zieht die (mit freiem Willen ausgestatteten) Einzelwesen nicht wie Marionetten an Fäden oder so, dazu hat er sie nicht erschaffen und er erschuf sie auch nicht dafür, dass sie ihm gewissermaßen zu Füßen liegen und mit gesenktem Kopf ohne Ende „Hosiannah“ singen.
    Jede Seele, die in den Gesamtgeist Gottes zurückkehrt, bekommt den ihr dann zugewiesenen Platz. Wie dieser Platz aussehen wird, das weiß Gott allein. Jedenfalls wird es dort die ganzen „menschlichen“ Gefühle zu jeder „Rangordnung“ oder auch zu gut und böse so ganz bestimmt nicht mehr geben. Da denke ich, dürfen wir uns überraschen lassen.

    Und was das „Christsein“ betrifft, so denke ich, ist jeder und jede Christ/Christin, wer sich an der Lehre von Jesus orientiert und wer daran glaubt, dass Jesus allen Menschen den Weg zu Gott zeigen wollte.

    Ich schreibe die ganzen Gedanken nicht, weil ich irgendwie predigen oder gar missionieren möchte, das ganz gewiss nicht. Ich schreibe hier nur die Gedanken und Vorstellungen auf, die mir ganz persönlich als logisch und (für mich vermutlich) zutreffend erscheinen/erschienen sind. Vielleicht kann ich mit meinen Überlegungen auch anderen „Suchenden“ Unterstützung und Hilfe bieten. Es würde mich freuen…

    Einstweilen wiederum
    viele herzliche Grüße von Karl Heinz

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    • inselines schreibt:

      Hallo Karl-Heinz,

      verzichte auf Wiederholungen unserer Glaubensunterschiede 😉 weil ich mich lieber auf das Gemeinsame fokussiere; da haben wir einige Punkte, die wir voneinander wissen und Du auch genannt hast. Von Herzen danken möchte ich Dir für diesen Satz:

      „Und was das „Christsein“ betrifft, so denke ich, ist jeder und jede Christ/Christin, wer sich an der Lehre von Jesus orientiert und wer daran glaubt, dass Jesus allen Menschen den Weg zu Gott zeigen wollte.“

      Der geringste gemeinsam Nenner: „Wer nicht wider uns ist, ist für uns“ Mark. 9,40 Mir ist natürlich bewusst, dass dem mit „Wer nicht mit mir ist, ist wider mich“ Matth. 12,30 entgegnet werden kann. Aber interessiert mich an der Stelle nicht im mindesten. Mir hilft Deine Aussage meinen Standpunkt zu vertreten. Ob ich mich als Christ sehe und als solcher bezeichne entscheide ich alleine. Diese Freiheit habe ich vor und von Gott. Grüße und eine gute Zeit, Ines. 🙂

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  4. Patrick Rabe schreibt:

    Liebe Bithya, ich finde das alles überhaupt kein wirres Zeug. Und ich finde es gut, dass du das alles so unzensiert aufschreibst, denn nur das macht uns ehrlich vor uns selbst und vor Gott. Früher habe ich mir beim Beten immer Formulierungen zurecht gelegt. Mein Gebet sollte wohlklingend und für Gott zumutbar sein. Heute weiß ich, was für ein Irrsinn das war. Und noch dazu Heuchelei! Ein Evangelischer Pastor hat mir sehr geholfen, indem er mich auf die deutlich unverblümtere Gebetspraxis der Juden aufmerksam machte. Und seitdem praktiziere ich das. Ich rede mit Gott völlig unzensiert, ich schimpfe auch und weine. Wenn Gott es nicht aushalten kann, WER DANN!!!!

    Die Frage, ob ich noch ein Christ bin, stelle ich mir auch immer mal wieder. Nach evangelikalem Verständnis sicher schon lange nicht mehr (Jetzt mal auf die „engeren“ Gemeinden bezogen. „Evangelikal“ ist ja nicht „Evangelikal“). Aber ich kann die Frage heute wieder guten gewissens mit „Ja“ beantworten. Es geht mir im Glauben immer weniger um einen bestimmten Modus oder Usus. Ich kann nur sagen: Jesus trägt mich. That’s all. Ich kann es nicht erklären und ich will es auch nicht mehr, Und ich habe auch nur noch geringe Lust, mir mit Leuten Bibelverse um die Ohren zu kloppen.

    Und Lobpreis? Ich finde, das meiste geht durch keinen TÜV. Aber Nullinger! Ich kann ja immer nur Jens Böttcher empfehlen (Du wirst ihn kennen…?). Mein allerliebster „Lobpreissong“ ist allerdings dieser hier (Und da mag ich auch die große Geste): https://www.youtube.com/watch?v=Ho92k2CKNh0

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    • bithya85 schreibt:

      Ich denke auch, wenn Gott mich nicht aushalten kann, mit allem was ich bin, wer dann? Deswegen ist Gott sozusagen meine (letzte) Hoffnung da, wenn mich meine Prägung, diese inneren Anklagen anklagen.

      Dieses Lied ist toll. Danke für’s aufmerksam machen, das war genau das, was ich gebraucht habe, denn eben war ich in einem Hauskreis, wo der Leiter auch so meinte, auch, wenn etwas schrecklich, unlogisch und sinnlos ist, wenn Gott sagt, tu das, dann tut man es, weil es das Beste ist. Dann meinte er auch das Beispiel von aus dem Boot steigen und auf dem Wasser gehen, dass da eben auch der Sturm war. Da tut es gut, dann sowas zu hören wie, dass Gott meine wirren Gedanken beruhigt und anstatt etwas sagt wie „Steig aus dem Boot und laufe über das Wasser, auch wenn du es jetzt nicht kannst!“ eher schonmal sagt „Wenn du es nicht kannst, ist ok, dann bin ich eben die Brücke über dem stürmischen Wasser.“

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  5. Karl Heinz schreibt:

    Hallo Patrick,
    ja, da Lied ist sehr schön und auch sehr ausdrucksstark. Danke für den Hinweis.

    Für mich ist ein anderes Lied ebenso berührend. Es vermittelt mir absolutes Vertrauen in und zu Gott:

    ER ist in uns, wir sind in IHM.
    Wir können nirgendwo anders sein, denn ER hat uns aus sich erschaffen, nach SEINEM Willen.
    Wir brauchen nicht untertänig zu buckeln und endlos um die Gnade und Barmherzigkeit Gottes zu betteln, wenn wir uns dessen bewusst sind, dass wir alleine durch und nach SEINEM Willen existieren.
    Wir können aufrecht vor Gott stehen und sagen: Herr, hier bin ich, DEIN Geschöpf, nach DEINEM Willen.
    Und gleichzeitig wissen wir, ohne IHN gäbe es uns nicht; wir sind durch IHN und er ist immer bei/in uns.

    Das musste ich hier ergänzend noch dazuschreiben…
    Viele herzliche Grüße von Karl Heinz

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    • Patrick Rabe schreibt:

      Lieber Karl Heinz, „Von Guten Mächten“ schlägt „Bridge over troubeled water“ noch um Längen. Und man muss auch überlegen, wo und wann Bonhoeffer das geschrieben hat. Im KZ, kurz vor seiner Hinrichtung. „Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern, /des Leids, gefüllt, bis an den höchsten Rand,/ so nehmen wir ihn dankbar, ohne Zittern/ aus deiner guten und geliebten Hand“… (Diese Strophe fehlt oft in youtube-Versionen!) Was haben wir kleine Popel da noch mitzureden!?

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      • Karl Heinz schreibt:

        Hallo, lieber Patrick,
        ich wollte doch nicht in Konkurrenz treten zu dem Lied von Dir. Ich wollte mich mit meinen eigenen Gedanken nur anschließen…
        Bonhoeffer hat die Verse zum Lied kurze Zeit vor seiner Hinrichtung geschrieben. Die Vertonung erfolgte erst etwas später. Natürlich ist mir auch die von Dir geschriebene Strophe bekannt. In der von mir angezeigten youtube-Version ist sie nicht enthalten. Gleichwohl habe ich aber diese Version als am gefühlvollsten und am eindringlichsten empfunden.
        Was mich manchmal stört ist, dass Gott als gut, gnädig oder barmherzig bezeichnet wird. Nach meiner Glaubensüberzeugung sind das von Menschen geformte Adjektive. Mein Glaube sagt mir: GOTT IST !
        Nach meiner Überzeugung kommt auch das Böse nicht von Gott. Das Böse kommt einzig und alleine nur aus dem Menschen selbst. Und jeder Mensch für sich ganz alleine muss sich nach meiner Erkenntnis selbst, aus seinem eigenen freien Willen heraus, durch Wort und Tat vom Bösen lossagen. So sehe ich das…

        Wenn Bonhoeffer in seinem Text Gott und seine Hand als gut und geliebt bezeichnete, dann empfinde ich darin einen Hinweis auf seine Beziehung zu Gott. Er empfand, dass das Böse nicht von Gott kommt, also kann Gott nur gut sein und ihm war auch klar, dass wir mit Gott immer und überall untrennbar verbunden sind. Wir kommen durch IHN aus IHM und wir kehren wieder in Gott zurück. Wir sind mit Gott untrennbar verbunden. Diese untrennbare Zusammengehörigkeit ist die „reale“ Liebe Gottes zu den Menschen, die Garantie für uns, dass uns Gott absolut NIEMALS fallen lässt. ER ist in uns, wir sind in IHM…

        Viele liebe Grüße von Karl Heinz

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