Schatzsuche – Treasure hunting

Was am Tag davor geschah:

Ich war ziemlich unten. Die ganzen Fragen und Zweifel, die mir immer wieder durch den Kopf gehen sind etwas eskaliert. Die Fragen die Jesus Tod aufwerfen können, bzw. die Interpretationen vom Kreuzestod, die Fehlbarkeit von prophetischen Eindrücken, der Machtmissbrauch, die Manipulationen und das Mobbing, was es in Gemeinden teilweise gibt und so gar nichts mit der Liebe zu tun hat, zu der wir berufen sind, das alles hat mich in existentielle Zweifel gebracht. Ich lag oder saß in meiner Wohnung und hab gedacht, mein Glaube hängt grade an nicht mehr als einem dünnen Spinnenfaden. Der jeden Moment zerreißen kann und ich würde Jesus verlieren. Was für mich wirklich das Schlimmste wäre.
Aber trotz der Fehlbarkeit der prophetischen Eindrücke hatte ich den Eindruck beim Beten, dass Gott mich fragt: „Sag mal, was genau glaubst du denn noch? Gibt es denn ganz konkrete Punkte, bei denen du Schwierigkeiten hast?“ Das hat mich erstmal aus meiner Abwärtsspirale raus geholt und meinen Blick auf das gerichtet, was ich glaube. Hab kurz nachgedacht. Ich glaube auf jeden Fall die „Grundlagen“. Ich glaube, dass Gott mich liebt, dass er alle Menschen liebt. Ich glaube, dass ich durch Jesus Christus sein Kind bin. Und ich glaube auch, dass Jesus für meine Schuld gestorben ist, auch wenn ich weiß, dass diese Interpretation nicht unumstritten ist. Das hat mich fürs erste beruhigt. Danke, Gott.

Was am Tag selbst geschah:

Morgens hab ich eine WhatsApp-Nachricht bekommen, ob ich mitkommen wolle, um für Leute in der Stadt zu beten. Hab „Ja, warum nicht“ geantwortet, ohne nachzudenken, was ich da eigentlich mache. Später hab ich erst mal überlegt, was ich da eigentlich zugesagt habe. Waren wohl die Finger schneller als der Kopf. Gestern war ich doch noch an meinem Glauben verzweifelt und ich weiß in vielen Dingen nicht, was ich sagen soll und ich hab immer noch Meine große Sprachlosigkeit. Außerdem muss ich ehrlich sagen, schäme ich mich für vieles, was in Gemeinden abgeht und der Gedanke, Leute, die Gott kennen lernen wollen dahin einzuladen… ich weiß nicht. Aber wenn ich so darüber nachgedacht habe und meine Gedanken mal reflektiert habe, ist mir schon aufgefallen, dass es genauso gut sein kann, dass es Angriffe sind und mich irgend so ein Vieh, das mal wieder Aufmerksamkeit haben wollte versucht, mich zu manipulieren. Außerdem heißt es doch, Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig, oder?
Außerdem hab ich dann einen anderen Blog gelesen: Gott ist tot?! (Kurzfassung: Ist Gott tot oder warum bist du so unmotiviert? Wenn er lebt, verhalte dich auch so.) und das hat mich auch wieder etwas aufgerüttelt. Also, es gab eigentlich keinen Grund, der dagegen sprach, dass ich da hin komme. Also bin ich los gegangen. Hab mir noch was zu trinken gekauft, weil ich etwas zu früh da war. Dann hat mich die Pia gefunden. Es waren schon eine Handvoll Leute da. Haben trotzdem noch ne halbe Stunde gewartet. Ich glaube, keiner wusste wirklich, wie es weiter gehen könnte.
Schließlich sind wir doch in ein Cafe gegangen und jemand hat die Initiative ergriffen und gesagt, was wir machen: Erst beten und Gott um prophetische Eindrücke bitten. Dann aufschreiben, was wir bekommen: Den Ort, das Aussehen der Person, die wir ansprechen sollen, Gebetsanliegen, Ungewöhnliches… Das Aufschreiben sollte später ein Beweis für die Leute sein, dass Gott uns schickt: Immerhin haben wir schon vorher gewusst, was passieren würde. Also haben wir gebetet und gehört. Es kamen auch einige Eindrücke. Was interessant war: Die meisten von uns, wenn nicht alle, hatten als Eindruck die Farbe Blau. Als Kleidungsstück oder Körperteil. Also, jemand hatte etwas auffallend Blaues an oder einen blauen Gips oder blaue Haare, irgend sowas wahrscheinlich. Ich hatte vor meinem inneren Auge ein blaues Shirt mit Aufdruck gesehen, zum Beispiel. Und den anderen ging es ähnlich. Und ich hatte noch eine Frau mit blonden Locken gesehen.
Dann haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt, einmal zu dritt und einmal zu viert und haben die Leute gesucht. Ich glaub, alles, was ich gesehen habe, war irgendwie blau. Ich wusste nicht, dass so viele Leute blaue Sachen tragen. Wir haben die Leute, glaub ich, auch gefunden… aber… es ging alles viel zu schnell, wir hätten viel zu schnell reagieren müssen und ich war einfach völlig überfordert, weil ich nicht wusste, was ich eigentlich machen sollte, was ich sagen sollte und wie… Der Mann im blauen T-Shirt zum Beispiel, kam uns entgegen, ich hab die anderen angestubst, „hey, das ist er!“ wir haben die Köpfe zusammen gesteckt, wer sollte denn jetzt zu ihm gehen? Keiner hat sich getraut und dann war er auch schon weg. Zehn Minuten später hab ich auch die Frau mit blonden Locken gesehen, an genau der Stelle, die ich im Eindruck hatte (übrigens auch mit tiefblauem Shirt und genauso blauen Shorts), aber als ich grade die anderen auf sie aufmerksam machen wollte, lief sie schon weg. WAS EINE SCHLAPPE!!! Später hat noch jemand einen gefunden und ist doch zu ihm gegangen, um Gebet anzubieten. NIX! Till und ich waren zurück geblieben, um für sie zu beten, aber grade, als wir angefangen haben, sind sie schon wieder zurück gekommen und meinten „Hat nicht geklappt.“ Er hätte nur gefragt „Ja, und jetzt? Was wollt ihr?“ und mehr war nicht. NOCH MEHR SCHLAPPE!

Also, ich war da echt frustriert. Pissig, genervt, und ich wusste echt nicht, was das jetzt sollte. Wahrscheinlich waren es einfach Anfängerfehler, hab ich später gedacht, bis jetzt ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und vielleicht möchte Gott einfach, dass wir dran bleiben, auch wenn es nicht so geklappt hat. Außerdem, ehrlich gesagt, schmeckt mir diese seltsame Methode nicht. Wenn wir da einen größeren Spielraum für eventuelle Eindrücke gehabt hätten, vielleicht wäre es dann besser gelaufen. Nicht nur, für welche Personen wir was beten sollten. Vielleicht war es ja dran, jemandem Blumen zu schenken oder einem Bettler einen Kaffee auszugeben oder oder oder. Ich mag es eigentlich auch gar nicht, Gott so ein bisschen zu einem Automaten zu machen: Gebet rein, Eindruck raus. Kommt mir respektlos vor. Vielleicht werde ich es nächstes mal sagen, falls es ein nächstes mal gibt.

Aber ich muss sagen, so schnell wird nicht aufgegeben, jedenfalls wenn es nach mir geht. Außerdem ist es eine Sache, wo ich so irgendwie reingestolpert bin und bis jetzt entwickeln sich genau solche Sachen immer am spannendsten. Challenge accepted.

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