Diese Momente…

 

Unbenannt2Das ist einer dieser Westboro-Baptist-Church-Momente. Dieser Moment, wo du völlig schockiert bist und vor lauter Schockiertsein nicht weißt, was du schreiben sollst. Für die, die es vielleicht nicht so gut erkennen können: Das ist ein Forenbeitrag einer Person auf die Frage, wie Nächstenliebe funktioniert. Die Antwort:

„Ich meine, um meine Nächsten wirklich so selbstlos zu lieben, muss ich zuvor einen gottgemäßen Hass auf mich selbst bekommen. Erst dann werde ich fähig, die Jesusliebe auszuleben.“

Eine Verständnisfrage: Was ist ein gottgemäßer Hass auf mich selbst, bei einem Gott, dessen Essenz, dessen innerstes Wesen, die Liebe ist? Und wie soll Selbsthass bei Nächstenliebe helfen? Erklärt es mir, ich versteh es nämlich wirklich nicht. Hm, naja, ich weiß nicht, ob ich es überhaupt verstehen will.

Ich geb zu, der Schriftzug unter dem Screenshot ist vielleicht unangemessen für einen „christlichen“ Blog. Aber dieser Ausruf drängte sich mir dermaßen auf, dass ich es für unecht halte, es auch zu zensieren.

Aber es gibt auch andere Momente.

Unbenannt

Übersetzt: „Es tut mir leid. Wir sind hier, um uns für das zu entschuldigen, was wir Christen der LGBT-Gemeinschaft (aus Schwulen/Lesben, Bisexuellen, Transsexuellen) angetan haben. Ich habe mich hinter meinem Glauben versteckt, wo ich eigentlich nur Angst hatte. Ich habe auf euch hinabgesehen, anstatt eure Menschlichkeit zu würdigen. Ich habe euch nicht mal zugehört. Ich habe euch auf eure Sexualität reduziert, anstatt euch als Kinder Gottes zu sehen. Ich habe euch ausgestoßen und eure Familien verletzt im Namen des „Wertes der Familie“. Ich habe es mir bequem gemacht statt mutig zu lieben.“

Ein Moment der Hoffnung, in dem Menschlichkeit und Nächstenliebe durchschimmert. Man kann sich vielleicht fragen, was hat das eine mit dem anderen zu tun? Ich glaube, sehr viel. Anscheinend haben hier mal Leute ihr Verhalten reflektiert, aber ich sehe nichts davon, dass sie sich selbst klein machen und sich selbst hassen. Nur, dass sie sich entschuldigen für etwas, von dem sie gemerkt haben, dass sie es falsch gemacht haben. Hier steht nicht „Ich hasse mich“, sondern „Ich entschuldige mich“. Das ist ein Unterschied. Ich glaube, wer sich selbst hasst, macht sich klein und schwach, kann sich nicht entschuldigen, denn er muss viel zu viel kompensieren. Wer sich entschuldigen kann, ist stark. Vielleicht möchte Gott uns zu dieser Stärke verhelfen? Was meinst du?

Ein anderes Beispiel:

Vergebung„Als Freikirchler möchte ich allen Christen aus den Landeskirchen oder anderen Bewegungen die Hand reichen und sagen: Bitte vergebt uns, wenn wir den Eindruck gemacht haben, wir wären die besseren Christen, hätten es besser drauf. Es hab und gibt manchmal eine Arroganz, die uns schlecht zu Gesicht steht. Wo das geschehen ist: Vergebt und. Um Jesu willen.“

Es ist schon ein paar Wochen alt, aber es ist immer noch genauso stark. Es macht mir Hoffnung, nicht nur, dass wir Christen in Zukunft endlich eine etwas bessere Einigkeit haben werden, selbst wenn es nicht so sein sollte, macht es mir Hoffnung, dass es ein wenig in eine wertschätzende, liebevolle Richtung gehen könnte.

Und es macht mir Hoffnung, dass Gott und andere auch mir vergeben könnten, denn ich habe auch schon mehr als einmal den Eindruck erweckt, die Wahrheit mit Baggerschaufeln gefressen zu haben. Ich sehe da besonders eine Sache, wo ich nicht nur im Nachhinein selbst gemerkt habe, dass ich mich scheiße verhalten habe, sondern auch in den Situationen es von den anderen auf eine deutliche, aber freundliche Art gesagt bekommen habe und gemerkt habe, dass sie mich trotzdem nicht ausstoßen und dann, Jahre später, haben wir wieder ab und zu darüber geredet und gemeinsam darüber gelacht und ich habe gemerkt, dass die, von denen ich nicht dachte, dass sie überhaupt Christen sind, die Liebe Gottes stärker ausstrahlen als die „wahren“ Christen es in einer solchen Situation getan hätten.

6 Gedanken zu “Diese Momente…

  1. inselines schreibt:

    Ich hatte mal etwas dass man Vision nennen kann über mich selbst. Mein Leben lief wie ein Film vor meinem inneren Auge ab, aber nur der miese Anteil von mir, meine Fehler, meine Versäumnisse, meine Hartherzigkeit, Situationen, die völlig aus meinem Gedächtnis verschwunden waren. Das ging Schlag auf Schlag und war bildlich wie eine ausgeleuchtete Filmrolle die ablief und sich aufwickelte. Da konnte ich mit Jesaja mitfühlen: „Wehe mir, ich vergehe“. Diese Gefühl ist unbeschreiblich und unvergesslich.

    Dann dachte ich wortwörtlich: „Wie soll mir das jemals verziehen werden können?“ Ich hatte diesen Gedanken noch nicht richtig zu Ende gedacht, hörte ich klar und deutlich: „Dir sind ALLE Deine Sünden vergeben.“ Ich konnte fühlen wie eine Zentnerlast von mir fiel und ich wurde mit Liebe und Annahme nur so überflutet, die tagelang anhielt.

    Was ich damit ausdrücken möchte ist, dass ich mich DARAN erinnere, wenn ich mich selbst fertig mache. Ich sehe es als Geschenk das ich erhalten habe. Gott ist nicht daran interessiert uns fertig zu machen und er ist noch weniger an Selbsthass interessiert. Es ist vielmehr ein Hindernis. Gott hat den inneren Film nicht vor mir ablaufen lassen um mir zu zeigen wie erbärmlich ich bin, sondern um mir zu zeigen wie groß seine Liebe zu mir ist. Ich hatte ein immenses Vertrauensproblem und dem ist Gott begegnet.

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    • bithya85 schreibt:

      Interessant, dass du das schreibst. Ich habe gestern den Film „Die Hütte“ gesehen, da ist das ja auch Thema, wenn auch aus einer anderen Perspektive. Also, dass Gottes Liebe größer ist als unser Verdammen, auch von uns selbst.

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  2. Patrick Rabe schreibt:

    Liebe bithya, der Kommentar von Inselines gibt mir gerade richtig trost. manchmal denke ich, ich kann eigentlich nur noch verworfen werden… Schlimm. Ich habe so viel falsch gemacht, vor allem immer wieder dieser ganz Okkult-Scheiß! Habe da zwar nicht groß was praktiziert, aber ich operiere mit dem Wort. Verantwortung pur. Manchmal denke ich, ich bin ein mieser, falscher Prophet. Liebe Grüße, Patrick

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    • bithya85 schreibt:

      Warum schreibst du es ihr nicht selbst? 😀
      Aber ich glaube, ich weiß, was du meinst, wenn du schreibst, dass du manchmal denkst, ein falscher Prophet zu sein. Das denke ich nämlich manchmal auch, bei dem, was ich so schreibe und sage. Vielleicht kommen wir alle in diesem Leben nicht über Stückwerk weg, das, was ich heute schreibe hätte ich vor 10 Jahren als Blasphemie bezeichnet und heute würde ich auch nie so reden, wie ich vor 10 Jahren geredet hätte. Vielleicht werde ich in 10 Jahren dasselbe über das hier sagen. Was ist jetzt falsch und was ist richtig?

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